
Es gibt einige „Standardobjekte“ für visuelle Beobachter. Dazu gehört der Gasnebel NGC 6888 im Sternbild Schwan. Dieses Objekt möchte ich hier im Bild vorstellen.
Das Objekt misst etwa 18’x13‘ und ist damit stattlich (Vollmond: etwa 30‘). Es steht etwa 2,5° südwestlich des Kreuzungspunktes im Sternbild Schwan beim Stern Sadr.
Für die gezeigte Aufnahme kam das Teleskop A1 von Alnitak in Spanien zum Einsatz. Es wurden jeweils 5 Bilder übereinandergelegt, die einzeln je 5min. belichtet wurden. Drei Sätze wurden angefertigt, also 3x 5x 5min = 75min Gesamtbelichtungszeit.
Das Bild ist ein Falschfarbenbild. Der grüne Kanal G wurde mit dem OIII-Filter belichtet, für Rot also R kam H-Alpha zum Einsatz. Und um die Sache rund zu machen, wurde SII für den blauen Kanal, also B, benutzt. SII ist eigentlich auch im roten Spektralbereich gelegen.
Auf der Aufnahme sind Bereiche des Gasnebels gelb gefärbt. Wo kommt das her?
Die Lösung liegt in der Farbmischung. Es gibt ein Mischsystem, in dem Rot R plus Grün G tatsächlich Gelb ergibt. Dies ist in dem folgenden Bild verdeutlicht. Es zeigt einen Ausschnitt von Powerpoint. Der Hintergrund zeigt einen Teil von NGC 6888. Darüber liegt eine gelbe Fläche. Ein Fenster zeigt die Eigenschaft der gelben Fläche an. R und G, also Rot und Grün, haben den Maximalwert 255. Also ergibt hier Rot plus Grün die Farbe Gelb.

Das bedeutet: Sind in dem Falschfarbenbild Fläche in Gelb zu sehen, ist dort die Intensität von OIII und H-Alpha sehr gleich. Je grüner etwas erscheint, desto mehr überwiegt OIII, der Sauerstoff. Erscheint etwas Rot, ist das H-Alpha. Ich weiß aus Betrachtung der Einzelbilder: durch den SII-Filter sind nur wenige Teile des Nebels überhaupt zu sehen. Das spielt also in der Summenaufnahme fast keine Rolle.
Das Objekt heißt auch „Crescent“ oder „Mondsichelnebel“. Es gibt ein älteres Foto von mir sowie einen Bericht im Deep Sky Corner. In den genannten Artikel wird auch der dieses Leuchten erzeugende Wolf-Rayet-Stern genannt. Auch dies ist ein spannendes Objekt, gerade für Gitter. Ich durfte an einem größeren Dobson mal durch eine Blaze-Gitter das Spektrum dieses Sterns betrachten. Wirklich lohnend!