Das Objekt PK 75+5.1

Bisher stehen etwa 180 Einträge in meiner Liste erfolgreich beobachteter Planetarischer Nebel. Vor einiger Zeit habe ich mir einige Dutzend weiterer Kandidaten herausgesucht. Am Mittwochabend (14.10.) ergab sich die Gelegenheit, einen der Einträge anzugehen. Und mal wieder wurde alles spannender als gedacht …
Die Bezeichnung „PK 75+5.1“ weist zunächst auf folgendes hin: PK steht für Perek & Kohoutek. Das sind die beiden Forscher, die den Katalog geschaffen haben. Die Zeichfolge dahinter lehrt, dass wir bei galaktischer Länge 75 und galaktischer Breite 5 zu suchen haben. Im gegebenen Quadratgrad ist es das erste Objekt, daher die „.1“ am Ende. Die Ziffernfolge zeigt außerdem an, in welchem der beiden PK-Kataloge das Objekt aufgelistet ist: in der 1967er Erstausgabe. Hier die aktuelle Ausgabe.

Nun wusste ich aus der Deep-Sky-Liste, dass Beobachter hier schon erfolgreich etwas gesehen haben, darunter ein Beobachter mit 8 Zoll unter einem 5,2er Himmel.

Grund genug, es mit dem C8 vom heimischen Balkon aus zu versuchen (man beachte: von dort aus habe ich bereits mehrfach das Zodiakallicht gesehen – aus der Stadt heraus!). Das Objekt steht ziemlich mittig im Sternbild Schwan und ist beinahe im Schlaf zu finden (RA 19h57m und DEC +39d50m).

Die Position finden ist nur der erste Schritt. Nun muss das Objekt auch wirklich wahrgenommen werden. Ich will es kurz fassen: es gab ein längeres Rumgeiere mit dem UHC-Linienfilter (Filter rein in den Strahlengang, Filter raus aus dem Strahlengang, wieder rein, wieder raus. Anderes Okular, Filter rein, Filter raus. Anderes … usw.). Am Ende war ich mir sicher, einen Stern identifiziert zu haben, der eine minimale Helligkeitsschwankung hat – also genauer gesagt: der durch den Filter kaum in seiner Helligkeit reduziert wird.

Soweit eigentlich unspektakulär.

Nach der Beobachtung setzte ich mich jedoch an den Rechner und startete Guide8.0 – und sah an der betreffenden Stelle keinen PN, bzw. lediglich das in meinem „Kandidatendatensatz“ eingetragene Objekt. Guide 8 verwendet standardmäßig den neueren PK-Katalog. In diesem sind Einträge des Originalkatalogs entfernt worden – wenn eben die neuere Erkenntnis besagte, dass es kein PN ist.

Kurz mal im Internet gegurgelt – und nix. Fast kein Treffer!

Guide 8 gab mir dann noch die Bezeichnung V1016 aus. Damit wird ein Veränderlicher Stern bezeichnet. Also ging ich nochmal durchs Internet und zwar genauer: zu Simbad. Diese Datenbank spuckte unter der Angabe der Koordinaten tatsächlich den V1016 aus – und als alternative Bezeichnung „PK 75+15.1.„.

Also kein PN.
Alles nur Täuschung?
Nicht nur bei mir sondern auch bei mindestens 6 weiteren Beobachtern?

Denkbar!
Ich hätte noch eine andere Theorie. Als Veränderlichenklasse wird „NC+M“ angegeben. Und damit wird doch vieles klar, oder?

Also, okay, was heißt diese Klassifizierung?

Diese Klasse bezeichnet Veränderliche Sterne, bei denen das Spektrum dem eines PN ähnelt und man noch nicht sicher ist, ob es nicht Proto-PN sind.

Nun gilt es, weiter zu googeln. Und wieder werde ich fündig, nämlich im der Fachzeitschrift „Astronomy and Astrophysics“. Genauer: „Astron. Astronphys. 117, 209-214 (1983)“.
Gut, der Artikel ist etwas betagt. Vielleicht gibt es neue Erkenntnisse. Jedenfalls deuten die damaligen Ergebnisse darauf hin, dass es sich bei V1016 um ein Doppelsternsystem handelt, in dem ein heißer Stern einen kalten Stern umkreist und beide wiederum von einer Staubscheibe umgeben sind.

Die spektralen Daten deuten darauf hin, dass V1016 eine deutliche Emission auf der [OIII]-Linie besitzt – was eben zur Beobachtung der Amateurastronomen passt, denn wir verwenden UHC- und [OIII]-Filter.

Leider kein weiterer Planetarischer Nebel in meiner Sammlung – aber eine sehr spannende Beobachtung mit sehr interessantem Hintergrund ! 🙂

PS: Achja, und noch eines: ich poste dies (gerade noch) am 16. Oktober. Also eine Geschichte über V1016 am Tage 10.16.

