Die Beziehung Leser und Autor

Im abschließenden Artikel dieser Serie über das Schreiben im Genre SF soll es um die Beziehung von Autor und Leser gehen. Dabei wird es um sehr grundlegende Dinge, die ich jedoch am Beispiel SF erläutern möchte.

Wichtig ist zunächst: Der Leser muss die präsentierte Geschichte begreifen können, in sie eintauchen können.

Das setzt Grenzen in der Gestaltung und Darstellung des Kosmos. Natürlich kann ich als Autor eine Welt erschaffen, in der alles anders ist als im erlebten Alltag. Science Fiction bietet unbegrenzte Möglichkeiten. Wenn ich diese ausreize, muss ich als Autor jedoch damit rechnen, dass nur wenige Leser diese Welt verstehen können und werden. Es geht daher um eine Balance zwischen dem Neuen, Ungewöhnlichen und der Zugänglichkeit.

Für den Bereich Science bleibt eine Geschichte noch gut nachvollziehbar, wenn beispielsweise mit Überlichtgeschwindigkeit gearbeitet wird. Einfach, weil man im Alltag die Lichtgeschwindigkeit als Grenze nicht bewusst wahrnimmt. Etwas anderes ist es, wenn beispielsweise das Fallgesetz nicht gelten würde. Dann wird es für den Leser schwer. Es mag Leser für diese Geschichte geben, doch ich wage die Prognose: Es wird keine große Leserschaft sein. Das ist an sich nicht schlimm, man kann es als Autor aber im Hinterkopf haben.

Die Technik wird in SF oft an die realen technischen Gegebenheiten zum Schreibzeitpunkt angelehnt. So findet sich heute die Wischtechnik, mit der wir Smartphones, Tablets, PCs, usw. bedienen auch in Raumschiffen wieder. Das nimmt den Leser zwar mit, aber wenn ich an die Bedienung eines Auto-Navigationssystems in Wischtechnik auf einer mäßig glatten Straße während der Fahrt denke, zweifele ich an der Sinnhaftigkeit dieser Bedientechnik in einem Raumschiff.

Das Thema Gesellschaft war schon Gegenstand eines Artikels. Auch hier gilt: die industrielle Marktwirtschaft, der Industriekapitalismus ist unsere erfahrene Gegenwart. Entsprechend leicht taucht der Leser in eine Geschichte mit einer darauf basierenden fiktiven Gesellschaft ein. Wenn man bedenkt, wie kurz die Menschheit in ihrer Existenz jedoch in dieser Gesellschaftsform lebt, bieten sich noch Möglichkeiten.

Kommen wir zu einem ganz anderen Punkt: Die innere Logik

Was mich beim Lesen oftmals Stolpern lässt, sind Schwächen der inneren Logik. Wenn es einen Teleporter gibt (Festlegung des Autors) und der kann 100 km weit springen, dann kann er 100 km weit springen. Das sollte durchgängig so sein. Abweichungen müssen plausibel begründet werden. Genau das macht das Entwerfen einer Science Fiction-Welt so aufwändig: praktisch jedes entworfene Detail muss dokumentiert sein und konsequent eingesetzt werden. Sonst drohen Logikfehler, die den Leser aus der Bahn werfen.

Ein anderes Beispiel für einen Fehler lief mir vor einiger Zeit über den Weg. Der Protagonist in einer Geschichte wacht auf dem Mars im Hotel auf. Bis dahin muss der Leser von dem realen Mars unseres Sonnensystems ausgehen. Es gibt keinen Anreiz, etwas anderes zu denken. Der Protagonist beobachtet den Mondschein, der das Zimmer erleuchtet. Der Autor dachte hier an den irdischen Mond. Der scheint aber nicht auf dem Mars. Es gibt Schlimmeres.

Bedauerlicher finde ich es, wenn Autoren übermächtige Figuren schaffen. Egal ob Protagonist oder Antagonist, ist die Figur sehr stark geraten und der Autor weiß sich nur zu helfen, indem er sie furchtbar dumm handeln lässt. Die Figur wird nicht durch Auffinden einer ihrer Schwächen sondern durch maximale Dummheit besiegt. Nun handeln wir alle immer wieder einmal dumm im Alltag, ich weiß, wovon ich schreibe. Ein Schreibratgeber riet jedoch dazu, mit diesem Stilmittel sparsam umzugehen – und dem stimme ich vorbehaltlos zu. Jede noch so starke Figur wird auch eine Schwäche haben. Es liest sich für mich viel spannender, wenn diese Schwäche gefunden und eingesetzt wird.

Ausnahme bilden Comedy und Slapstick. Diese leben vom dummen Handeln von Figuren. Die Autoren setzen dort das Stilmittel bewusst ein. Es gibt recht wenig Science Fiction aus dem Humorbereich. Humor wird als „comic relief“ eingesetzt. Bestimmt bietet sich noch Raum, der noch nicht von „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“, „Spaceballs“ und „(T)Raumschiff Surprise“ besetzt worden ist.

Die Bedeutung für mein Schreiben

Mich reizt es tatsächlich, das Humorfach zu bedienen. Bisher habe ich mich jedoch noch nicht festgelegt und keine zündende Idee. Dystopien erscheinen mir als Autor derzeit wenig verlockend. Und die Probleme in Geschichten (Logikfehler, übermächtige Gegenspieler, usw.), die mir aufgefallen sind, möchte ich natürlich vermeiden 🙂

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