Ein ungleiches Pärchen: IC 1295 und NGC 6712

Im Sternbild Schild stehen zwei interessante Objekte nicht mal einen Vollmonddurchmesser voneinander entfernt. Die Rede ist zum einen von NGC 6712, einem Kugelsternhaufen im rechten oberen Viertel des nebenstehenden Bildes. Zum anderen handelt es sich um den Planetarischen Nebel IC 1295, etwas links unterhalb der Bildmitte als bläuliches Hufeisen zu erkennen.

Am 11.10.12 (schön, oder?) ahnte ich das Zusammenfallen der Wolken und baute das Teleskop auf. In der Tat: als ich fertig war, war der Himmel klar. So sollte es öfters sein. Ich übe das Aufklaren-durch-Teleskopaufbauen noch, melde mich dann rechtzeitig mit den Informationen, wo und wann ich zu buchen bin 🙂

Das nun schon geübte Team TV85 mit Canon 1100Da auf GP-D2 fing dann das Bild dieses Beitrages ein. Die Objekte standen nur 16 Grad über dem Horizont – das ist nicht viel. Leider sanken die Objekte und so kamen am Ende 25×2 Minuten bei 3200 ASA zusammen. Guidemaster beschwerte sich beim Trainieren der Montierung. Zu recht, fürchte ich, denn die Sterne sind ganz leicht unrund.

Für den Kugelsternhaufen reicht die Belichtungszeit offensichtlich – für den planetarischen Nebel ist das natürlich knapp. Da werde ich bei Gelegenheit (also in 10 Monaten oder so, denn allmählich schließt sich das Beobachtungsfenster) nochmal nachlegen. Zum Einsatz kam der Astronomik OWB-Filter, mit dem ein sehr schöner Farbeindruck der Objekte entsteht. Für den planetarischen Nebel lohnt sich natürlich der Einsatz des UHC-Filters.

Kugelsternhaufen sind alte Objekte, dementsprechend sind die Mitgliedssterne ebenfalls alt. Dadurch entsteht der gelbliche Farbeindruck auf dem Bild. Visuell am Teleskop ist dies nicht zu erkennen. In der Farbwahrnehmung sind visuelle Beobachter leider, gerade bei Deep Sky, benachteiligt. Leicht ist diese Objekt und lohnt sich als Abstecher, beispielsweise nach einem Blick auf Messier 11.

Der Planetarische Nebel ist schwerer visuell zu erhaschen, mit einem 40cm-Dobson natürlich kein Problem. Da ist schon bei 100x ohne Filter das Objekt als große, runde Fläche zu erkennen. Es ist auch ersichtlich, dass die Fläche nicht gleichmäßig leuchtet sondern unregelmäßig erscheint.

Beide Objekte sind auf jeden Fall eine Reise wert – visuell oder fotografisch.

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3 Antworten auf Ein ungleiches Pärchen: IC 1295 und NGC 6712

  1. Hallo Frank,

    „Beide Objekte sind auf jeden Fall eine Reise wert“
    Das kann ich so auch unterschreiben. Ich habe das Objekt erstmals „aus Versehen“ im Laternsertal beobachtet, bin irgendwie drüber gestolpert und hatte auf einmal einen PN und daneben einen KSt vor den Augen. Solche Konstellationen mit zwei oder mehr Deep-Sky-Objekten liebe ich. Hattest du nicht mal einen Artikel mit Galaxien in der Präsepe (oder Presäpe oder wie dat Dingen heißt) in der Magellan gehabt?
    Hab hier mal meine Beschreibung einer anderen Beobachtungsnacht (26.6.2011), ebenfalls im Laternsertal von IC 1295: Mit 94x ist der KSt NGC 6712 im Bild ==> Spektakulär! Kein ZS, rund, diffus, ohne Filter leicht, reagiert extrem auf UHC und [OIII], tolles Sternfeld, subtile Strukturen, im N etwas heller, im Zentrum etwas schwächer.
    Sie Beobachtung wurde mit dem 18″er gemacht bei mittelgutem Himmel (fst 6m4 in Lyra). In der Zeichnung sieht man den W, O und N etwas heller eingezeichnet, da kommt deine Hufeisenstruktur heraus.
    Alles in allem ist es ein sehr empfehlenswertes Objekt – visuell auf jeden Fall. Fotografisch weiß ich nicht, aber da hast du ja den Beweis angetreten, dass es auch schön ist.

    Übrigens:
    Ein nettes Pärchen für den Winterhimmel ist M46 mit NGC 2438 (OK, ist jetzt glaube ich nix Neues für dich). Den nebenstehenden PN PK231+4.1 kennste auch schon, oder? Schau mal da, eine echt gelungene Aufnahme:
    http://www.flemingastrophotography.com/astropics/M46_RGB-cropped_100pct2.jpg

    Viele Grüße aus dem Süden,
    Christian

  2. Frank sagt:

    Moin Christian

    Vielen Dank für Deine visuelle Beobachtungsbeschreibung dieses Objekts. Es gehört zu den Objekten, die auf meiner Wiederholungsliste stehen. Es gibt nämlich Objekte, die ich mir noch nie mit meinem 16-Zöller angeguckt habe obwohl ich sie vorher durch vieles zwischen 4,5″ und 18″ gesehen habe.

    Der Artikel mit Galaxien hinter M44 kann von Klaus gewesen sein. Ich weiß, dass wir mal an mindestens einem Beobachtungsabend diese Galaxien abgefrühstückt haben. Was ich definitiv mal geschrieben habe, war ein Artikel über die Galaxien hinter dem offenen Sternhaufen NGC 752. Ich erinnere mich gerne an die Reaktionen auf den Artikel: „meintest Du einen Durchmesser oder einen Radius von 16″ bei deinem Teleskopspiegel?“.

    Mit M46 bringst Du mich natürlich auf eine Idee …

    Ein interessantes Pärchen zeigt Jörg im aktuellen Himmelsfähnchen-Beitrag.

    Tschüss

    Frank

  3. Pingback: IC 1295 in ganz anderem Licht | Asterythms

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