Guy Fletcher – Natural Selection

Vor einigen Wochen erschien Guy Fletchers zweite Soloscheibe. Dem ein oder anderen ist dieser Name aus zwei Richtungen bekannt: Dire Straits und Mark Knopfler. Seit den frühen 80zigern ist Mr. Fletcher in praktisch allen Projekten Mr. Knopflers aktiv. Auch der vorliegenden CD „Natural Selection“ ist dies anzumerken.

Fangen wir dort an, wo CD-Besprechungen oft enden: der Klang ist absolut perfekt, das ist Aufnahmetechnik in Vollendung. Kein Wunder, wurde doch in Knopflers British Grove Studio und Fletchers eigenem A-Bay Studio aufgenommen. Die Musiker sind ebenfalls mit Knopfler unterwegs oder im Studio zu sehen: John McCusker an der Fiddle, Luke Brighty an der E-Gitarre. Noch aus Dire-Straits-Tagen stammt der Schlagzeuger Danny Cummings.

Der Grundton der CD ist ruhig, wie auch Knopflers Scheiben. Aber wer hier Abgehrock erwartet, ist eh an der falschen Adresse. Es überwiegen atmosphärische Klangteppiche mittleren Tempos. Was sofort ins Auge springt: Fletcher ist hauptamtlich als Keyboarder aktiv – doch diese CD besitzt viele ausgefuchste Gitarrenparts. Fiddle und Whistles von McCusker zusammen mit den Slidegitarren erzeugen eine interessante und durchaus eigenständige Mischung aus schottischen und bluesigen Klängen.

In Konzerten witzelt Mark Knopfler doch schon öfters mal, Guy beherrsche alles: Keyboards, Gitarre, Fahrradreparatur. Zumindest für die ersten beide Punkte legt er hier Zeugnis ab. Außerdem beweist er einmal mehr, dass er Songs schreiben kann. Die Gesangslinien sind eingängig und doch abwechslungsreich, was alles andere als einfach ist.

Aus den Songs möchte ich folgende herausgreifen:

After the Mission. Dieses zweite Lied der CD ist im Blues beheimatet. Banjo und Slide-Gitarre sorgen für Bewegung und Stimmung, dem liegt ein schön rollender Groove zu Grunde. Dazu besitzt es ordentliche Dynamik. Ein interessanter Text rundet das Lied ab. Kurz: das zweite Lied ist mein absoluter Favorit auf dieser CD. Es hat unbestreitbar auch DS-Qualitäten.

Ein weiterer Höhepunkt ist für mich „Man in front of me“, indem akustische und elektrische Gitarrenklänge mit einem interessanten Keyboardeffekt verbunden werden. Pfiffig ist die aufnahmetechnische Anleihe bei Money for Nothing: wurden dort zwei Gitarrenspuren im linken und rechten Kanal benutzt, um den unvergleichen Klang des berühmtesten Gitarrenriffs der 80ziger zu erzeugen, ist es hier der Gesang.

Die für einen Keyboarder weit überdurchschnittlichen gitaristischen Fähigkeiten sind im Akustikgitarrensolo in „Said and Done“ zu bestaunen. Fletcher ist eben Musiker und echter Multiinstrumentalist.

Textlich gibt es nichts zu bemängeln. Es gibt immer wieder Höhepunkte, Zeilen, die Stimmungen sehr gut einfangen, beispielsweise in „Little Light“: „sick and tired of being sick and tired“.

Insgesamt ist die CD sehr ausgewogen und rund. Die Liedauswahl passt harmonisch zusammen und aus meiner Sicht gibt es unter den 11 Liedern keinen Ausfall. Diese CD ist perfekt geeignet, den Hörer in die Musik eintauchen zu lassen und auf eine knapp eintstündige Reise zu entführen. Hörer, die bisher eher in der zeitgenössischen Liedermacherschiene unterwegs sind, werden hier neue Ebenen solcher Musik kennenlernen.

Die CD ist direkt beim Künstler erhältlich. Kauf und Versand sind völlig problemlos.

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