Der verlorene Mond

Am 27. Juli kam es zur besten Sendezeit in den Abendstunden zu einer totalen Mondfinsternis. In den Medien wurde sie groß ankündigt, es wurde viel von einem „Blutmond“ geschrieben, der zu sehen sein würde. Und es sei ein Jahrhundertereignis, da die Totalität lange dauere. Allerbeste Werbung für eine astronomische Sache, was will man mehr? Gutes Wetter. Und selbst das war gegeben: kaum eine Wolke stand am Himmel und zur Beobachtungszeit schwitzte man noch im T-Shirt. Bei nächtlichen Ereignisse trifft der Hobbyastronom diese Bedingungen eher selten an. Dies ist nun Teil 1 meines Erlebnisberichts.

Was ich den Medien nicht so deutlich entnommen hatte aber als erfahrener Astronom wusste: der Vollmond steht im Sommer sehr tief. Dementsprechend kriecht er bei Aufgang eine geraume Zeit flach über den Horizont und ist daher schlecht zu sehen. Hier in Norddeutschland sind Hügel und Erhebungen selten, dafür gibt es eine Menge Häuse und Bäume oder hochgewachsene Maisfelder. Ich wusste aber, dass ich das Ereignis auf jeden Fall vom heimischen Dachraumfenster und Balkon sehen könnte, soviel war nach Betrachten der Daten klar:

Mondaufgang 21:12 (21:14CS) 123.4 CS
Sonnenuntergang 21:23
Totalitätsbeginn: 21:29, Alt.: 0,5° Az.: 126°
Totalitätsende: 23:15, Alt.: 11° Az.: 148°
Austritt Kernschatten: 0:20, Alt.: 15° Az.: 163°

Nun hatte ich am 28.09.2015 die letzte totale Mondfinsternis beobachtet, damals in den Morgenstunden. Von damals hatte ich den tollen Anblick in Erinnerung, wenn auf der eine Seite des Himmels die Sonne nahe des Horizonts steht und auf der gegenüberliegenden Seite der teilverfinsterte Mond zu sehen ist. Das würde dieses Mal von der Wohnung aus nicht zu sehen sein und so machten Nina und ich uns zum Mondaufgang auf eine Runde durch Schwarzenbek.

In den Parks gibt es Rodelhügel. Rodelhügel sind zwei bis drei Meter hohe Hügel, an deren „Hängen“ die Kinder im Winter auf allerlei geeignetem Gerät hinunterrutschen, wieder hinaufstürmen, hinunterrutschen, usw. Auf einem solchen Hügel versuchten wir unser Glück. Den Sonnenuntergang konnten wir erspähen:

Doch in der anderen Richtung störten leider Bäume, die wesentlich höher als der Hügel waren.

Also gingen wir weiter.

Nicht nur der Bewuchs und die Bebauung machten uns zu schaffen, auch Quellbewölkung störte:

Und so zogen wir unverdrossen weiter. Dabei begegneten wir vielen Suchenden. Kameras und Ferngläser wurden getragen, der ein oder andere hielt ein Smartphone mit App an ausgestreckter Hand, um den Mond zu finden. Auch Verpflegung und Sitzgelegenheiten waren dabei.

Jede noch so kleine Anhöhe wurde erklommen:

Man beachte links im Bild den Busch mit Kopf 🙂

Wir kamen mit einigen Suchenden ins Gespräch und erklärten das Ereignis – und eben das Problem des leider noch tiefstehenden Mondes. Das hat sehr viel Spaß gemacht und war, gerade bei den warmen Temperaturen, ein tolles Erlebnis.

Aber immer blieb die Frage: ja wo ist er denn?

Oder wie die Englischsprachigen sagen würden: „where is the bloody moon?“ (wo ist der Blutmond?)

Der Mond war verloren.

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