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5 Antworten auf Das Objekt PK 75+5.1

  1. Pingback: Asterythms - der Blog » “Neue” Planetarische Nebel.

  2. Hi Frank!

    Na sowas, da googelt man nichtsahnend nach PK 75+5.1 weil der DSO-Browser nix findet – und was kommt als erster Treffer? Natürlich Asterythms 🙂
    Habe das Objekt am 27.7. beobachtet und bin erstaunt, daß es sich leider doch nicht um einen PN handelt. Arbeite momentan an der Vervollständigung der 150, muss mal nachzählen, wieviele es jetzt sind. Dürfte knapp dran oder knapp drüber sein.
    So, genug von mir geprahlt.
    Ich wäre dann jetzt also der siebte Beobachter, der etwas gesehen hat, richtig?
    Hier mal schnell meine Notizen für den Abgleich:
    Reagiert sehr stark auf [OIII], sehr hell, auch ohne Filter deutlich, gute Reaktion auf UHC, verbleibt stellar bis Vmax=452x.

    Habe in der gleichen Nacht übrigens zum ersten Mal seit zwei Monaten (Arizona) mal wieder einen NGC-PN beobachtet (NGC 7076 = Abell 75). Wobei, im DSO wird der als Bright Nebula gehandelt.

    Gut, daß ich bislang keine Datenbereinigung gemacht habe. Möchte nicht wissen, wieviele der vermeintlichen PNs in meiner Liste gar keine sind.

    Viele Grüße aus dem schönen Allgäu!

    Christian

  3. Frank sagt:

    Moin Christian!

    Was mich selbst erstaunte: ich hatte den eigenen Artikel gar nicht mehr so genau im Kopf 🙂 Aber nun geht das Blog auch ins 5te Jahr und Woche für Woche (manchmal öfters) schreibe ich etwas.

    Freut mich jedenfalls, dass Du das Objekt auch gesehen hast – offensichtlich sogar deutlich leichter als ich. Denke aber, Du hast mit 18-Zoll beobachtet. Das macht gegenüber 8-Zoll ordentlich was aus … jedenfalls super, dass Du Deine Beobachtung hier dazu gesetzt hast!

    Mit PNs ist es in der Tat seltsam. Man muss immer wieder nachlegen, sonst nimmt die Zahl der beobachteten PN über die Zeit wieder ab 🙂 Gilt das sonst überhaupt für eine Objektkategorie?

    Alles Gute,

    Frank

  4. Hi Frank,

    ja, richtig, habe mit 18″ beobachtet. Bedingungen waren durchschnittlich (fst 6m4), ich selbst war eher nicht ausgeschlafen.
    Nachdem ich in der PN-Data-Liste von Kent Wallace alles eingetragen habe (da ist übrigend NGC 7076 als PN verzeichnet, PK 75+5.1 jedoch nicht), komme ich auf 145 Nebel. So wie ich es sehe, habe ich noch viel im Schild und Adler zu tun. Im Schützen wäre noch mehr los, allerdings zeigt mein Teleskop so langsam Altersschwäche und möchte nicht mehr zwingend so weit nach unten schauen (oder auf deutsch gesagt: Die Rockerbox ist ein wenig auseinandergebogen und die Spiegelzelle verkeilt sich in der Box, wenn ich zu weit gen Horizont schwenke). Habe wie immer keine Zeit gefunden, da etwas zu unternehmen. Leider steht mir ja auch keine Werkstatt mehr zur Verfügung, bzw ich muß improvisieren.

    Ach ja: Habe einen neuen persönlichen „Dunkelheits“rekord für PNs aufgestellt. PK 28-4.1 bzw. Pe 1-20 mit angeblichen 16m3 (SB ist allerdings 12m3 aufgrund der kleinen Ausdehnung). PK 17-2.1 (M1-52) war auch so eine Nuß: Den konnte ich erst bei 452x blinken, dafür aber recht gut. Mittlerweile merke ich die Grenzen der Uranometria sehr deutlich. Irgendwie sind da in der Milchstraße viel mehr Sterne angebracht als in dem Atlas… 😉

    Viele Grüße ausd dem endlich mal wieder sonnigen Allgäu,
    Christian

  5. Frank sagt:

    Moin Christian

    hoffe, ich kann mir im Keller auch mal eine Werkstatt einrichten – groß genug ist er. Es gibt auch eine Menge Projekte zu vervollständigen (auch Gitarren), aber im Augenblick stehen andere Dinge noch im Vordergrund.

    145 ohne Schild und Adler ist sehr gut. Da wirst Du noch einige Objekte erwischen!

    Und bezüglich Uranometria: daher verwende ich schon seit Jahren die Uranometria nur für den Überblick und Karten aus Guide für die genauen Suchfelder. Das hat sich bei 16-Zoll und diesen schwachen Fizzelchen wirklich bewehrt.

    Tschüss

    Frank

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