25 Jahre World Wide Web

Vor 25 Jahren schrieb der Physiker Tim Berners-Lee an der Großforschungsanlage CERN eine Datei und stellte sie in das Rechnernetzwerk. Heute nennen wir eine solche Datei „Webseite“. Dies kann als die Geburtsstunde des Internets, der World Wide Web (WWW) gewertet werden. Mein Hobby Astronomie hat durch das WWW sehr viel gewonnen – und hiervon handeln die folgenden Zeilen.

Vieles wird in diesen Tagen über das Jubiläum geschrieben und im Grunde zeichnet sich die Bedeutung der weltweiten Vernetzung noch immer gerade erst ab.  Selbst über die Bedeutung für das Hobby Astronomie würde sich ein Buch schreiben lassen. Um den Rahmen zu wahren, möchte ich aus meiner persönlichen Sicht den herausragenden Einfluss auf das Hobby an drei Beispielen erläutern.

Kleinplanetenbedeckungen

Beeindruckend ist es, wenn ein Stern im Bildfeld des Teleskops steht und für wenige Sekunden verschwindet. Dies geschieht bei so genannten Sternbedeckungen durch Kleinplaneten, beispielsweise durch Luisa, siehe Bericht Teil 1, Teil 2. Dabei jagt ein Schatten von einigen hundert Kilometern Größe über die Erdoberfläche. Das Problem ist: man weiß nicht so genau, ob er im Süden Deutschlands, im Norden Deutschlands oder über Sizilien jagt. Zugegeben, mittlerweile weiß man das bei den großen Kleinplaneten [sic] schon sehr gut. In den Neunzigern war das aber anders und da begannen wir, über das Internet Beobachtungsaktionen zu koordinieren. Gezielte Aufrufe führten dazu, dass viel mehr Beobachter teilnahmen. Es war ein tollen Gefühl, einen Beobachtungsaufruf zu starten und dann kurz nach dem Ereignis zu lesen, dass ein Beobachter Glück hatte und völlig begeistert war. Heute koordinieren sich die Beobachter beispielsweise auf Euraster.net .

Website der AAG

Seit 1994 bin ich Mitglied der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Heuchelheim (kurz: AAG). Im Dezember 1996 war es dann soweit: ich stellte eine Seite für diese Arbeitsgemeinschaft auf meinem Studentenaccount online.

Über die Jahre gewannen wir immer wieder Mitglieder durch diese Webpräsenz. Es ist heute einfach normal, zunächst mal eine Internetsuche durchzuführen und darüber nach Gruppen von Interessierten zu suchen. Da das Hobby Astronomie von vielen Technikbegeisterten betrieben wird, nutzten diese natürlich auch früh das Internet, um Gleichgesinnte zu finden.

Weltweite Kontakte

Mich begeistert seit dem ersten Tag, dass ich problemlos mit Menschen aus der ganzen Welt in Kontakt treten kann. In den Anfangsjahren nutzte ich ein Programm namens „Earth Centered Universe„. Es war überhaupt kein Problem, mit dem Programmierer in Kontakt zu treten – und der sitzt in Kanada. Oder ich trat in Kontakt mit Redakteuren der Sky&Telescope. Mit Freunden in der Schweiz arbeitete ich an dem Deep Sky Corner. Um die Jahrtausendwende herum stieß ich zu den Gründern der Zeitschrift Magellan – ein Projekt, das von einem Kernteam betrieben wurde, das sich vom Herforder Raum über Mittelhessen bis zum Starnberger See verteilte. Einige Jahre hatte ich engen Kontakt zum International Astronomical Youth Camp und konnte in diesem Rahmen gleich 17 Nationen an meinem Teleskop begrüßen.

Diese kurze gefasste Aufzählung zeigt, wie vielfältig der Gewinn durch das Internet für den Hobbyastronomen ist. Bestimmt hat jeder Leser seine eigene Geschichte zu erzählen.

Zu meinem astronomischen und surfenden Werdegang:

Seit 1992 bin ich im Web unterwegs, doch als astronomischer Beobachter und Leser war ich schon seit etwa 1980 aktiv. Zu Beginn war ich gerade einmal acht Jahre alt. Alle Hilfe und jede Information stammte von meinem Vater, einem Optikkonstrukteur, oder aus Büchern.

Im Herbst 1992 begann ich dann Physik zu studieren und hatte das Universitätsrechenzentrum direkt neben den Hörsälen. Und so dauerte es nur wenige Wochen, bis ich meinen Benutzeraccount mit Emailadresse hatte.

Den großen Durchbruch als Beobachter schaffte ich durch den Anschluss an die AAG und mit den Möglichkeiten des Internets.

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