Messier 20 und 21

Die Sommerpause ist nun vorbei. Es war ja wie immer, dh. angewandter Murphy. Wann klart es an einem Neumondwochende auf? Natürlich am Sonntag. Gerade im Sommer ein beliebtes Spielchen. Egal, als  fotografisch geht vom Balkon was. Auch der folgende Montagabend zeigte klaren Himmel, sogar besser als der Sonntag. Daher testete ich die gesamte Fotoausrüstung. Sie funktioniert noch, wie man hier an Messier 20 (Trifidnebel, in rot und blau) und an Messier 21 (offener Sternhaufen, links oben) gut sehen kann:

Messier 20
(größeres Bild)

Die Aufnahme ist kurz belichtet: 15×45 Sekunden bei 1600 ASA, 5 Darks wurden verwendet. Instrument war ein TeleVue 85 mit Korrektor, automatisch nachgeführt auf einer GP-D2 und eine Canon 1100Da als Kamera. Mehr zur Kamera später. Norden ist auf der Aufnahme fast genau nach oben gerichtet, Osten nach links.

Messier 20 ist ein beeindruckendes visuelles Erlebnis auch schon in kleinen Teleskopen. Meine Frau und ich hatten am Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg 2011 die Gelegenheit, durch einen 30″-Zöller auf dieses Objekt zu blicken. Das gehört zu den ganz großen Erlebnissen für einen visuellen Beobachter! Die Farben des Nebels gehen auf die Balmer-Serie des Wasserstoffs zurück.

Übrigens: diese Gaswolke sieht ja sehr dicht aus. Man darf sich von dem Eindruck nicht täuschen lassen. In solchen Wolken kommen nur wenige Dutzend Atome pro Kubikzentimeter vor [1]. Zum Vergleich: in unserer Erdatmosphäre sind es etwa 10 hoch 20 Teilchen. Selbst die in Wetzlar erfundene Turbomolekularvakuumpumpe schafft es nur, diese Dichte auf einige Hunderttausend Atome pro Kubikzentimeter zu reduzieren [2] !

Messier 21 ist eigentlich ein recht loser Sternhaufen, der im Wesentlichen auf Grund seiner hellen Sterne ins Auge fällt, beispielsweise auf Fernglasspaziergängen. Auf der Aufnahme kommt sehr schön ein Ring aus Sternen zur Geltung, der etwa im Nordosten des Objekt liegt.

Es begeistert mich, dass etwa 10 Minuten Belichtungszeit aus einer lichtverschmutzten Stadt schon ein solches Ergebnis bringen! Die Bildbearbeitung erfolgte mit DeepSkyStacker und Fitsworks.

Literatur

[1] Bergmann Schäfer, Lehrbuch der Experimentalphysik, Bd. 8: „Sterne und Weltraum“, ISBN 311015173
[2] „Wutz, Handbuch der Vakuumtechnik“, ISBN 3-528-64884-8

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