Die Beobachtungsplanung für visuelle Beobachtung

Viele Sternfreunde lieben die visuelle Beobachtung des Sternenhimmels, das Wahrnehmen von Licht, welches zum Teil Jahrmillionen unterwegs ist, um dann im Auge des Sternfreundes einen Reiz auszulösen. Dazu ist gutes Wetter nötig, welches hierzulande leider nicht so oft zugegen ist, wie sich der Sternfreund das wünscht. Aber er kann die Schlechtwetterphase nutzen, die Schönwetterphasen vorzubereiten. Das hilft bei der Beobachtung und erhöht die betriebenen Stunden des Hobbys. In diesem Artikel möchte ich einige Gedanken zur Vorbereitung visueller Beobachtung darlegen.

Heute sind Spiegelteleskope mit 20cm längst keine Seltenheit mehr und vielen Beobachtern zugänglich. Solche Teleskope ermöglichen die Beobachtung hunderter Himmelsobjekte außerhalb des Sonnensystems: Galaxien, Sternhaufen, Gasnebel.
Mir bringt es zusätzliche Freude, wenn ich Objekte beobachte, die für mich neu sind. Die Vorbereitung hilft mir nun dabei, die Zahl der Fehlschläge zu reduzieren – denn manche Objekte sind zwar auf einer Sternkarte verzeichnet, für mich jedoch nicht erfolgreich beobachtbar. Daher versuche ich zu vermeiden, mich durch einen Abend voller Fehlversuche zu frustrieren.

Ich organisiere meine Beobachtungsplanung in Projekten, derzeit sind es drei Stück:

  • Planetarische Nebel (PN)
  • Galaxiengruppen
  • Galaxien im Pegasusquadrat

Das wichtigste Hilfsmittel ist für mich ein Sternkartenprogramm: Guide von ProjectPluto. Im Falle der Planetarischen Nebel kommt noch eine Liste hinzu, die mir mein Freund Christian regelmäßig zur Verfügung stellt. Als gewiefter Beobachter nähert er sich der Marke von 300 erfolgreich beobachteten PN und hat entsprechend gute Datensätze.
Das Sternkartenprogramm erlaubt es mir, den von meinen Beobachtungsorten (bspw. Balkon) zugängliche Himmelsareale zu gegebenen Zeitfenstern einzustellen. Damit kann ich prüfen, wann welches Objekt grundsätzlich beobachtbar wäre (wenn es das Wetter und die Zeit zuließen).

Als nächstes folgt die Einschätzung, mit welcher Optik ein Objekt mit hoher Wahrscheinlichkeit gesehen werden kann. Klappt es mit 10″, klappt es mit 16″, oder reichen meine Teleskope gar nicht aus?

Um hier zu einer Einschätzung zu gelangen, nutze ich die Daten in Guide und kombiniere sie mit weiteren Quellen. Das sind zum Beispiel:

Durch die Kombination aus Erfahrungsberichten anderer Beobachter und eigener Erfahrung mit den Katalogdaten entsteht mit der Zeit ein Gefühl, wie Helligkeitsangaben im Hinblick auf Sichtbarkeit zu interpretieren sind. Beispielsweise sind PGC-Galaxien oft recht lichtschwach angegeben, meist aber sehr kompakt und daher auch bei eigentlich lichtschwachen Katalogdaten noch sichtbar. Bei planetarischen Nebeln sind stellare oder sehr solche mit sehr kleinem Durchmesser gut mit kleinen Teleskopen beobachtbar.

Beobachtungsprojekte nähern sich irgendwann einem Ende. Mittlerweile habe ich knapp über 200 planetarische Nebel erfolgreich beobachtet. Damit ist mit 10″-16″ und meinem nördlichen Standort beinahe die Grenze des Machbaren erreicht. So war es auch damals mit meinem Projekt „Galaxien in der Leier“, wo ich jenseit der 100 Galaxien angekommen bin.

Insgesamt versuche ich, die Liste an Kandidaten in den Projekten nicht zu lang werden zu lassen. Im Augenblick ist mein visuelles Beobachtungspensum nicht so hoch, da halten die Listen einige Zeit. Das kann sich natürlich auch mal wieder ändern.

Und dann gibt es die Abende, wo ich einfach nur so gucke, „alte Bekannte“ unter den Objekten aufsuche und genieße 🙂

Es geht ja schließlich nicht darum, sich unter Druck zu setzen. Projekte und Listen sollen einfach nur Hilfsmittel sein, um die Freude am Hobby zu vertiefen.

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