Der planetarische Nebel Abell 70 visuell

In der Nacht vom 4. auf 5. September 2021 bot sich die Gelegenheit, meinen 10″ Dobson auf das Sternbild Adler auszurichten. Im äußersten südöstlichen Zipfel nahe der Grenze zu Wassermann und Steinbock steht der planetarische Nebel Abell 70. Mit einem Durchmesser von 42 Bogensekunden durchaus eine Herausforderung für mich mit diesen Mitteln.

Die atmosphärische Durchsicht war in dieser Nacht nicht besonders gut für ein solches Objekt, das zum Beobachtungszeitpunkt nur gut 26 Grad über dem Horizont stand. Beflügelt von meinem Erfolg an Cn 3-1 wagte ich jedoch einen Versuch.

Der Starhop vom Endstern des Adlerflügels gelang sehr gut. Schnell fand ich das Zielgebiet.

Das Zielgebiet zeigte drei zwischen 9ter und 11ter Größe, die in einem fast rechtwinkligen Dreieck angeordnet sind. Dessen kürzeste Seite ist etwa in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet. Nahe des Sterns am rechten Winkel des Dreiecks steht Abell 70 (auch: PNG 038.1-25.4 und PK 38-25.1) laut Sternkarte.

Und dort fand ich ihn auch. Die beste Sichtung gelang mir mit 8mm-Okular und OIII-Filter. Der UHC-Filter schnitt deutlich schlechter ab, in diesem war der PN nur sehr schwer zu sehen. Grundsätzlich war der PN mit Filter schwer zu sehen, jedoch eine sichere Sache. Eindeutig war ein flächiges, etwa rundes Objekt zu sehen, das auf Filter ansprach. Am westlichen Rand schien mir manchmal ein heller Bereich zu stehen. Das ist aber nicht sicher. Einen Zentralstern konnte ich ohne Filter nicht ausmachen.

Abell 70 ist ein spektakuläres Objekt, für das jedoch größere Teleskope oder eine passende Fotoausrüstung notwendig sind. Der planetarische Nebel steht auf der Sichtlinie zu einer lichtschwachen Galaxie in Kantenlange. Der Nebel “bedeckt” sozusagen die Galaxie. Der Vorteil solcher Bedeckungsereignisse: Sie sind lange andauernd, so dass der geneigte Beobachter in Ruhe auf gutes Wetter warten kann. Für den 10″ war die Galaxie bei diesem Wetter jedoch zu lichtschwach.

Weitere Informationen im Deep Sky Corner, auch mit Bild der Galaxie.

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2 Antworten zu Der planetarische Nebel Abell 70 visuell

  1. Danke für deine Ausführungen. Ich habe mir vor das BRESSER Messier 10″ Dobson zu besorgen. Kannst du das empfehlen, um den planetarische Nebel Abell 70 besser beobachten zu können.
    Viele Grüße
    Kevin

    • Frank sagt:

      Hallo Kevin. Vielen Dank für Deine Frage. Ich kenne leider nicht Dein aktuelles Teleskop und die Beobachtungsbedingungen an Deinem Standort. Daneben stellt sich die Frage, welchen Anblick im Teleskop Du erwartest.
      Bei mir steckt ein gewisser sportlicher Ehrgeiz hinter dem PN-Beobachten. Wenn ich einen PN sicher wahrgenommen habe, dann ist das ein wohltuendes Erfolgserlebnis. Bei Abell 70 war es genauso: Ich war froh, ihn sicher gesehen zu haben. Natürlich zeigen noch größere Teleskop mehr.
      Wenn ich mit meinem 10″er Details sehen will, wende ich mich hellen Objekten zu, bspw. Messier 27. Der hat mich neulich beeindruckt, genauso wie der Zirrusnebel.
      Aus dieser Erfahrung und der Erfahrung in der Astro-AG Heuchelheim heraus würde ich sagen: Ein 10″er bietet Dir sehr gute Voraussetzungen, Deep Sky Objekte zu beobachten – darunter auch flächenhelligkeitsschwache Dinger wie die Abell-Planetarischen (oder auch Longmore-Tritton 5, das ist ein spezieller Geselle).
      Hoffe, das hilft schon mal. Wenn nicht, können wir uns gerne noch weiter austauschen.
      Alles Gute, Frank

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