Megakometen: Hyakutake C/1996 B2

Aus den letzten 25 Jahren meiner Beobachterkarriere sticht C/Hyakutake 1996 B2 hervor, siehe Bild. Die Wartezeit auf ISON eignet sich m.E. gut, an den Kometen zu erinnern. Hierzu musste ich etwas in die Archive steigen. Insbesondere hatte ich noch keine digitalisierte Aufnahme bereitliegen. Und so kramte ich in alten Dias (!)

Diese DIA-Aufnahme entstand am Ortsrand des hessischen Ortes Kinzenbach am 25.03.1996, etwa um 0h30 MEZ mit einem 50mm Objektiv, nachgeführt wurde per Hand auf den Kometenkopf. Die Kamera hatte ich damals auf dem Tubus eines 11cm-Newtons befestigt, dessen parallaktische Montierung legendär einfach war.

Auf den ersten Blick sieht der Komet ein wenig aus wie einer von vielen der letzten Jahre: ein heller, runder Kopf (rechts der Bildmitte) und ein schwacher, bläulicher Schweif (im Bild nach links). Mit dem zweiten Blick zeigt sich das Besondere! Der fotografierte Himmelsausschnitt beträgt etwa 40°x27°. Daraus ergibt sich eine Schweiflänge von 28° auf dieser Aufnahme. Das ist mehr als die Spanne über Deichsel und Kasten des großen Wagens. Dieser Schweif war nicht nur fotografisch nachzuweisen sondern konnte problemlos mit bloßem Auge bestaunt werden!

Im Bild mit Markierungen sind zur Verdeutlichung das Sternbild Bootes (Bärenhüter) im linken oberen Teil des Bildes, die Deichsel des großen Wagens im rechten unteren Bildteil und das Sternbild Jagdhunde am mittleren unteren Bildrand durch Linien gekennzeichnet.

 

Für mich begann der Beobachtungsabend am 24.03. in der hellen Dämmerung. Ich stieg aus dem Auto, guckte an den Himmel – und fand den Kometenkopf zusammen mit den ersten Sternen. Vor Begeisterung musste ich einmal sehr tief Luft holen 🙂

Der Komet hat einen bleibenden Eindruck aus folgenden Gründen hinterlassen:

1. Im Teleskop konnte ich sehen wie sich der Kopf des Kometen zwischen den Sternen bewegte! Das gelang durch einfaches Draufgucken, ohne Skizzieren und Vergleichen nach einigen Minuten. Irre.
2. Im Maximum erstreckte sich der Schweif über einen Bereich von 40°-45°. Das ist irrsinnig viel. Der Schweif stand im Zenit und man konnte sich einfach hinlegen, nach oben gucken und genießen.
3. Trotz schlechter Wettervorhersagen hatten wir von der Astro-AG an den entscheidenden Tagen Glück und konnten Öffentlichkeitsarbeit betreiben (das Foto entstand nebenbei).

Es gibt noch eine weitere Anekdote zu Hyakutake.

Seinerzeit waren zwei Kometen des Entdeckers Hyakutake am Himmel zu sehen: 1996 B2 und 1995 Y1. Letzterer war nur im Teleskop beobachtbar, da er nur so um die 10te Größenklasse an Helligkeit hatte. Stefan kam auf die Idee, mit einem Auge durch mein Teleskop zu gucken. So war 1995 Y1 sichtbar. Mit dem anderen Auge spähte er durch eine Lücke in der Hutkonstruktion meines Dobsons auf 1996 B2. Das machte ich nach und sah auf diese Weise mit dem einen Auge 1996 B2, mit dem anderen Auge 1995 Y1 – also zwei Kometen desselben Beobachters zum absolut gleichen Zeitpunkt. Das ergibt zwar kein beeindruckendes Bild, ist aber mit Sicherheit absolut einzigartig und dürfte kaum wiederholbar sein 🙂

Nun konnte ich letzten Donnerstag den Kometenkopf von ISON mit dem Fernglas 20×70 sehen, bevor der Komet die Sonne passiert. Bis zu einem Spektakel im Stile von Hyakutake ist es noch ein weiter Weg. Doch es kann ja noch werden!

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5 Antworten auf Megakometen: Hyakutake C/1996 B2

  1. Inge Leiter sagt:

    Hallo Frank

    Hast wieder einen intressanten Bericht zusammen gestellt. Es ist schon toll was Du mit Stefan
    so alles erlebt hast. Bin gespannt ob wir den Kometen auch sehen werden.
    Gruß Mutti

    • Frank sagt:

      Hallo!
      Der Komet Holmes hat ja gezeigt, dass solche tollen Kometen buchstäblich aus dem Nichts kommen können. Insofern habe ich hinsichtlich ISON meine Erwartungen gedämpft und denke, irgendwann kommt auf jeden Fall wieder ein großer Komet 🙂
      Wo ich schon nach Dias gekramt habe, hatte ich natürlich auch Hale-Bopp-Bilder gefunden … soviel schon mal als Vorgriff.
      Tschüss, Frank

  2. Josef Gräf sagt:

    Halolo Frank,

    danke für Deinen Artikel!
    An Hyakutake kann ich mich auch noch erinnern, ich war damals mit einigen Leuten am Schiffenberg. Abseits der Klosteranlage gingen wir nachts am Waldrand entlang, wo kein künstliches Licht war. Der zarte dünne Kometenschweif zog sich über den halben Himmel hin. Das werde ich nie vergessen.
    Hyakutake habe ich noch beeindruckender in Erinnerung als Hale-Bopp:
    http://www.josef-graef.de/images/sterne/kometen/hale_bopp/halebopp.html
    Damals interessierte ich mich noch nicht so fürs Sternegucken,
    deshalb kann ich nur mit „fremden“ Bildern dienen.

    Viele Grüße
    Josef

    PS:
    Bezüglich ISON neige ich zu Zweckpessimismus:
    http://www.josef-graef.de/zukunft/index.html#ison

    • Frank sagt:

      Hallo Josef,
      vielen Dank für Deine Erinnerungen und für die Links. Der Text bei Oculum hinsichtlich ISON dämpft die Erwartungen ja deutlich. Aber es wäre ja auch schöner, positiv überrascht zu werden 🙂
      Tschüss, Frank

      • Josef Gräf sagt:

        Hallo Frank,
        „1. Im Teleskop konnte ich sehen wie sich der Kopf des Kometen zwischen den Sternen bewegte! Das gelang durch einfaches Draufgucken, ohne Skizzieren und Vergleichen nach einigen Minuten. Irre.“
        Ja, solche Beobachtungen sind wirklich beindruckend! Ich hatte so etwas beim Kometen Schwassmann-Wachmann in der Nähe des Ringnebels im Mai 2006 beobachtet, vergesse ich auch nie.
        Übrigens, heute morgen aus dem Dachfenster um 7:00 Uhr sah ich wunderbar den hellen Merkur und darunter den schwächeren Saturn (etwa 6°ü.d.H.). Von ISON keine Spur (15 Bogenminuten über dem Horizont laut Skymap), ich könnte mich am A… beißen, ich hätte noch eine halbe Stunde warten sollen. Morgen um 7:45 Uhr versuche ichs nochmal.
        In La Palma ist Stefan Schuchardt aktiv:
        http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=158686&whichpage=2

        Gruß,
        Josef

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