Erstbeobachtung von Sprockhoff 1 und 3

Bei 23h 26m 38s, 54d 57m 25s und 23h 26m 39s, 54d 57m 17s befinden sich zwei Objekte, deren Beobachtung ich schon länger geplant hatte. Lange kam ich trotz mehrerer Beobachtungen in der unmittelbaren Umgebung nicht zum Erfolg. Nun ist es mir endlich gelungen Sprockhoff 1 und Sprockhoff 3 sogar mit recht einfachen Mitteln zu sehen!

Okay, es ist Freitag, der 13te (schon zum dritten Mal in diesem Jahr – oder?; beim letzten Mal wurde mein Hab und Gut in die neue Wohnung geladen), daher dieser Beitrag. Er fällt etwas aus der Reihe, denn er dreht sich weder unmittelbar um Astronomie noch um Musik.

Es gibt von mir eine kleine Website zu Burgen, d.h. ich interessiere mich nebenbei für Geschichtliches. Und so finde ich auch Grabhügel und Hünengräber sehr interessant, ohne jedoch tiefere Kenntnis des Forschungsstandes zu haben.

Wir befinden uns auf Sylt. Dort sind die Grabhügel bei Keitum und das begehbare Grab bei Wennigstedt jedem Touristen bekannt. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich nicht jenseits dieser „Standardkerzen“ auf den Nebenstrecken unterwegs wäre. Und damit kommen wir zu den Objekten:

Sprockhoff 1

Biegt man am Manne Pahl Richtung Dünen ab, führt die Straße fast direkt zum Ganggrab. Allerding ist es mittlerweile recht gut hinter Büschen versteckt, so dass nur ein gezielter Gang in die Heide zum Objekt führt. Vom Weg selbst fallen zumindest die Steine nicht auf. Die Steine sind schon recht groß und wirken eigentlich zeitlos – doch einer der Decksteine ist durchgebrochen, was zeigt, dass selbst solch mächtige Steine vergänglich sind. (weiterer Link)

Sprockhoff 3

Es gibt einen Weg von Kampen zum Haus Kliffende, der recht breit ausgebaut ist. Doch auch hier muss man sehr aufmerksam sein, um die Steine in dem dichten Gebüsch überhaupt zu erkennen. Ich denke, viele Kampenbesucher laufen an diesem Grab, dem Dolmen von Kampen, vorbei, ohne es wahrzunehmen. Es scheint ein aufwändigerer Typ zu sein. Im Vordergrund des vollen Bildes ist der „Gang“ zu erkennen, der zur Kammer führt, welche noch von Decksteinen abgedeckt ist.  Der Eingang zur Kammer ist zur Hälfte bedeckt, was dieses Grab von dem Aufbau von Sprockhoff 1 zu unterscheiden scheint. (Weiterer Link).

Der größere Rahmen

Es ist wohl noch offen, ob diese Anlagen wirklich Gräber waren. Aber wozu auch immer sie dienten: sie sind beeindruckende Zeugnisse der Menschheitsgeschichte. Man überlege sich nur schon das Alter von einigen tausend Jahren und die tiefgreifenden Veränderungen, die es schon gesehen hat. Selbst im kosmischen Maßstab: als diese Anlagen entstanden, gab es noch kein Messier 1!

Nun bin ich mir noch nicht einig geworden, ob ich den offensichtlichen Verfall der Anlagen gut oder schlecht finden soll. Es ist ja schön, dass nicht aus jedem Stein noch ein Geschäft gemacht wird. Andererseits werden die Anlagen bald gar nicht mehr zugänglich und damit wieder etwas Langlebiges aus dem Blick unserer schnelllebigen Zeit verschwunden sein.

Und doch noch Astronomie …

Die Koordinaten in der Einleitung sind gar nicht mal sooo aus der Luft gegriffen. Ich habe die geografischen Koordinaten genommen und die Länge gemäß „24h minus östlicher Länge“ umgerechnet. Umso lauter mein Lacher, als ich bei o.g. Koordinaten am Himmel in Guide ein Objekt fand – nämlich Leiter 13! Und da schließt sich jetzt der Kreis zur Astronomie 🙂

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3 Antworten auf Erstbeobachtung von Sprockhoff 1 und 3

  1. Erstaunlich wie sich unsere Interessen gleichen. Neben der Astronomie habe ich ebenfalls Interesse an Burgen und neolithischen Bauten. Davon gibt es weit mehr als man so denkt. Bei den Hühnengräbern kenne ich in Niedersachsen Visbeck und Großenkneten recht gut. In England habe ich mir auch schon einiges angesehen. Doch selbst im Paderborner Umland gibt es mehrere kleine Steinkisten. In Hessen ist Zischen südlich von Fritzlar einen Besuch wert.
    Gibt es eigentlich irgendwo ein Komplett-Verzeichniss aller Hühnengräber?

  2. Frank sagt:

    Moin Bernd! So erlebt man immer wieder schöne Überraschungen 🙂
    Sprockhoff hat wohl zumindest den deutschsprachigen Raum beackert. Vielleicht gibt es die Bände in gut sortierten Büchereien, denn die sind schon was älter. Antiquarisch kosten die ein mittleres Vermögen. Beste Grüße, Frank

  3. Jens sagt:

    Hi ihr zwei Stein – äh, Sterngucker!

    Das ist ja mal interessant 🙂 Ich habe solche Gräber auch schon mehrfach aufgesucht (darüber hinaus auch etliche Hügelgräber) und ich kann dazu das Buch „Großsteingräber zwischen Weser und Ems“ empfehlen. Dort sind viele Gräber gelistet mit Foto und jeweiliger Skizze/ Draufsicht.

    Gruß, Jens

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