Über die Objektbeschreibungen als solche …

Die visuelle Deep Sky Beobachtung ist in einen Dornröschenschlaf gefallen. Webcam- und DSLR-Bilder bestimmen Internet und Printmedien. Wo liest man noch von visueller Beobachtung? Wer schwärmt noch von den Anblicken im Okular? Ich bin damals durch visuelle Erlebnisse überhaupt erst zur Astronomie gekommen – obwohl viel bessere Bilder erhältlich waren. Ist das heute noch so, oder surfen die Kiddies in google-sky umher und werden durch einen Uplink zu einem Remote-Observatory zum Astro-Freak?

Tja nun, woran mag es wohl liegen?

Es gibt viele Gründe:
Da ist zum einen die Lichtverschmutzung, die die Bedingungen verschlechtert.
Zum anderen ist es die günstige Technik: Fotoausrüstung ist so preiswert wie noch nie erhältlich.

Aber ich habe noch einen weiteren Verdacht!

Liegt es vielleicht daran, wie über die Beobachtung gesprochen und geschrieben wird?

Ein Beispiel: Da schreiben wir etwas wie „die Galaxie ist etwa eins zu zwei elongiert auf Positionswinkel 160°. Die Helligkeit steigt leicht zu einem sternartigen Kern an.“

Ja.

Da spricht doch die schiere Begeisterung heraus, oder nicht?

Das bringt den geneigten Leser doch gleich dazu, das Buch beiseite zu legen, das Fernrohr ins Auto zu werfen und zum Beobachten zu fahren.

Mal ehrlich: eine Beschreibung wie im oben genannten Beispiel liest sich doch fast wie eine ärztliche Akte. „Morgens 38,2° Grad und leichtes Schwindelgefühl. Gegen Feierabend besser.“

Dabei gibt es doch jede Menge Möglichkeiten, begeisternde Berichte zu beschreiben. Etwas mehr Gefühl, etwas mehr Bildhaftigkeit. Und es wäre so einfach, blickte man über den Tellerrand.

Wie wäre es denn beispielsweise so:

„Ein wuchtig temperamentvoller und doch wohldosierter Kern sorgt im ersten Ansetzen für eine sympathische Reizung der Retina. Durch ein überraschend weiches, beinahe sanftes Leuchten werden die lichtsensitiven Zellen des Auges umstreichelt, bevor die im Auslauf ganz leicht schwächelnden Randpartien des Objekts diesem doch noch eine ganz eigene Note verleihen. Obgleich sie sich mit nahezu allen Austrittspupillen erschließt, empfehlen wir sie ab 1 mm zu goutieren. Ingesamt empfanden wir sie als wohltuend abgerundet und sehr empfehlenswert. Leider ist sie im Nachglimmen etwas kraftlos, hier ginge mehr.“

Na, wie wäre es damit?

Es geht doch!

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Eine Antwort auf Über die Objektbeschreibungen als solche …

  1. Guido sagt:

    Die visuelle Deep Sky Beobachtung schläft, könnte man denken, ist aber nicht tot. Auch wenn uns so manche Lichtglocke quält und mancher Skybeamer „abgeschossen“ gehört. Es sollten sich noch mehr Vogelschwärme verfliegen und entsprechende Guanomengen beim Verursacher abladen.
    Das manche Beschreibung einer Beobachtung, vorsichtig ausgedrückt, etwas trocken wirkt, liegt wohl an unserem Anspruch alles so exakt und wissenschaftlich wie möglich zu beschreiben. Oftmals nur für uns und unser „heiliges Buch“, das Beobachtungsbuch. Wenn nach einiger Zeit darin blättert und alte Beobachtungen liest, muss man oft lächeln, ob dem, was man vor vier oder fünf Jahren geschrieben hat. Auch ich habe einige Zeit fotografiert und werde es wieder tun….*zugegeben*. Aber so manche Nacht mehr (in letzter Zeit) wird dem Blick zu den Sternen nur durchs Okular gewidmet. Ich habe festgestellt, dass man von den eh raren guten Nächten mehr hat. Kein Kampf mit der Technik (manchmal ist der Wurm drin…), pures Staunen über die Welt da oben. Immer noch ! nach so vielen Jahren..

