Eine „neue“ Gitarre

Der Gitarrenbau war ja schon Thema dieses Blogs. Seit einigen Jahren hatte ich noch Bauteile für eine Stratocaster gelagert. Das Jahr 2020 brachte nun endlich die Gelegenheit, daraus ein bespielbares Instrument zu bauen.

Bei Stewart-MacDonald in den USA hatte ich mir einen lackierten und gefrästen Korpus, einen fertigen Gitarrenhals sowie diverse Kleinteile wie Wilkinson-Tremolo, Schrauben, Schlagbrett, usw. gekauft. Dazu kamen noch Schaller-Mechaniken, ein Verdrahtungssatz mit Potis, Kabeln und Schalter. Außerdem hatte ich mir Texas-Special-Tonabnehmer von Fender besorgt.

Damit hatten Profis bereits eine Menge schwieriger Arbeiten erledigt.

Trotzdem sind die Restarbeiten nicht zu unterschätzen. Daher hatte ich mir ein Buch und eine DVD von Dan Erlewine besorgt. Dieser Altmeister des Gitarrenbaus hat bspw. schon die Gitarren von BB King in den Händen gehabt. Vor allem lehrt er, was man macht, wenn es etwas schiefgeht.

Schritt 1: Die Mechaniken am Hals montieren

Ich dachte mir, das sei ein guter Einstieg. Er war es nur bedingt, da die Mechaniken in der Bohrung für meinen Geschmack zu viel Spiel hatten. Allerdings hatte ich mir Ahornfurnier besorgt. Damit konnte ich die Bohrungen auskleiden. Anschließend passten die Mechaniken wie angegossen.

Schritt 2: Die Elektronik bauen


Zunächst nahm ich mir das Schlagbrett vor, baute die Tonabnehmer, die Potis und den Schalter ein. Dann lötete ich die Kabel an. Und hier musste ich bereits aufpassen und war dankbar für Dans Hilfe: die Kabel dürfen nicht zu kurz aber auch nicht zu lang sein. Außerdem müssen die Lötfahnen günstig ausgerichtet sein. Unachtsamkeit hier führt dazu, dass das Schlagbrett nicht in die Fräsungen im Korpus passt.

Schritt 3: Schlagbrett, Hals und Tremolo ausrichten

Die Ausrichtung dieser Bauteile ist wichtig. Die Saiten müssen über die Pole der Tonabnehmer verlaufen und das Tremolo muss gut in die Fräsung passen. Außerdem sollten die Saiten parallel zu den Griffbrettkanten verlaufen. Ich stellte fest, dass in der Tasche zur Aufnahme des Halses noch einige Lacknasen störten. Opas Schnitzwerkzeug schuf hier Abhilfe. Am Ende klebte ich Klebeband auf den Korpus, um die Bohrungen des Tremolos markieren zu können. Dann klemmte ich den Hals mit einer Schraubzwinge fest. Natürlich schützte ich das Griffbrett und die Bundstäbe sowie den Lack auf der Rückseite mit Holz. Fäden dienten als Saitenersatz, um die Ausrichtung prüfen zu können. Am Ende markierte ich dann die Bohrungen des Tremolos und die Bohrungen, die die Schrauben im Hals aufnehmen sollten. Das Bohren ging sehr gut, wobei ich mir aus den USA noch Holzbohrer im Zoll-Maß kommen ließ.

Schritt 4: Restarbeiten

Nun muss das Tremolo fest eingebaut werden. Außerdem müssen Löcher für Schrauben gebohrt werden, die das Schlagbrett befestigen. Achja, und eine Buchse wäre auch praktisch, um ein Gitarrenkabel anschließen zu können. Die Federn auf der Rückseite des Korpus müssen auch noch abgedeckt werden und Gurtpins sollen es ermöglichen, einen Gurt zu befestigen.

Es war ein großes Glücksgefühl, die ersten Töne aus der Gitarre zu vernehmen 🙂

Über das so genannte Einrichten der Gitarre schreibe ich vielleicht noch einen eigenen Artikel. Aus jeden Fall wird es noch einen Artikel mit Musik geben.

Der Profi sieht bestimmt sofort, an welchen Ecken ich unsauber gearbeitet habe. Ich bin kein Profi. Dieses Instrument ist jedoch super bespielbar und die beste Stratocaster-Gitarre, die ich bisher spielen durfte.

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