Joe Bonamassa, 13.10.2011, Jahrhunderthalle Frankfurt

Vorgeschichte: Vor einiger Zeit beklagte ich meiner Frau gegenüber das horrend zunehmende Alter meiner ganzen Gitarrenhelden. Wer wisse, wie lange die noch neue Sachen produzieren (könnten). Und es käme irgendwie keiner nach.

Wenige Tage später wurde mein Irrtum bewiesen: ich kam abends vom Beruf nach Hause, schloss die Haustür auf und hörte Musik, die gleich was in mir auslöste. Meine Frau hörte gerade eine CD, die der Zeitschrift eclipsed beilag. Die Musik kam von Joe Bonamassa (JB). In der Folge kauften wir CDs und Livemitschnitte und waren begeistert. Was lag da also näher als zum Konzert zu gehen?

Konzert am 13.10.2011 Jahrhunderthalle Frankfurt

In wenigen Worten: ein saustarkes, hochdynamisches Konzert eines begnadeten Musikers und Gitarristen mit einer ausgebufften Backingband.

Ausführlicher:
Bonamassa ist bekennder Jethro-Tull-Fan und daher könnte die Jahrhunderthalle ein besonderer Ort für ihn gewesen sein. Immerhin haben besagte Jethro Tull dort mal gespielt, wobei der Andrang etwas groß für die Scheiben der Halle waren. Die Jahrhunderthalle ist für uns über die Autobahnen A45 und A66 in etwa 45 Minuten zu erreichen, daher lag das Konzert optimal nahe und wir waren mit netter Zeitreserve vor Ort. Die Jahrhunderthalle ist übrigens ein Kuppelbau,  wodurch sich eine interessante Innenarchitektur ergibt, der die 1960iger allerdings durchaus anzusehen ist.

Die Bühne ist mit der dreiköpfigen Band (Keyboard, Drums, Bass) nicht eben überbevölkert. Das gibt dem langbeinigen Joe gute Gelegenheit, über sie zu streifen, wobei er einen ganz eigenen Gangstil hat. Mit diesem unterstreicht er die gefühlvollen Töne, die er all seinen Gitarren entlockt. Gefühlvoll darf hier nicht missverstanden werden: es ging über weite Teile des Konzerts richtig fetzig ab! Ein Kracher ist bspw. Slow Train. Doch JB ist ein erfahrener Bandleader und baut genug ruhigere Lieder ein, um in der Summe einen perfekten Spannungsbogen bieten zu können.

Sicherlich ein Höhepunkt des Konzertes war die Ballad of John Henry, „the closest thing to a smash-hit“. Der Einsatz eines Theremins schafft in diesem Song eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht.

Auf der Setlist fielen mir außerdem folgende Songs auf: Tennesse Plates, Dust Bowl, Happier Times, You Better watch yourself, Woke up dreaming, Sloe Gin, Bird on a Wire.

Noch gesondert erwähnen möchte ich den Midnight Blues, der von Gary Moore stammt (noch eine Verbindung zu Jethro Tull: Jonathan Noyce, langjähriger Tull-Bassist, spielte zuletzt bei Moore). Eine wirklich würdige Version.

Was mich als Gitarrespieler fasziniert, ist die „Belesenheit“. JB hat eine Vielzahl von namenhaften Gitarristen gehört, verstanden, aufgesaugt, verinnerlicht … und macht doch einen eigenen Stil daraus.

Er hat eine kleine aber exzellente Band um sich herum versammelt. Das passt perfekt und die Jungs haben offensichtlich Spaß auf der Bühne, der dann nahtlos auf der Publikum übergeht. Überhaupt ist JB ein sehr guter Gastgeber und es wirkte so als freue sich über jeden einzelnen im Publikum.

Das Konzert war gefühlt viel zu kurz und ich hätte gerne noch viel mehr Songs gehört. Die Zeit verging wie im Fluge – und das ist ein großes Lob für einen Künstler.

Am Ende noch ein Sonderlob an den Gitarrenroadie, der ein ums andere Mal Joes Gitarrenkabel aus einer misslichen Lage befreite.

Und ganz am Ende noch der Wunsch nach guter Besserung. Während des Konzertes meinte JB schon, er habe sich die derzeit grassierende Grippe eingefangen … und tatsächlich musste der die Konzerte dieses Wochenendes absagen. Also: alles Gute!

Empfehlungen:

– Live At Royal Albert Hall (DVD/BluRay)
– Dust Bowl
– Black Country Communion 2

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3 Antworten auf Joe Bonamassa, 13.10.2011, Jahrhunderthalle Frankfurt

  1. Angelika Even sagt:

    Wir waren dabei, erste Reihe, der beste Platz, den ich je auf einem Konzert hatte.

    Da ich Joe schon im Sommer in Bonn verpasst hatte, war FFM ein „Muss“.

    Ich stimme dem Autor voll und ganz zu, ein großartiges Konzert, musikalisch das Beste, was ich je gesehen habe.

    Ein echter Künstler an seinem Instrument, umgeben von einer spielfreudigen und genial aufeinander eingestellten Band.

    Schön, dass Bonamassa das Durchschnittsalter der von uns so bewunderten Gitarristen etwas nach unten setzt.

    Ebenso erfreut bin ich, dass da auch noch ein paar andere vielversprechende Riffkünstler in den Startlöchern stehen und wir doch nicht an Ohrenkrebs, verursacht durch ungenießbare Konservenmusik, frühzeitig sterben müssen:)

    Und wir möchten Bonamassa noch ganz oft sehen und hören und wünschen ihm gute Besserung!

  2. Gabi sagt:

    Hallo Frank,

    oben hervorgehobenen Herrn kenne ich zwar nicht – doch einen anderen gitarrenlastigen Musiker bzw. zwei davon, die dich eventuell interessieren könnten. „Ezio & Booga“. Live erlebt 2009 in Nürnberg (unprätentions, atmosphärisch, Musik pur); besonders Ezio weiß sein Publikum anzusprechen. Richtig gut ist ihr Live Album von 1999: Live at the Shepherds Bush Empire. Genial: “ Alex“ und „Saxon Street“. Ebenfalls: saustark 😉

    Gruß; Gabi

  3. Pingback: Driving towards the daylight | Asterythms

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