Einsteigerempfehlung, oder: mit welcher Optik beginnen?

Gerade in der Vorweihnachtszeit sind in den Kaufhäusern Teleskope anzutreffen. Der ein oder andere Erwachsene und das ein oder andere Kind wünscht sich ein solches zu Weihnachten. Stellt sich doch die Frage, mit welcher Optik nun ein Einstieg (für Kind oder Erwachsenen) erfolgen kann.

Ferngläser

Rechts oben im Bild ein Fernglas 8×30, links unten ein 20×70.

Es gibt drei Ansätze, in die Astronomietechnik einzusteigen:

1. Fernglas

Kaufen Sie ein Fernglas 10×50 oder 10×70 wenn Sie noch gar keine Erfahrung mit Astronomie haben. Nehmen Sie eine drehbare Sternkarte und ggf. ein Einbeinstativ dazu. Nun können Sie lernen, sich zu orientieren. Wenn Sie merken, dass Astronomie doch nicht Ihr Gebiet ist, haben Sie ein Instrument zur Naturbeobachtung. Wenn Sie bei der Astronomie bleiben, wird das Fernglas für lange Zeit hilfreich sein. Achten Sie darauf, nicht mit zu hoher Vergrößerung zu beginnen, denn ab 10fach wird die Freihandbeobachtung schwierig. Ein zusätzliches Problem der Freihandbeobachtung ist, dass das Fernglas nicht ausgerichtet bleibt. Beim Blick auf die Sternkarte geht der eben betrachtete HImmelsausschnitt verloren, was den ein oder anderen frustrieren kann. Es gibt Fotostativadapter, doch meist funktionieren die nur in Horizontnähe. Fernglasmontierungen, die an jedem Punkt des Himmels funktionieren, sind zwar erhältlich, aber leider sehr teuer. Am besten baut man sie selbst, hier ein Beispiel.

2. Dobson

Handelsüblich sind 8″ Dobson, die sehr transportabel sind und eine gute optische Leistung aufweisen. Mit einem solchen Instrument können Sie auf Jahre hinaus beobachten. Was Sie jedoch i.A. nicht machen können, sind Astrofotos. Ein großer Vorteil ist jedoch, dass sie den inneren Schweinehund (genauso wie mit einem Fernglas) sehr schnell überwinden können. Der Aufwand, der dem Beobachten vorangeht, ist sehr gering, so dass es hier nur selten eine innere Hürde zu überwinden gilt. Gerade als Einsteiger oder Eingestiegener sollten Sie viele Nächte nutzen, denn auch in der Astronomie gilt: Übung macht den Meister.

3. Newton mit 10 bis 15 cm Spiegeldurchmesser auf parallaktischer Montierung

Solche Instrumente waren früher Gang und Gäbe. Sie wurden heute etwas verdrängt, sind aber in einer viel besseren Qualität als vor 20 Jahren zu bekommen. Sie erlauben das Hineinschnuppern in viele Gebiete der Astronomie. Ob Sonne, Mond, Planeten oder Deep Sky, ob visuell oder fotografisch: mit einem solchen Instrument können Sie schauen, wo Ihr Hauptinteresse liegt. Sie merken, in welche Richtung Sie sich weiterentwickeln wollen und können dann entsprechend in ein Nachfolgeinstrument investieren. Der Newton bleibt dann Zweitinstrument, bspw. für den Urlaub. Wie eingangs gesagt: dieses Instrument ist auf nichts spezialisiert, kann dementsprechend den spezialisierten Teleskopen im jeweiligen Spezialgebiet nicht das Wasser reichen. Aber hierumgeht es nicht beim Einstieg.

Sich entscheiden

Welcher der Wege für Sie der richtige ist, wissen Sie selbst am besten. Prüfen Sie, welche Rahmenbedingungen gegeben sind:

  • Wie ist ihr Kenntnisstand? Haben Sie schon einmal einen Planeten selbst aufgefunden, erkennen Sie Sternbilder?
  • Zeichnen sich schon jetzt Interessen ab, bspw. Sonne- und Planeten oder Deep Sky? Oder vielleicht doch etwas Fotografie?
  • Wohnen Sie mitten in der Stadt und müssen auf jeden Fall zum Beobachten einige Kilometer fahren?
  • Müssen Sie die Ausrüstung über größere Strecken und/oder durch ein verwinkeltes Treppenhaus tragen?
  • Haben Sie einen Garten oder eine Terrasse unter halbwegs dunklem Vorstadthimmel und kann das Teleskop dort stehen?
  • Wie gut ist Ihr Zugang zu Technik? Haben Sie ein technisches Gespür und Interesse oder soll es unkompliziert sein?
  • Wie oft und für wie lange können Sie Astronomie betreiben?

Wenn Sie nun beispielsweise wenig Zeit haben und mitten in der Stadt wohnen, dabei noch wenig Erfahrung besitzen, spricht das für Variante 1. Wenn Sie wenig Technik benutzen wollen, keine Fotografie betreiben möchten und sich eher für Galaxien interessieren, dann ist Variante 2 eine Möglichkeit. Sind Sie hingegen unentschlossener, könnten auch von daheim aus gucken und sind technikbegeistert, können Sie Variante 3 in Betracht ziehen.

Speziell für Kinder:

Hier hängt viel vom Einzelfall ab. Es wird viele Kinder geben, die schnell lernen, mit einem Fernglas umzugehen. Es wird auch welche geben, die ein Teleskop erwarten und dann nur an etwas Freude haben, das auch wie ein Teleskop aussieht. Hilfreich ist es, wenn gerade jüngeren Kindern eine ältere Person helfen kann. Insofern müssen Sie sich auch selbst einschätzen und überlegen, mit welchem Instrument Sie selbst umgehen können und wie Ihr eigener Kenntnisstand ist.

Ein letzter Hinweis:

Wenn Sie Fragen haben, nehmen Sie Kontakt mit einem Astro-Verein in Ihrer Nähe auf. Im Raum Gießen bspw. mit der Astro-AG Heuchelheim.

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