„Astronomie ist, wenn man sie trotzdem betreibt“

Stefan im Clear-Sky-Blog bemängelt gerade die Abwesenheit des Klaren Himmels. Da hat er durchaus recht, denn das Wetter ist im Augenblick schlecht. In Foren und auf Mailinglisten macht sich dies bemerkbar. Klar [sic] ist auch, dass Mitteleuropa kein gutes Pflaster für Astronomie ist. Es laufen einfach zu viele Tiefausläufer aus Nordwesten an, die wolkenreiche Luft mit sich führen und dann im Stau von Mittelgebirgen und Alpen abregnen – manchmal tagelang. Dies erklärt den Titel dieses Beitrags.

Was kann man denn nun tun?

Zunächst gibt es bei schlechtem Wetter diese zwei Möglichkeiten:
1) es ertragen
2) ihm ausweichen.

Das Ausweichen ist nicht risikolos, denn trotz aller Präzision der Wettervorhersagen können schnell einige hundert Fahrkilometer in die Tonne gehen. Außerdem hat nicht jeder Zeit, neben Familie und Beruf noch viel Zeit im Auto zu verbringen.

Schlechtes Wetter ist schwer zu ertragen. In Mittelhessen hatte ich nicht selten unter einer Nebeldecke zu leiden [im doppelten Sinne], die sich von Oktober bis Ende Dezember durchgängig über mir ausbreitete. Das zehrt an den Beobachternerven.

Es gibt jedoch noch weitere Möglichkeiten:

3) die Zeit Nutzen

Auf der anderen Seite ist die Beobachtungszeit nur ein Teil der Zeit, die ich mich mit Astronomie beschäftige. Wie das Blog hier zeigt, fotografiere ich viel, auch Selteneres, und habe bereits 200 planetarische Nebel visuell beobachtet. Beides setzt voraus, dass ich mich stundenlang mit Vor- und Nachbereitung beschäftige.

Dazu gehören:

  • Forschen nach Anregungen in Zeitschriften, Internet und Software
  • Planung der Objekte
  • Bildbearbeitung
  • Zeichnen und Beschreiben des Gesehenen
  • Registrieren des Beobachteten
  • Schreiben von Blog- und Zeitschriftenartikeln

Abgesehen von diesen Schreibtischtätigkeiten gibt es an der Technik immer zu feilen.
Gleitlager des Dobsons, Okularseitiges Zubehör, ganz neue Teleskope, Spiegelschleifen („Schatz, was ist mit dem Ceranfeld vom Herd geschehen?“) neue Software usw.

4) Vielseitigkeit

Eine weitere Strategie bzgl. des Wetters ist die Vielseitigkeit der Interessen.
Visuelle Deep-Sky-Beobachtung setzt beispielsweise gutes Wetter bei Mondlosigkeit fast zwingend voraus (von Ausnahmen abgesehen). Also erfreue ich mich auch an der Beobachtung von Planeten, Sonne und Mond und habe auf diese Weise viel mehr Gelegenheiten mit geeignetem Wetter.
Auch die Wahl der Ausrüstung hilft. Sehr unruhige Luft? Na gut, wie sieht es denn dann mal mit Weitfeldastronomie aus, bspw. im Fernglas oder einem kurzbrennweitigen Refraktor?

5) Astronomen treffen

Last but not least sind Treffen mit Hobbyastronomen ebenfalls ein guter Zeitvertreib.
Das schlechte Wetter ist immer ein leichter Einstieg in einen in der Regel lustig
werdenden Abend, beispielsweise in Bergedorf oder Heuchelheim.

Es gibt also Möglichkeiten, die das schlechte Wetter etwas erträglicher machen.

Aber ehrlich gesagt könnte es jetzt echt mal wieder Aufklaren 🙂

Und immerhin! Es gibt ja einen Hoffnungsschimmer, siehe Bild. Auf dem einen oder anderen ITV standen wir bei leichtem Regen auf den Treppen des Vereinsheims und es fand sich immer einer, der sagte: „das wird noch. Die Wolken haben Strukturen!“. Und das haben sie ja, wie man sieht. In diesem Sinne 🙂

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3 Antworten auf „Astronomie ist, wenn man sie trotzdem betreibt“

  1. Stefan sagt:

    Frank,
    das ja ein Klasse Bericht geworden und erweitert meine „Meckerei“ wunderbar. Ich werden Deinen Artikel gleich mal in meinem Blogpost verlinken.
    Viele Grüße
    Stefan

  2. Pingback: Warum das Wetter gerade für Hobbyastronomen und Sternengucker so schlecht ist! » Clear Sky-Blog

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