Mond am 01. April, Teil 2

Es ist Ostern, Vollmond liegt gerade erst ein paar Tage hinter uns. Das Deep-Sky-Fenster öffnet sich erst langsam, zudem herrschen hier in Mittelhessen hohe Wolken vor. Also nutze ich die Zeit für einen kleinen Nachtrag bzw. Ergänzung meines letzten Mondberichts. Am 01. April hatte ich ja den Mond mit C8 und Webcam (fokal, d.h. 2000mm Brennweite) aufs Korn genommen, die Luft war ziemlich unruhig. Daher verwendete ich eine Serie von etwa 1000 Bildern, die von Giotto ausgewertet wurden. Die etwa 5% besten Aufnahmen wurden für dieses Bild summiert (Link führt zu Vollbild, 920kb).

Mond am 01.04.2009, 2m fokal


Trotz der Rahmenbedingungen begeistert mich das Ergebnis. Das Bild wird von der nach rechts unten aus der Bildmitte laufenden Rima Ariadaeus (1) dominiert. Mich fasziniert dabei, dass sie von Querhöhenzügen unterbrochen ist. Sie ähnelt etwas einem Band, das auf die unebene Mondoberfläche gelegt wurde.

Den Namen erhält diese Rinne vom Krater Ariadaeus (Aria. E, 5). An die Rinne grenzen einige Krater, bspw. Silberschlag (2), der ebenso wir Agrippa (3) sehr tief wirkt. Die Kraterwand hingegen badet in hellem Sonnenschein. Diese Wänden bilden bei beiden Kratern noch einen geschlossenen Ring.

Dies kann jedoch von Krater Julius Caesar (4) nicht behauptet werden, dessen Wand etwa so versunken ist, wie das römische Imperium, dessen Kaiser Caesar war.

Bereits im Mare Tranquillitatis liegt der Krater Arago (6), der nur scheinbar einsam aus dem Meer aufragt. Erst auf den zweiten Blick fallen die beiden Dome Arago Alpha (7) und Arago Beta (8) auf, die sich in der Nachbarschaft des Kraters über den Meeresboden erheben. Dome sind Hügel mit sanfter Steigung – vielleicht vergleichbar mit dem Schildvulkan “Vogelsberg”, der dem ein oder anderen Hobbyastronomen durch das “Internationale Teleskoptreffen Vogelsberg” ein Begriff sein dürfte.

Verlassen wir nun das Meer und wenden uns wieder in Richtung Julius Caesar. Dort fällt zunächst der Krater Sosigenes A (9) ins Auge, von dem sich in Richtung Ariadaeus E die auf diesem Bild unscheibare aber deutlich erkennbare Rima Sosigenes (10) erstreckt.

Abschluss dieses kleinen Mondspaziergangs soll der Krater d’Arrest (11) bilden. Dieser fällt hier durch den an zwei Stellen scharf unterbrochenen Kraterrand auf.

Eines ist mir (mal wieder) klar geworden: der Mond ist ein fantastisches Beobachtungsobjekt und es macht mächtig Spaß, solche Aufnahmen oder das Bild im Okular mit dem Mondatlas von Rükl zu analysieren.

Die Objekte im Einzelnen:

1 Rima Ariadaeus
2 Silberschlag
3 Agrippa
4 Julius Caesar
5 Ariadaeus E
6 Arago
7 Arago Alpha
8 Arago Beta
9 Sosigenes A
10 Rimae Sosigenes
11 d’Arrest

Dieser Beitrag wurde unter Astrofotos, Astronomische Beobachtungen, Mond veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Mond am 01. April, Teil 2

  1. Hallo Frank,
    tolle Aufnahmen wieder mal!
    Ich habe immer noch nur die Russentonne zur Verfuegung, um solche Aufnahmen zu machen, allerdings mit der digitalen Spiegelreflexkamera. Da habe ich noch ein paar Fragen an dich.
    Fotografierst du mit der DSLR (wie deine Venusaufnahmen) mit Spiegelvorausloesung? Ich merke bei meinen Mondaufnahmen immer, dass die Bilder leicht verwackelt sind, obwohl ich ein wirklich stabiles Fotostativ von Triton verwende. Die Bilder sehen aus, als waere der ganze Aufbau in eine Richtung geschwungen. Leider hat meine Canon EOS 300D keine Spiegelvorausloesung. Interessanter wweise sind einige wenige der Bilder doch scharf, ich weiss aber nicht, was ich dabei anders gemacht habe. Ich habe auch schon den Hauptspiegel und seine Halterung mit Superkleber festgeklebt, da sie etwas Spiel hatten. Das war aber wohl nur eine Teilloesung.
    Ich wuerde mich ueber deine Tipps freuen! Vielen Dank!

    Stefan

  2. Frank sagt:

    Hallo Stefan,

    ja, ich nutze immer Spiegelvorauslösung. Das mache ich auch, wenn ich die Kamera nicht nur auf einem Fotostativ sondern auf der Montierung benutze. Es schließt eine Bildfehlerquelle weitgehend aus – bleiben noch genügend andere 🙂

    Meinst Du mit Hauptspiegel denjenigen aus der Russentonne? Ich kenne deren Konstruktion nicht besonders gut, weiß also nicht, wieviel Spiel dort erlaubt sind. Etwas Spiel würde ich als zulässig erachten, da sich sonst Spiegel und Fassung mit Temperaturwechsel gegeneinander verspannen können.

    Hast Du denn eine Webcam? Damit kannst Du an der Russentonne auch schon einiges bewegen.

    Tschüss

    Frank

  3. Hallo Frank,
    danke für deine Tipps! In dem Fall wird meine nächste Kamera eine Spiegelvorauslösung haben.

    Ja, ich meinte den Hauptspiegel der Russentonne. Stimmt, wegen Temperaturwechsel ist etwas Spiel wohl notwendig. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass der Spiegel ziemlich stark wackelt, wenn die Russentonne horizontal ausgerichtet ist (bei terrestrischen Aufnahmen), deshalb habe ich ihn angeklebt. Hat aber auch nicht die ganze Unschärfe beseitigt.

    Eine Webcam habe ich, aber noch nicht viel damit herumgespielt. Probiere ich demnächst mal!

    Clear Skies,
    Stefan

  4. Frank sagt:

    Noch härter als die 1000er Russentonne ist der Effekt, den ich bei meiner 500er f/5,6 Tonne beobachte. Wenn ich da die Montierung nochmals schwenke, verstellt sich irgendwas und die Schärfe ist hin. Das Teil hat aber auch eine unglaublich enge Fokuslage (bei dem Öffnungsverhältnis kein Wunder).
    Experimentieren mit der Webcam lohnt sich auf jeden Fall. Beim Mond bin ich mit der Nachbearbeitung noch nicht ganz zufrieden, aber auch das kann man ja lernen 🙂
    Schöne Bilder jedenfalls bei Deinem Eintrag! Der Besuch des Links empfiehlt sich 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert