
Im Sternbild Leier schaute ich mal mit einem 16-Zoll-Dobson nach Galaxien. Die Leier ist nicht für Galaxien bekannt. Aber ich hörte irgendwo knapp über 100 gesehen Galaxien auf. Bei den Beobachtungen stieß ich auf eng beieinander stehenden Galaxien PGC 61757, PGC 61758, PGC 61760, kurz gesagt: dem „Leier-Triplett“. Die ….60-Galaxie steht im Bild ganz links, es folgen nach rechts …58 und …57
In Spanien steht bei Alnitak ein Teleskop mit 17-Zoll Durchmesser und fast drei Metern Brennweite. Und wenn ich dieses schon mal fotografieren lassen kann, gibt es in der Leier zum Beispiel die Kandidaten des „Leier-Tripletts“. Für das Bild hier im Beitrag wurden 18 Aufnahmen mit je 8 Minuten Belichtungszeit verwendet.
Ehrlich sagt: diese Galaxien sind mit 16-Zoll visuell an der Grenze des Machbaren. Ja, sie sind machbar. Aber sie dürften auch nicht lichtschwächer werden. Wären sie noch lichtschwächer als sie eh schon sind, wären sie nicht mehr sichtbar.
Visuelle Beschreibungen
Mit 16-Zoll notierte ich folgendes in meinem Beobachtungsbuch:
Erstmal zur außenstehenden PGC 61753: „16.9.99, 400x: groß, rund, stellarer Kern, diffuse äußere Scheibe; 220x: auch in diesem Okular leichtes Objekt“. Beobachtet mit Teleskop 400mm Durchmesser, f/5. Die Angabe „400x“ meint die Vergrößerung.
Zur PGC 61757 am 13.9.99: „220x: sehr sicher, limitös, diffus, kondensiert; 400x: immer noch flächiges Objekt, sehr lichtschwach, mit Stern“ und „Bemerkung: mit dieser Galaxie im engen Doppel ist PGC 61758. Möglicherweise ist das beobachtete Objekt eine Mischung aus beiden Einzelobjekten.“ Am 16.9.99: „220x: runder Fleck, an Stern hängend. 400x: rund, heller, flächiger Zentralbereich, diffuser Rand“. Beides mit 400 f/5 gesehen.
Zur PGC 61758 am 16.9.99: „400x: rundes, sehr schwaches Glimmen aber sicher gesehen. Nur wenig heller zum Kern, Objekt schwächer als benachbarte PGC 61757“; 400 f/5.
Und zu PGC 61760 am 13.9.99: „400x: längliches limitöses Objekt, äußerst lichtschwach. Indirekt eindeutig nonstellar“, 400 f/5 und am 16.9.99: „220x: längliches Objekt, leicht“; 400 f/5.
Bildbeschreibung
Interessant ist das Paar PGC 61757 und PGC 61758. Gerade die Galaxie PGC 61758 erscheint dem nahezu sternförmigen (stellaren) Kern irregulär und scheint ein Loch nahe dem Kern zu haben. Wir blicken bei ihr auf die Spiralarme „von oben“ drauf. Die PGC 61757 scheint mir auch eine solche „face-on“ Galaxie zu sein und wir sehen eine runde Scheibe mit einem kleinen, hellen Kern. Ebenfalls sehr kompakt und hell ist der Kern von PGC 61760. Allerdings handelt es sich bei ihr wohl um eine langgezogene Galaxie, fast „edge-on“, also mit Sicht auf die Scheibe aus der Scheibenebene.
Nähe der Objekte.
Die drei Galaxien PGC 61757, PGC 61758 und PGC 61760 stehen nur weniger als anderthalb Bogenminuten voneinander entfernt, die Kerne der ersten beiden Galaxien sogar nur etwa eine halbe Bogenminute. Das ist durchaus wenig!
Aufgrund dieser Nähe erscheinen zwei der Objekte auch wie ein einziges Objekt. Und Brian Skiff meinte dazu, diese Galaxien stünden wohl auch im Weltraum beisammen. Genaueres müsse man aber ermitteln.
Nun. Dank „Telescopius“, das ich bei Alnitak kennenlernte, kenne ich nun folgende Werte für die Rotverschiebung: PGC61757=0,0277, PGC61758=0,0268 und PGC61760=0,0291. Nun bin ich astronomisch in dieser Sache Laie – aber es erscheint mit echt so, als stünden die PGC 61757 und PGC 61758 nicht nur scheinbar von der Erde aus gesehen zusammen sondern auch im Weltall. Die PGC 61760 ist ein Stückchen weiter entfernt – aber auch nicht weit. Nun. Was astronomisch „nah“ und „weit“ ist, klar.
Es ergab sich mal eine Gelegenheit, mit einem 20-Zoll-Teleskop unter gutem Landhimmel auf diese Objekte zu schauen. Ich stellte sie ein, platzierte ein Okular im Teleskope und – Trommelwirbel – war enttäuscht. Ja, die Galaxien waren etwas leichter als im 16-Zöller. Aber eben nur etwas und nicht so viel, wie ich erwartet hatte.