Deep Sky Beobachtung am 19. März 2009

Die trockene Luft aus Nordost brachte am 19. März zunächst leichte Bewölkung mit sich. Allerdings war am Satellitenfilm eine zunehmende Auflockerung zu sehen. Meine Schätzung war, dass gegen 21h die letzten Wolken den Lahn-Dill-Kreis verlassen sollten. Daher stand ich pünktlich um 21:15 neben meinem aufgebauten 16″ auf einem asphaltierten Feldweg.

Das Kollimieren ging schnell vonstatten, was eigentlich oft der Fall ist. Offensichtlich ist mir der Eigenbau in dieser Hinsicht gelungen, denn es kommt oft vor, dass die Kollimation auch nach 800 km Autofahrt noch stimmt. Schnell nehme ich das Chesire-Okular raus und … plock … pleng … da hab‘ ich doch jetzt die Schraube zum Fixieren des Okulars aus deren Gewinde herausgedreht und sie ist zu Boden gefallen. „So ein §A&5“ entfährt es mir. Aber ich bin ja hier nahes eines Fluchplatzes, wie die Einheimischen das aussprechen, also stört das wohl keinen. Zum Glück findet sich die Schraube auf dem Asphaltweg recht schnell.

Der Abend war ein richtig guter. Zwei Beobachtungen möchte ich herausgreifen. Bei beiden handelt es sich um Gruppen von Galaxien. Ich nenne solche Ansammlungen gerne „Galaxienfelder“, denn selbst wenn diese Galaxien am Nachthimmel benachbart stehen, müssen sie nicht wirklich gravitativ aneinander gebunden sein. Insofern handelt es sich dann nicht um „Galaixengruppen“.

Galaxienfeld NGC 2563

Drei Grad westlich von Eta Canceri steht der 5.8mag helle Stern PPM 98608. Nur 20 Bogenminuten nördlich davon liegt das Galaxienfeld, das ich mir für heute vorgenommen habe. Vom Auffinden her gesehen eine clevere Wahl, in Nullkommanichts bin ich am Ziel. Eta Cancri steht übrigens „rechts oberhalb“ von M44. Nachfolgende Beschreibungen gehen auf die Beobachtung mit 220facher Vergrößerung (9mm Nagler) zurück.

  • Zunächst ist da NGC 2563, die als hellstes Objekt den Platzhirsch darstellt. Sie erscheint als etwa rundes Objekt mit einer Bogenminute Durchmesser mit einem hellen aber flächigen Kern.
  • Ähnliches trifft auf die Nachbargalaxie NGC 2562 zu, die jedoch nur 0,8 Bogenminuten vorweisen kann und etwas schwächer ist.
  • Westlich dieser beiden Galaxien finde ich NGC 2560, die 1:3 elongiert erscheint, wobei ich die lange Achse 45″ taxiere. Auch hier ist der Kern ausgedehnt. Die lange Achse zeigt etwa von Ost nach West.
  • Bei UGC 4332 handelt es sich um einen gleichmäßigen, runden Schimmer ohne wesentliche Strukturen. Sie fällt in die dritthellste Helligkeitskategorie dieses Galaxienfeldes.
  • Ein ganz anderer Typ ist hingegen die PGC 23347, die als kleines Fleckchen einen stellaren Kern aufweist und in Kategorie 4 fällt.
  • UGC 4329 ist wieder eine typische UGC, d.h. sie ist in etwa rund und strukturlos gleichmäßig, dabei von eckliger Lichtschwäche. Hier: Helligkeitskategorie 6. Den Durchmesser schätze ich auf eine Bogenminute.
  • In Nachbarschaft steht dann noch PGC 23308, die als Objekt der Kategorie 6 mit indirektem Sehen nur blickweise zu erhaschen ist.
  • Noch so ein lichtscheues … lichtschwaches Gesindel ist IC 2293, die ebenfalls nur als gleichmäßiges Glimmen erscheint.
  • Die benachbarte NGC 2557 ist hingegen von der Helligkeitskategorie 2, rund und besitzt bei einem Durchmesser von etwa 40 Bogenminuten einen kompakten Kern. Hier können sich die Augen also etwas entspannen.