    Mal einen kleinen Auszug aus einem Bericht von mir über eine Namibiareise in unserer Vereinszeitschrift:

    …Zurück zu den Teleskopen. Es ist stockdunkel, man sieht die Hand vor Augen nicht. Die Augen brauchen eine ganze Weile bis man Umrisse erkennen kann. Ach, da ist der Weg! Ein dunkler gewundener Schatten am Boden zwischen den harten Büscheln des gelben Kalahari-Grases zeigt mir den Weg.

    Licht ist verpönt, allenfalls Rotlicht erlaubt. Meine eingeschaltete, rot abgeblendete Stirnlampe und die zunehmende Anpassung an die Dunkelheit lassen immer mehr Orientierung zu. Irgendwo muss die Hütte sein. Aua – das war der Tisch am Platz der „Losmandysäule“. Zu weit gegangen. Ich schaue zurück. Vor der, bis zum Horizont herunter sichtbare Milchstraße sehe ich die C11 – Hütte. Da muss ich hin. Flink die Treppe rauf und ‚ran ans Gerät’. Montierung einschalten, Schutzkappen von den Objektiven nehmen und den Laptop hochfahren ist fast eins. Dann hinauf schauen und das erste „wow“ des Abends klingt aus zwei Kehlen. Ungewöhnlich hell spannt sich die Milchstraße vom Südwest-Horizont über den Zenit bis zum Nordosten. Trotzdem wir das schon seit zwei Wochen jede Nacht genießen können, ist es für uns Mitteleuropäer ein immer wieder beeindruckendes Bild. Westlich steht der Lichtdom vom Zodiakallicht, Venus und Jupiter strahlen hell. Im Zenit leuchtet das Zentrum der Milchstraße, Schütze, Skorpion und die Schildwolke. Hell, klar und zum Greifen nahe. Nach Süden hin leuchten die hellsten Sterne vom Kreuz des Südens und des Zentauren. Näher am Horizont steht Carina, der Schiffskiel mit dem hellen Fleck von Eta Carinae. Unser erstes Objekt für diese Nacht. Viel Zeit bleibt nicht, denn der Schiffskiel wendet sich bereits dem Horizont zu.

    Es ist 19.15 Uhr. Zappenduster und es wird kälter, ich ziehe mir den Buff halb ins Gesicht und die Mütze richtig über die Ohren. Wie kalt wird es wohl sein? Mal die „Dobsonschubser“ fragen, denn die haben ein Thermometer. Wir schätzen anhand der Kälte unserer Finger und Füße auf ca. 5 Grad. Die Luft ist extrem trocken. Die Kunstfaserbekleidung knistert wegen der statischen Aufladung.

    Nur kurze Zeit später sind die ersten Aufnahmen im Kasten. Die Montierung summt vor sich hin. Objektivwechsel. Joachim hat uns sein 50 mm Tessar gebracht. Schnell an die EOS 300D „gepappt“ und mit DSLR Focus fokussiert. Ging ja schnell. Kerrin macht ihre „Arbeit“ am Laptop erstklassig. Wusch, ein helles Aufblitzen am Himmel. Blauviolett leuchtend zieht ein heller Meteor über den Himmel. Nicht unbedingt schnell. Radiant? Frag mich mal, unsere Augen klebten auf dem Monitor des Laptops. Das erste Bild vom Kreuz des Südens war gerade herunter geladen worden. Später habe ich im Himmelsjahr nachgesehen. Da wir in dieser und in den folgenden Nächten noch mehrere langsame, aber helle Meteore entdecken durften, musste es sich wohl um den Strom der Alpha – Capricorniden handeln, welcher in der Zeit vom 5. Juli bis 10. August auftritt und überwiegend langsame Meteore aufweist.

    Aufnahme um Aufnahme landet im Speicher. Es ist kälter geworden. Ich bin noch mal zur Remise gegangen, um eine Fleecejacke zu holen. Nächste Schicht gewissermaßen. Kerrin hat sich in ihren Schlafsack zurückgezogen und genießt auf dem Hocker vor dem Laptop sitzend die Sternenpracht. Schnell noch die EOS auf dem Stativ vor der Hütte kontrollieren. Läuft die Strichspuraufnahme noch? In der Nachbarhütte mit der GTO1200 Montierung und dem Astro Physics Starfire 130 Refraktor hört man leises Fluchen. Ein Strahl Rotlicht trifft die aufgezogene Dachkonstruktion. Kurz blitzt weißes Licht auf. „LICHT AUS“ brüllt es von der Position der Dobsonauten herüber. Ah ja, die wollten wir auch noch besuchen. So hatten wir es beim Springbock – Abendessen ausgemacht. Also geht die gesamte Drebacher Mannschaft zum Standort des 10 “ und des 20 “ Dobsons.

