Pegasusquadrat am 08.10.10

Vor erstaunlich langer Zeit startete ich das Projekt „Pegasus-Quadrat“ mit dem Ziel, die dortigen Galaxien genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Ergebnisse veröffentliche ich hier als Beobachtungsanregung für Teleskope ab 8″ ÖFfnung. Einige Erfolge waren NGC 7741 und andere, der Galaxienhaufen Abell 2666, NGC 1 und andere, NGC 7769 und andere, außerdem NGC 7550 und andere . Gestern (08.10.) nun klarte es auf, so dass ich folgende Galaxien nachlegen konnte:

Zusammen mit weiteren Beobachtern der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Heuchelheim stand ich in Königsberg und bewunderte einen zunehmend aufklarenden Himmel, von dem sich letzte Zirren in Richtung Südwesten verabschiedeten. Nach einem kuren Aufwärmen an P/103 Hartley, der malerisch dicht an h+X in Perseus stand, und einigen Planetarischen Nebeln ging es dann ins Pegasus-Quadrat. Zum Einsatz kam für alle Objekte mein 400cm f/5 Dobson mit einem 8mm Ethos. Dieses zeigt im direkten Vergleich mit meinem – zugegebenermaßen alten – 9er Nagler mehr Details und die Galaxien um einiges sicherer. Diesmal standen keine Galaxiengruppen im Fokus sondern eher einzeln stehende Objekt. Daher ist die Liste auch nicht sonderlich lang.

UGC 12533
(Zu) nahe an Tau Pegasi steht diese Galaxie. Der ein oder andere Beobachter wird diesen Stern mit 4.5mag aus dem Gesichtsfeld fahren müssen, um die Galaxie zu sehen. Sie erscheint im wesentlichen strukturlos, ist mit 1:3 bis 1:4 deutlich elongiert, dafür kaum zur Mitte heller. Durch die Lage jedoch ein reizvolles Objekt und eine Kontrastherausforderung, vielleicht sogar ein Testobjekt für Himmel und Teleskop.

PGC 71068
Ganz in der Nähe, nämlich 20′ westlich von UGC 12533, steht PGC 71068. Sie ist klein, rund, lichtschwach und besitzt ein helleres Zentrum. Nicht sonderlich reizvoll, aber wenn man schon in der Gegend ist …

PGC 71789
Besonders reizvoll finde ich hingegen diese Galaxie, denn sie steht innerhalb einer Gruppe von neun Sternen, die jeweils etwa 10te Größe hell sind und auf etwa 11 Bogenminuten einem offenen Sternhaufen ähneln. Am Ostrand dieser Gruppe findet sich die Galaxie, die heller zur Mitte und flächig ist. Sie reicht nahe an TYC 2253 1782 (11,6mag) heran. Mit einer langen Achse von etwa 45″ bei einer 1:3 Elongation ist sie angenehm groß und auch hell genug.

UGC 12646
Bei dieser Galaxie sehe ich blickweise einen stellarer Kern. Sie erscheint etwa 1:2 elongiert bei einer langen Achse von geschätzten 50″. Ihre Helligkeit macht sie zu einem leichten Fang (für größere Teleskope …).

UGC 12678
gibt mir insofern etwas Rätsel auf, als ich hier „kaum zur Mitte heller, schwach,  25″ und rund“ notiert habe. Seltsam daran ist rund, was daraufhin deutet, dass ich hier nur einen Kernbereich einer laut Katalog elongierten Galaxie gesehen habe.

Soweit der gestrige Ausflug in den Pegasus. Hoffentlich bald mehr!
Viel Spaß und Erfolg beim Nachbeobachten 🙂

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2 Antworten auf Pegasusquadrat am 08.10.10

  1. Hi Frank,

    ja, aufklarenden Himmel bewundern, in Mitteleuropa. Hier nicht so ganz.
    Ich hatte Freitag und Samstag DIE NÄCHTE meines Lebens. Bin eingeladen worden mitzubeobachten, der Himmel wäre der beste in Südarizona. Ist übrigens in Portal, AZ, kennst du vielleicht von Jack Newton, der hat da seine Sternwarte nebenan.

    Mal kleine Stichwortliste:
    – Komet Hartley freiäugig einfach
    – M 33 direkt freiäugig
    – Gegenschein auffällig, der nahestehende Jupiter hat allerdings sehr blöd geblendet
    – Grenzgröße erste Nacht 7m2, letzte Nacht 7m4 (ein anderer hat 7m6 gesehen – und mir von einem 8m9 Himmel auf dem Kilimandscharo vorgeschwärmt. Das schlimme ist: Ich weiß, dass er es gesehen hat und nicht flunkert)
    – Zentralstern im PN IC 5148/50 im Grus (etwa 15° über Horizont) mit 16″ gesehen – der ZS hat 16m5, von drei Mitbeobachtern bestätigt worden
    – Zodiakallicht gegen morgen äußerst hell und störend
    – Wintermilchstraße bis zum Horizont (Sternbild Achterdeck / Schiffskompass)
    – alle Plejadensternnebel von den Fotos im 5″ Refraktor gesehen – bombig!
    – Herbstmilchstrasse bis fast zu M31
    – M 31 habe ich mir nicht genauer angeschaut, wahrscheinlich hätte ich zugucken können, wie die da oben Apartments bauen… 🙂

    Und Canopus kratzt am Horizont lang.

    Ich bin glaube ich schwer verdorben worden. Was mache ich zukünftig mit unserem mickrigen 6m5-Himmel…? Ich muss da ja wieder hin…

    Viele Grüße,
    Christian

  2. Frank sagt:

    Moin Christian,

    wow, das klingt ja genial! Da ich selbst ja schon den Gegenschein gesehen habe (sogar von hier aus!), kann ich die Bedingungen gut einschätzen.

    Jupiter warf am Freitag übrigens Schatten, so störend ist der. Die Revanche gab’s gestern, da warf jemand seinen Schatten auf Jupiter (Io).

    Was Deine Befürchtung angeht – das ist halb so wild. Klar, ich erinnere mich auch noch an den ersten Beobachtung nach der Nacht auf dem Furkapass. Ich frage Klaus: „Sag mal, wie ist die Durchsicht denn so, wie schätzt Du das ein?“. Er: „och, ziemlich gut heute“, worauf mir nur ein „Das habe ich befürchtet“ einfiel. Aber das legt sich ganz schnell, denn als Astroholiker braucht man einfach irgendwann das Sternenlicht so dringend, dass die Qualität des Himmels nachrangig wird.

    Viele Grüße

    Frank

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