Nun schwenke ich zurück zu NGC 2563 und wende mich von da aus nach Osten.

  • Das ist zunächst die PGC 23448, die als rundes, gleichmäßiges Schimmern lediglich 20 Bogenminuten Durchmesser vorweisen kann. Den besonderen Reiz gewinnt sie jedoch durch das Sternenfeld und einen unmittelbar in der Nachbarschaft stehenden Stern von 14m6. Die Galaxie selbst ist in Helligkeitskategorie 4 einzuordnen.
  • Nordöstlich dieser Galaxie finde ich PGC 23470, die rund ist, und deren Kernbereich sich nicht vom Rest der Galaxie abheben kann. Mit immerhin 45 Bogenminuten Durchmesser steht sie neben einem Pärchen zweier Sterne von 12ter Größe.
  • Zurück nach Süden. Hier gibt es die PGC 23477 zu sehen, die keine nennenswerte Konzentrierung in der Mitte aufweist. Kein Wunder, dass dies nur ein rundes Glimmen der Kategorie 6 ist.
  • Östlich davon und etwas heller (Kategorie 5) ist PGC 23507 zu sehen. Diese besitzt einen hellen, kompakten Kern, was die Sichtbarkeit verbessert. Den Durchmesser schätze ich auf 25 Bogensekunden.

Noch zwei runde Objekte hat das Feld zu bieten:

  • NGC 2570, die wenig zur Mitte heller ist und
  • NGC 2569, die nur ein gleichmäßiges Glimmen darstellt. Beide besitzen etwa einen Durchmesser von 45 Bogensekunden.

Die Helligkeitskategorie 6 betrifft nach Guide7 Galaxien mit 15.2mag Helligkeit.

In Nachbarschaft dieses Feldes gibt es übrigens noch:

  • IC 2341, die kaum Kern aufweist, aber Helligkeitskategorie 2 zugerechnet werden kann, 1:2 elongiert ist und eine lange Achse von 1,2 Bogenminuten vorweisen kann.
  • In unmittelbarer Nachbarschaft stehen IC 2338 und IC 2339 mit 60 Bogensekunden Durchmesser. Bei beiden setzt sich der Kern etwas in Helligkeit zum Rest der Galaxie ab.
  • Südlich davon empfehle ich noch die 1:3 elongierte Galaxie UGC 4386, die mit 1,8 Bogenminuten recht groß ist.
  • Man achte noch auf PGC 23561, die lichtschwächer, dabei rund und leicht zur Mitte heller ist.

Bin mal gespannt, ob sich Leser finden, die in diesem Galaxienfeld noch schwächere Objekte beobachtet haben. Mit einem größeren Dobson und dunklerem Himmel ist bestimmt noch was zu machen!

Galaxienfeld NGC 2933

Etwas weniger beeindruckend fand ich das zweite Galaxienfeld. Dieses Feld ist bei 8 Leonis zu finden und wird von NGC 2943 beherrscht. Diese Galaxie ist sehr hell und besitzt einen kompakten hellen Kern, der jedoch flächig bleibt. Sie ist etwa 1:2 elongiert, wobei ich die lange Achse mit 1,7 Bogenminuten abschätze.

  • Nur etwa eine Bogenminute groß, rund und strukturlos ist die nordwestlich gelegene NGC 2941.
  • Im Osten des Feldes stehen NGC 2949 und 2946, die nicht sonderlich beeindruckend sind und deren Struktur aufgrund der Lichtschwäche nicht deutlich genug sind.
  • Das Feld weist dann auch im Westen lichtschwache Gurken auf, nämlich NGC 2933, NGC 2928 und NGC 2923. Die Helligkeitsangaben in Guide liegen für diese Objekte zwischen 14,7 und 15,1 mag, was halt auch nicht viel ist.

Trotzdem lohnt sich der Blick auf diese Gruppe und mit mehr Öffnung sollte noch was zu holen sein.

Den Beobachtungsabend schloss ich mit leichtem Ausspechteln an M65, M66, M51, M3 und einen Blick auf Saturn, dessen Ring nun wieder eine leichte Öffnung aufwies.

Dieser Beitrag wurde unter Astronomische Beobachtungen, Deep Sky veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.