Frosty Leo (IRAS 09371+1), visuell beobachtet

Es gibt diese Wetterlagen, bei denen die Sonne hart untergeht und beim Aufgang schon dann blendet, wenn sie noch nicht ganz sondern nur ein Stückchen weit über dem Horizont steht. Diese exzellent klare Luft steht manchmal auch noch still. Genau solches Wetter hatte ich letzthin zu Neumond und das perfekte Objekt dafür: den protoplanetarischen Nebel „Frosty Leo“.

Das Zielobjekt steht in einem Sternenfeld sieben Grad westlich von Alpha Leonis und ist als Stern GSC 824 1094 mit einer Helligkeit von 9,8mag im Guide Star Catalogue erfasst. Mit einem Weitfeldokular ist das Sternenfeld leicht zu finden.

Soweit, so gut.

Ich beobachte gerne ohne detaillierte Vorbereitung. Mit zu viel Wissen besteht die Gefahr, Dinge vermeintlich wahrzunehmen, obwohl sie gar nicht wirklich sichtbar sind.

Also hatte ich das bei etwa 100facher Vergrößerung den vermeintlichen GSC-Stern ins Auge gefasst, setzte den UHC-Filter ein und … es passierte nichts. Das Objekt reagierte nicht auf den Filter. Zumindest gab es keinen klaren Effekt. Es war ein „Vielleicht?“, „Oder doch nicht?“, … Damit ließ ich es zunächst gut sein und wandte mich anderen Objekten zu, beispielsweise dem Kometen C/2019 Y4.

In der folgenden Nacht konnte ich die oben skizzierten Bedingungen genießen und suchte erneut Frosty Leo auf. Bei 270facher Vergrößerung (4,7 mm Ethos am 10″ f/5) wurde folgendes klar: das Objekt ist größer als ein Stern dieser Helligkeit. Es wirkte auch „unrund“, fast kastenförmig. Hinzu kamen noch zwei sehr lichtschwache „Ohren“ (grüner Pfeil), die an sich gegenüberliegenden Stellen des unrunden Zentralbereichs (roter Pfeil) angeordnet waren.

Auf Grundlage dieser Beobachtungen entstand die Zeichnung mit Bleistift auf Papier. Nach dem Scannen wurde sie dann invertiert. In der Zeichnung geben die durchgezogenen Linien die Orientierung des zentralen Kastens an, die gepunkteten Linien die Orientierung der Ohren. Im unteren Teil der Zeichnung ist Frosty Leo leicht vergrößert dargestellt.

Diesen visuellen Eindruck hatte ich in zwei aufeinander folgenden Nächten.

In einer späteren Beobachtungsnacht mit schlechterer atmosphärischer Transparenz war nur der Zentralbereich sichtbar. Die beiden schwächeren „Ohren“ gingen verloren.

Beobachtungsberichte mit größeren Teleskopen erwähnen eine Teilung des „zentralen Kastens“. Diese konnte ich in keiner der Nächte ausmachen.

Bei der Internetrecherche nach Fotos und Zeichnungen des Objekts fiel mir insbesondere die Website des japanischen Beobachters Yamashita ins Auge. Dessen Bild von Frosty Leo zeigt aus meiner Sicht recht gut, was visuelle Beobachter bei diesem Objekt erwarten können.

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