Kunstgalerie: Der Abendhimmel

Malerischer Sonnenuntergang an abendlichem Himmel, bedeckt.

(Vollbild)

„Bei sternklarem Himmel wird es dort, wo die Sonne scheint, wieder recht kalt werden“ lautete einmal die Wettervorhersage der abendlichen Nachrichtensendung (ZDF, 10.2.98). Und so ist diese Hoffnung, die den Schöpfer unseres heutigen Werkes immer wieder abends auf den Balkon treibt, um den Grad der Bewölkung zu prüfen.

Das Kredo „Noch ist nicht aller Nächte morgen“ gibt der nimmerschwindenden Hoffnung leidgeprüfter Freizeitastronomen Mittelhessens zusätzliche Nahrung. Und so ist diese unerschütterliche Zuversicht, die sich wie ein roter Faden durch den „Sonnenuntergang“ zieht.

Da springt zunächst eine völlig überbelichtete, weiße Fläche nahe der Bildmitte ins Auge. Wie einst Christoph Kolumbus beim Betrachten der Karten auf seiner Fahrt gen Westen im Jahre 1594 findet das Auge des Betrachters hier keine Halt und keine Hilfe. Und doch offenbart sich dem Kenner hier die Sonne, gleich dem Leuchtfeuer der Insel Neuwerk, die den erschöpften Seefahrern nach dem Befahren der sieben Weltmeere bedeutet „es ist getan, der sichere Hafen ist nahe“. Es sind wohl diese warmen Gedanken an den nahenden Hafen und die Heimat oder die Geliebte, die den Schöpfer des Werkes tief in den warmen Sandfarben schwelgen ließen. Das Bad im warmen Licht lässt den Horizont beinah verloren gehen. „Vielleicht weiß ich auch gar nicht, was ich heute Abend beobachten sollte“ scheint uns der Schöpfer hiermit sagen zu wollen.

Dieses dürstere Gefühl setzt sich im tiefdunklen Horizont fort. Ist es der pechschwarze Himmel einer Wüstennacht oder die undurchdringliche Finsternis des wasserdampfgeschwängerten Sauerlands, die wir hier sehen? Der Blick in die obere Hälfte des Bildes gibt uns Gewissheit. Eine Wolkendecke, die in ihrer Undurchdringlichkeit der Berliner Mauer in Nichts nachsteht, schließt gleich dem Deckel eines Dampfdruckkochtops die siedende Erwartung von entspannter Gelassenheit ab.

Der Dialog der Wolkendecke mit dem verschwimmenden Horizont arbeitet gekonnt die über dem Werk schwebende Frage heraus. Sehen wir hier wie sich die Schleusen des Panamakanals vor der MS Peristaltik öffnen? Oder ist es der Riegel, der sich in das Schloss schiebt, wie wir es aus der Jugendvollzugsanstalt Herne-West am Ende des Freigangs kennen? Ganz im Stile eines späten Grönemeyer bleibt uns der Schöpfer die Antwort schuldig.

Und so ähneln die hoffnungsschwangeren Elemente des „Sonnenuntergangs“ den Beschwörungen des DFB-Pressesprechers während der Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA die Botschaft „es ist nicht alles so schlecht wie es den Anschein hat“.

Es nimmt uns nicht Wunder, dass dem Schöpfer des Werkes kein Glück beschieden war – nach astronomischer Dämmerung setzte Regen ein.

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