10. April 2010: Galaxien in Leo

Wenn der Wetterbericht von möglichem Schneefall und starker Bewölkung spricht, ist durchaus noch mit einem Beobachtungsabend zu rechnen. Jedenfalls waren die Vorhersagen für Samstag, den 10. April, zunächst nicht besonders gut, was auch während des freitäglichen AAG-Vereinsabends bedeuert wurde. Das Wetter entwickelte sich jedoch gut, so dass Nina und ich vor den gegen Mitternacht aufkommenden Wolken noch beobachten konnten.

Der Abend begann mit diesem Objektpaar, welches ich nun des Öfteren erwähnt habe, Venus und Merkur:
10. April 2010, Venus und Merkur
Im Vergleich zum 06. April fällt auf, dass Merkur nun wieder näher am Horizont als Venus steht. Es ist eben ein schnelllaufender Planet. Unterhalb von Merkur ist am Horizont wieder der Windradpark zu sehen, rechts davon die Ortschaft Greifenstein mit beleuchteter Burgruine. Im Teleskop vermochten Venus und Merkur kaum zu überzeugen, sie stehen halt doch ziemlich tief. Neben der Zerlegung in Spektralfarben war jedoch die Phasengestalt zu erkennen: Venus beinahe voll, Merkur nahezu halb.

Wir nutzten den Abend zunächst, um den Winterobjekten auf Wiedersehen zu sagen: M42/43 ging noch, auch die offenen Sternhaufen wie M35, M36, M37, M38. Hinzu kamen außerdem M44 mit Mars (zusammen ein genialer Anblick im 10×25 Fernglas), M46, M47 und M48.

Im Frühjahr bietet es sich an, nach Galaxien zu gucken, was ich ja in der vergangenen Woche bereits visuell getan habe. Gestern nun ergab sich die Gelegenheit, ein schnelles Foto vor aufziehenden Wolken zu erstellen. Die nachfolgenden Ausschnitte aus dem Bild sind natürlich ausbaufähig. Das beginnt beim Fokussieren und geht über die Nachführung weiter. Zwar lief das Autoguiding recht zuverlässig, allerdings verursachte die hereinziehende Luftmassengrenze einige Turbulenzen in der Atmosphäre, so dass die Luftruhe nur mäßig war. Daher bitte ich darum, die nachfolgenden Aufnahmen mehr als „Werk in Arbeit“ und Beobachtungshinweis zu verstehen:

NGC 3221

Im Löwen steht bei RA: 10h22m20.38s und DEK +21 34′ 09.0″ eine 3,3’x0,8′ große Galaxie mit einer photographischen Helligkeit von 13,8 mag. Der NGC beschreibt das Objekt mit einem wenig hoffnungsvollen „extremely faint, much extended, ray“. Hier mein Ergebnis von gestern:
NGC 3221, 10.04.2010
(Vollbild)

Die Galaxie ist definitiv als stark elongiertes Objekt zu sehen. Auffallend sind der helle, beinahe stellar wirkende Kern und eine weniger stark elongierte innere Zone. Das passt natürlich gut zu den Daten im MCG (Morphological Catalog of Galaxies):

Total magnitude: 14.3
Magnitude is accurate to ±.1 mag
Major axis,  inner part: 0.80 arcminutes
Minor axis,  inner part: 0.30 arcminutes
Surface brightness (1=brightest, 6=dimmest): 2
Major axis,  outer part: 3.00 arcminutes
Minor axis,  outer part: 0.50 arcminutes
Surface brightness, 1st outer region (1=brightest, 6=dimmest): 4
(aus: Guide 8.0)

Ein visueller Beobachter kann also damit rechnen, von dieser nahezu Edge-On stehenden Galaxie nur den knapp 1:2 elongierten Kernbereich zu sehen.

NGC 3162

Ebenfalls im Löwen steht bei RA: 10h13m31.94s und DEK +22 44′ 23.1″ die mit 12,2 mag deutlich hellere Galaxie NGC 3162. Hierbei handelt es sich um eine face-on Galaxie.

