
Neulich stand ich in der Küche und bereitete einen Kaffee zu. Dabei bemerkte ich Dinge, zu denen die gelesenen Hinweise geschwiegen hatten. Und dann fiel mir sogar noch ein astronomischer Bezug ein. Daher gibt es hier ein Rezept (nach dem letzten Rezept zu Erde und Mond).
Das Verschweigen von Hinweise ist möglicher Weise eine persönlich Sache. Das wird beim Lesen dann auffallen.
Aber zum astronomischen Bezug: Es gab diesen Abend in der Astro-AG Heuchelheim, an dem drei Astronomen zusammensaßen. Ein Thema war: Die Oberfläche von schwarzem Kaffee ist sehr gut als Spiegel geeignet. Die Oberfläche muss nur die richtige Form haben. Nun kann das beispielsweise eine Parabel sein. Und es gibt die Rotationsparabel! Also war ein Gedanke, den Kaffee in eine Schale zu füllen und die Schale nach dem Befüllen in Drehung zu versetzen. Es bildet sich dann die Form einer Parabel aus.
Und dann stellten wir Astronomen der AAG uns vor: Ein Arzt fragt, wie viel Kaffee den Nachts so gebraucht werde. Und die Antwort lautet dann: Mehrere Liter werden es wohl sein.
Mehrere Liter?
Das ist doch nicht gesund! Zumindest dann, wenn man die Aussage missversteht und denkt, dieser Kaffee werde getrunken.
Was mich zu einem Arztbericht führt, den ich irgendwo habe. Da steht „bedenklicher Kaffeekonsum“ drin! Es gibt aber eine gute Auflösung: Ich hatte mich in der Größe meiner Kanne vertan! Ich trinke Kaffee nicht nur dünn sondern auch weniger als die Hälfte von dem, was der Arzt dachte. Zumal: Kaffee wirkt zwar meist erhöhend auf Puls und Blutdruck. Und die sind bei mir aber laut Langzeitstudien absolut normal und sehr gesund.
Soviel Vorgeschichte. Jetzt zum Kaffeekochen!
Wobei … wie kam ich zum derzeitigen Aufbau? Ich benutze nämlich eine Filterhalter, eine Thermoskanne, einen Wasserkocher und optional eine Kaffeemühle.
Dieser Aufbau entstand als ich versuchte, meine Kaffeemaschine und deren Kanne zu reinigen.
Nun arbeite ich seit einiger Zeit in der Lebensmittelindustrie. Daher entsprach das Reinigungsergebnis gar nicht meinen Vorstellungen. Am Ende stand das Ergebnis, Kanne und Maschine wegzuwerfen und den Kaffee nach Altvätersitte herzustellen.

Geräte:
Wasserkocher
Filterhalter: Meiner ist aus Porzellan und gut reinigbar. Filter sind Größe 4, Fassungsvermögen ist etwa ein halber Liter.
Thermoskanne: Fassungsvermögen ein Liter, gut reinigbar, Deckel nur zum Schrauben und alle Oberflächen gut zugänglich.
Kaffeemühle: Eigentlich habe ich sogar zwei. Eine Elektrische und eine Handbetriebene.

Also das Rezept:
Filter in den Filterhalter setzen,
18g Gramm Kaffeebohnen,
die Bohnen mahlen,
0,5 Liter Wasser aufkochen,
Kaffeepulver in den Filter geben,
kochendes Wasser je nach Geschmack portionsweise oder in einem Aufguss in den Filter geben

Es gibt in diesem Rezept zwei entscheidende Freiheitsgrade: (1) den Mahlgrad des Kaffeepulvers und (2) die Geschwindigkeit, mit der das Wasser aufgegossen wird.
Der Mahlgrad
Angefangen habe ich mit der Handmühle. Das ging eigentlich problemlos. Mahlgrad einstellen, dann Kurbeln um die Bohnen zu mahlen. Aber die Faulheit gewann. Die Handmühle wurde von einer elektrischen Mühle abgelöst. Die elektrische Kaffeemühle hat ein Schlagmesser. Die Dauer des Betriebes entscheidet über den Mahlgrad der Bohnen. Bei mir ist ein gutes Maß zehn Sekunden Betriebsdauer. Kürzere Betriebsdauer ergibt gröberes Pulver. Länger gemahlen ergibt feineres Pulver. Und auch hier noch eine Anekdote aus meinem Leben: Mein Opa mahlte Kaffeebohnen mit einer kaputten elektrischen Maschine, auch mit Schlagmesser. Einmal bekam der Opa die Maschine nicht geschlossen. Folge: Das Messer schnitt die Bohnen nicht klein – stattdessen flogen die Bohnen durch die Küche meiner Großeltern. Was für ein Bild …
Das Übergießen
Es gibt das berühmte „Blooming“: Etwas Wasser soll das Kaffeepulver aufblühen lassen. Es wird größer. Ich habe das probiert aber noch keine eindeutigen und großen Effekt gespürt.
Wichtiger ist die Geschwindigkeit, mit der kochendes Wasser auf das Kaffeepulver gegeben wird.
Das liegt beispielsweise an einer Beobachtung: Wasser in einem Schwung im Filterhalter führt zu Kaffeepulver an der Wand des Filters. Bis oben hin. Damit sind die oberen Teile des Kaffees nur kurz im Wasser.

Eine portionsweise Gabe des Wassers hingegen führt zu einer längeren Einwirkdauer des Wassers auf das Kaffeepulver.

Mit längerer Einwirkzeit wird der Kaffee also stärker.
Nun hängt es vom persönlichen Geschmack ab, wie diese Freiheitsgrade gewählt werden. Ich habe damals mit einem Kaffee angefangen, den ich aus der Kaffeemaschine kenne. Den habe ich nachempfunden.
Mittlerweile bin ich aber viel erfahrener und merke, welche Kaffee ich wie zubereiten will. Dann weiche ich in der ein oder anderen Richtung vom Grundrezept weiter oben ab.
Ich hatte jetzt tatsächlich zum ersten Mal einen Kaffee, wo ich langsam Wasser zugeben muss, damit er mir gut schmeckt. Normalerweise klappt es immer, das Wasser in einem Schwung einzufüllen. Bei diesem Kaffee jedoch nicht.
Grundsätzlich trinke ich unter der Woche (guten) Pulverkaffee und mahle am Wochenende ganze Bohnen. Und es gibt ja tolle Kaffees! Beispielsweise hatte ich einen, da wurden Bohnen in Südamerika geerntet und mit Segelschiff nach Bremen gebracht. Erwartet nicht, aus einem schlechten Kaffee mit diesen Hinweisen hier einen guten Kaffee zu machen. Man kann einen guten Kaffee eben nur durch einen noch besseren ersetzen. Zum Glück gibt es heute viele Kaffeegeschäfte lokal und online. Es ist eine tolle Entdeckungsreise und jeder muss und wird finden, was ihm am besten schmeckt.
Es gibt noch den Einfluss des Wassers. Insbesondere des Kalkgehalts. Hier habe ich keine Erfahrungswerte. Außer der Beobachtung, dass der Kaffee daheim etwas stärker schmeckt als der auf einer Nordseeinsel, auf der ich öfters bin.