PK 80-6.1

In dieser Neumondphase ging die „visuelle Jagd“ nach planetarischen Nebeln weiter. Und jetzt habe ich mir quasi ein Ei ins Nest gelegt, von dem ich gar nicht weiß, ob ich es als Treffer zählen kann.

Meine Kandidatenliste geht von der Deep-Sky-Liste aus, aus der ich in einem ersten Schritt jene Objekte herausfilterte, die erfolgreich beobachtet worden waren, jedoch noch nicht in meiner OPN-Liste standen. „OPN“ steht für „observed planetary nebulae“ und ist ein elektronischer Datensatz im TDF-Format von Guide8, so dass ich dort auf den Sternkarten jene PNs markiert bekomme, die ich schon gesehen habe. Sogar die Beschreibung kann ich auf diese Weise hinterlegen. Sehr praktisch. Ebenso praktisch ist, dass die Kandidaten als weiterer Datensatz auf den Karten auftaucht (sinnigerweise in einer anderen Farbe“).

Soviel zur Vorrede.

An zwei Abenden konnte ich das Objekt aufs Korn nehmen: am 18.10. und 20.10.2009, jeweils mit dem C8, direkt aus Wetzlar. Am ersten Abend wurde die Beobachtung übrigens vom spektakulären Atlas-Experiment der NASA unterbrochen, mehr dazu bei Jan Hattenbach.

PK 80-6.1 steht etwa bei RA 21h02m18 DEK +36 41′, d.h. im östlichen Arm des Schwans, 4 Grad nordöstlich von Epsilon Cygni. Das Objekt ist recht hell und wirkt im ersten Hinsehen wie ein Doppelstern. Im zweiten Hinsehen schält sich eine Nebelfläche heraus, die diesen „Doppelstern“ umgibt und auch die „Sterne“ sehen bei 220x nicht mehr punktförmig aus. Die nördlichere Struktur ist einiges heller als die südlichere. Ich hatte das Gefühl, dass die Nebelfläche leicht auf den UHC-Filter anspricht, was angesichts der Objektdaten und weiteren Beobachtungsreporte nicht der Fall sein sollte. Dem werde ich mal mit mehr Öffnung und höherer Vergrößerung nachgehen 🙂

Warum kann ich dieses Objekt vielleicht nicht als PN deklarieren?

Das schwache Ansprechen auf den UHC deutet schon an, dass dieses kein normaler PN sein kann. Zunächst war das Objekt zwar im 1967er Perek&Kohoutek Katalog planetarischer Nebel verzeichnet, wurde aber später zum „galaktischen Nebel“ zurückgestuft. Neuere Forschungen deuten an, dass es sich um einen protoplanetarischen Nebel handelt. Dies ist eine Vorstufe eines planetarischen Nebels.

Grob gesagt ist ein PN ein von einer Gashülle umgebenener Stern, wobei die Gashülle durch das Licht des Sterns zum Leuchten angeregt wird. Dieses Leuchten stellt eine Linienemission dar, die das Objekt auf Linienfilter wie UHC und OIII ansprechen lässt.

In einem protoplanetarischen Nebel geschieht dies noch nicht: die Gashülle leuchtet nicht selbst, stattdessen wird das vom zukünftigen Zentralstern kommende Licht an der Gashülle reflektiert. Statt Linienfilter sollten in dieser Situation Polarisationsfilter einen Effekt zeigen. Auch dies muss ich mal ausprobieren!

Weitere Informationen gibt’s unter „Egg Nebula“ im englischen Wikipedia (wobei natürlich Amis das Ding entdeckt haben, obwohl es schon 40 Jahren in einem Katalog verzeichnet war) und bei Florian Freistetter.

Beobachtungsberichte findet man bspw. im „Night Sky Observers Guide“. Wer den nicht zur Hand hat und/oder jetzt nicht vom Rechner weg will, findet zwei amateurastronomische Berichte, in denen die Polarisationseigenschaften dieses Objekts nachgewiesen werden: Bernd Gährken und Martin Schönball.

Da es ein PN im Entstehen ist, werde ich ihn wohl doch in meine OPN-Liste aufnehmen 🙂

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