NGC 3162, 10.04.2010

Der NGC sagt zu diesem Objekt: „NGC 3162: pretty faint, considerably large, round, very
gradually little brighter middle, resolvable, faint star involved“. Die Aufnahme zeigt bereits einen kurzen und breiten Spiralarm, der vom beinahe stellaren Zentrum aus nach Norden und im leichten Bogen nach Osten führt. Unterhalb des Kerns beginnt ein zweiter Arm, der sich nach Süden und Westen windet und dabei zunehmend diffus wird. Unmittelbar südwestlich des Kerns ist eine dunkle Stelle zu sehen. Diese Objekt dürfte visuell interessant sein. Mit kleineren Teleskopen sollte die Galaxie zu finden sein (mit 8″ ist mir das bereits gelungen), mit größeren könnten die Arme sichtbar sein. Erwähnenswert ist noch die kleine Galaxie, die auf dem Bild zu sehen ist: folgt man der Linie von NGC 3162 zu dem westlichen Stern weiter nach Westen, ist ein kleiner Fleck zu erkennen, der ziemlich genau auf der Verbindungslinie der beiden hellen Sterne im rechten Bildteil steht. Dies ist PGC 29756, ein 15,6 mag lichtschwaches Fuzzelchen.

Der Bildausschnitt dieser Objekte steht übrigens nahe am Rand des Bildes und deutlich vom Zentrierstern entfernt, was die etwas unförmigen Sterne erklärt.

Eigentliches Zielobjekt war jedoch

Das Sortiment

Im Hals des Löwen steht beinahe auf halber Strecke zwischen Gamma und Zeta Leonis eine nette Gruppe aus vier Galaxien, die dem Deep-Sky-Freund als „Das Sortiment“ bekannt ist.

Hier zunächst das Foto:

Das Sortiment, 10.04.2010
(Vollbild)

Am mittleren oberen Bildrand fällt ein heller Stern auf. Dieser ist im 10×50 Sucher sicher zu sehen und diente als Leitstern für die Aufnahme. Von diesem Stern nach 7h steht ein waagrechtes Sternpärchen. Unterhalb des westlichen (=rechten) Sterns ist die erste Galaxie zu sehen: NGC 3193. Diese runde Galaxie wird im NGC wie folgt beschrieben: „bright, small in angular size, very little extended, pretty suddenly little brighter middle, star 9.5 354deg, 80arcsec“. Die Größe beträgt 2,5’x2,5′, die Helligkeit satte 11,8 mag.

Rechts unterhalb, also auf gut 4 Uhr, folge als zweithellste Galaxie NGC 3190. Laut MCG handelt es sich um eine Edge-On mit einer Größe von schlappen 4,5’x1,7′. Auffallend ist der helle, linsenförmige Kernbereich mit einem asymmetrisch nach Südwesten versetzten stellaren Objekt. Unmittelbar daran schließt sich nach Südwesten eine harte Kante an, der dann nochmals weiter nach Südwesten eine abgesetzte Wolke folgt. Es handelt sich hier um ein reales Staubband, das bereits auf dieser sehr einfachen Aufnahme (siehe Aufnahmedaten weiter unten) zu sehen ist.

In anderthalbfacher Verlängerung der Längsachse dieser Galaxie steht die nächste Edge-On, NGC 3187, die jedoch drastisch lichtschwächer ist, weshalb der NGC auch meint: „very faint, extended“. Dieses Objekt ist ein klassischer Tester für die Himmelsqualität: unter gutem Himmel ist die Galaxie auch mit 8″ machbar. Sobald die Durchsicht jedoch durch Schleierwolken verschlechtert oder der Himmels an dieser Stelle aufgehellt ist, ist das Objekt selbst mit 16″ schwer oder gar nicht zu sehen.

Abgerundet wird das Sortiment durch die in Verlängerung der Verbindungslinie von NGC 3193 zu NGC 3190 stehende Galaxie NGC 3185, zu der im NGC ausgeführt ist: „pretty faint, pretty large, gradually much brighter middle“. Mit 2,0’x1,2′ auf dem blauen POSS ist sie eine nette kleine, elliptische Galaxie.

Das Sortiment ist eine richtig lohnende Galaxiengruppe für die Frühjahrsabende.

Abschließend ein paar Worte zu den Aufnahmedaten:

Benutzt wurde ein TeleVue 85 auf einer GP-D2, Autoguiding mit einer Littlefoot, einem DSI und der dazugehörenden Software. Als Kamera kam eine Canon 350D bei 800 ASA und Dunkelbildabzug zum Einsatz, die über einen Korrektor an das Teleskop angeschlossen war. Gemittelt wurden 7 Aufnahmen mit je 90 Sekunden mit Hilfe der Software Registax. Wie oben bereits gesagt, da geht noch einiges mehr. Gestern abend nicht, denn um Mitternacht schob sich eine Wolkenbank über den Sternenhimmel.

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2 Antworten auf 10. April 2010: Galaxien in Leo

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