    Wunderschön am Zwanzigzöller die Vogelschwinge des Cirrusnebels richtig zu sehen, in das Sterngewimmel von Omega Centauri einzudringen und Strukturen in Centaurus A auszumachen. Erinnerungen an ähnlich kalte Nächte mit meinem Dobson auf dem Fichtelberg werden wach. Aber so habe ich das noch nie gesehen! Auf der Leiter stehend schubse ich den Dobson durch Eta Carinae. So viele Details. Da, der Schlüssellochnebel. Wir haben diese Dunkelwolke doch tatsächlich für einen Aufnahmefehler gehalten. Nein den gibt’s wirklich.

    Mitternacht, es wird Zeit für einen Kaffee. Langsam kriecht die Müdigkeit in die Knochen. Außerdem kommt Wind auf. In der Küche unserer Apartments ist alles da. Kaffee, Tee, Brot, Wurst, was Süßes und es lockt Bier als Betthupferl. Tolle Versorgung. Alles für uns Sterngucker eingerichtet. Wie gut Kaffee um diese Zeit bei einer Fachsimpelei doch schmecken kann.

    Wir wollten doch noch was erledigen. Ach ja, unsere ersten Gehversuche an der Losmandy -Montierung mit dem katadioptrischen 200/800 Vixen – Newton. Die Bedienungsanleitung war natürlich in Englisch und ich an meinen Grenzen. Wäre Kerrin nicht gewesen, es wäre ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Im Dunkeln sieht allerdings alles anders aus! Wo war der Taster für das Einschalten der Steuerung? Ach hier. Piep, Piep und ein leises Surren des Rektaszensions – Motors verrät, das da was geht.
    Nun das GoTo initialisieren. Wie war das noch einmal? Kerrin sitzt am Tisch und liest mit der Rotlichtfunzel nach: „Align star…synchronize….next star….“. Ob das wohl funktioniert? Testen wir es mal. Objekt eingeben und surr … die Montierung dreht artig den Newton in die gewünschte Richtung. Feine Montierung, will ich auch haben, wenn ich „groß“ bin. Dann die Kamera an den Okularauszug geschraubt, von Joachim das beleuchtete Doppelfadenkreuz für das Leitrohr geholt und scharf gestellt. Mann, ist der Auszug fummelig. Nur eine Umdrehung und der Fokussierweg ist ausgeschöpft. Fasst sich eh komisch an das Ding. Also ist Filigranarbeit gefragt. Kerrin managt DSLR – Focus. Was würde ich ohne sie machen? Wir sind ein gutes Team!

    Jetzt ist es saukalt. Die Dobsonauten sagen etwas von Minusgraden. Langsam steigen die Magellanschen Wolken auf. Die Milchstraße kippt auf den Westhorizont. Hell stehen die Begleitsysteme unserer Galaxie im Süden. Sie werden noch etwas brauchen, um hoch genug für Fotos zu stehen. Kranich, Tukan, Eridanus und der Bildhauer nehmen jetzt den Südhimmel ein. Die Orientierung fällt uns noch schwer.

    Das hat was. Wir fühlen uns wie die Seefahrer vergangener Jahrhunderte, die zum ersten Mal unter den Gestirnen des Südhimmels kreuzten. Pure Entdeckerfreude. Man genießt jeden Augenblick. Wer weiß, wann man das wieder erleben kann. Also werfen wir mal einen Blick durch das C 11 zu 47 Tucanae. Was für ein Gewimmel! Weiter zum Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke. Ach ja, Fotos wollten wir auch noch machen….

    …hab es gerade selbst noch einmal gelesen und war im Geiste wieder dort…auf „Tivoli“ unter dem Kreuz des Südens. Das nächste Mal werde ich wohl die Kamera nur zum Farmfotografieren nehmen…

    Will man mehr über unseren Verein wissen:

    Sternwarte Drebach

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