Der Zahn der Zeit

An jedem von uns nagt er, der Zahn der Zeit. Oft verdrängen wir es ja beim Blick in den Spiegel. Auch der Natur geht es nicht anders, sie unterliegt Veränderungen. Sehr oft nehmen wir diese als Menschen nicht wahr, insbesondere bei kosmischen Veränderungen.

Anders jedoch im vorliegenden Fall:

(großes Bild)

Viele Dinge werden über Sylt gesagt. Nicht alles ist wahr und einiges kann als Vorurteil abgetan werden. Wahr ist jedoch, dass an dieser Insel der Zahn der Zeit nagt. An der Südspitze bei Hörnum sind seine Auswirkungen Zeit selbst in wenigen Jahren überdeutlich sichtbar.

Aus Hörnum führt die Straße „Odde-Wei“ aus der Ortschaft und geht in einen breiten Fußweg über, der sehr direkt nach Süden gerichtet ist. Von diesem Weg zweigt ein Sackweg nach Osten ab, der zu einem Bohlensteg wird und auf einen Hügel zu einem Aussichtspunkt führt. Neben diesem steht eine seetechnische Einrichtung (Radarmast o.ä.), vergleiche Google-Maps-Foto.

Dreimal war ich nun schon an dieser Ecke: 2004, 2008 und 2011. Leider entstanden nur 2008 und 2011 Aufnahmen aus einer vergleichbaren Position mit vergleichbarem Blickwinkel. Zwei solche Aufnahmen sind im Bild nebeneinander montiert. Die Fotos zeigen den Blick nach Süden. Im jeweils rechten Bilddrittel ist der nach Süden führende Weg zu sehen, kurz vor dem Horizont die Abzweigung, von der der Bohlensteg nach links (Osten) führt. Aussichtspunkt und seetechnische Einrichtung sind in der Mitte des linken Bilddrittels zu sehen.

2004 sah ich von der Fotografenposition aus den Bohlensteg noch komplett, unterhalb davon war eine durchgehende grüne Heidefläche zu sehen, wie sie auch im Google Satellitenbild noch sichtbar ist. Der Weg verlief jenseits des Horizonts noch einige dutzend Meter parallel zum Strand.

2008 drückt bereits Sand in diese Heidefläche hinein, der Bohlensteg beginnt zu versinken. Statt Heide macht sich Strandhafer breit. Der Weg führt noch einige Meter über den Horizont, bevor man den Strand betritt. Allerdings längst schon nicht mehr die 20-30 Meter von 2004!

2011 ist jedes Grün aus der ehemaligen Heidefläche verschwunden, da liegt nur noch Sand! Der Bohlensteg ist bereits zu großen Teilen im Sand versunken, der Weg liegt einiges höher. Direkt hinter dem Horizont steigt man auf den Strand hinab.

Die Südspitze hat in den letzten Jahren einiges an Länge eingebüßt. Als meine Eltern in den 1960ziger Jahren um sie herum wanderten, war dies wirklich noch eine Wanderung. Da in den letzten Jahren immer wieder Teile abbrechen und vom Meer weggerissen werden, ist dies heute eher ein Spaziergang. Ich finde es faszinierend, an einem Strand zu gehen und mir vorzustellen, wie ich einige Jahre vorher auf einem Strand gegangen bin, der nun tief im Meer liegen würde.

Hier noch eine Wellenaufnahme:

(großes Bild)

Mit hoher Wahrscheinlichkeit werde ich auch in den nächsten Jahren Fotos machen – und dann hier berichten. Es ist zwar nicht direkt Astronomie, könnte vielleicht als Planetologie laufen. Spannend finde ich es jedenfalls 🙂

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6 Antworten auf Der Zahn der Zeit

  1. Frank sagt:

    Das Land Schleswig-Holstein hat eine informative Seite zur Hörnum Odde, wie das Gebiet der Südspitze genannt wird.

  2. Frank sagt:

    Weiterhin interessant ist eine auf der vorgenannten Website veröffentlichte Studie zu Tidenströmungen. Demnach stieg durch den Bau des Hindenburgdammes die an der Hörnum Odde vorbeifließende Wassermenge um 4 Prozent.

  3. Lichtecho sagt:

    Mal naiv gefragt: Geht es mit Sylt nur bergab oder wird da an anderer Stelle Land aufgebaut?

  4. Frank sagt:

    Zur Antwort greife ich mal auf ein Syltbuch zurück (ISBN 3-8319-0218-6). Demnach geht es im Wesentlichen wohl bergab, allerdings in stark unterschiedlichem Maße. Beispielsweise sind die Regionen Hörnum, Kampen und Lister Weststrand stark vom Abbruch betroffen (bis zu einem Meter pro Jahr). Es gab Gebiete, in denen Zuwächse verzeichnet wurden, beispielsweise an der Nordküste des Ellenbogens (das sieht man auch bei Spaziergängen, denn dort liegt die Küstenbefestigung mittlerweile weit vom Flutsaum entfernt). Allerdings wird dieses Wachstum dort begrenzt durch das Wasser, welches aus dem Wattenmeer abfließt: dieses benötigt einen gewissen Querschnitt, durch den es bei Ebbe abfließen kann.

  5. Gabi sagt:

    Vergänglichkeit
    scheint mir ein mildes Wort

    wer will ihr Gegner sein
    dein Leib
    oder Meiner
    sind dazu nicht
    beschaffen die Oberfläche
    noch das
    Gewuchs ist Willens
    zu bleiben
    näher bin ich dir
    jetzt

    …. oder schlicht und ergreifend: der zahn der zeit.. mal auf lyrisch erzählt…

    Hallo Frank,

    ich lese ganz gern deinen Blog. Nicht daß ich die fachlichen Inhalte wirklich so gut verstünde(leider, schade und überhaupt), aber sie sind mir durchaus Anreiz zum Nachdenken (und Mondgucken – oder Himmel – bloß nicht in die Sonne). Und mehr als einmal habe ich mich recht köstlich amüsiert.
    So nun also heute eine reale Rückmeldung. Oder pseudoreal. Whatever. Schein gleich Sein. Jedenfalls in Hollywood.

    Herzlicher Gruß, Gabi.

  6. Frank sagt:

    Vielen Dank für Deinen Kommentar Gabi. Solch eine positive Rückmeldung gibt natürlich zusätzliche Motivation. Viele Grüße, Frank

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