Genre Science Fiction: Natur

Im ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe wurde der Begriff „Science“ im Genrenamen betrachtet. Der heutige Teil betrifft die Natur als solche, den erdachten Kosmos. Wissenschaft spielt hier natürlich auch wieder eine große Rolle. Was zunächst nach Schlaraffenland klingt, ist im Detail harte Arbeit.

Tja. Wo fangen wir an? Nahe liegend als Physiker mit dieser Frage:

Gilt die „normale“ Physik?

Es ist für den Leser natürlich, wenn in dem Fantasiekosmos wenigstens die newtonschen Gesetze gelten, um den Alltag zu beschreiben. Hier tun sich Kinofilme von Star Trek und Star Wars schon erstaunlich schwer, was vielleicht dem Medium Film geschuldet ist. Selten entsprechen die Flugbahnen der Raumjäger einen Sinn und der freie Fall wird auch oft … nun … frei ausgelegt.

Normal wäre auch: der Apfel fällt zu Boden, d.h. es gibt Gravitation. Hiervon wird gerne in Form von „Antigravitation“ abgewichen. Wir wissen in unserer Welt: die wird es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben. Natürlich kann ich das als Autor anders postulieren. Stellt sich die Frage, ob und wie ich dann eine plausibel klingende Erklärung anbiete.

Es ergibt auf jeden Fall Sinn, die Frage als Autor für sich selbst zu beantworten, damit die postulierte Antigravitation schlüssig und widerspruchsfrei verwendet wird.

Das gilt für alle Abweichungen von der bekannten Physik, Stichworte sind hier z.B. Hyperraum und Überlichtgeschwindigkeit. In Science Fiction Geschichten wimmelt es von Hyperräumen und ähnlichen Konstrukten, in denen die Helden und Schurken ohne Zeitverzug über weite Strecken reisen. Überhaupt, Zeitverzug: schon die Relativitätstheorie, die Zeit und Geschwindigkeit in Zusammenhang bringt, spielt meist keine Rolle.

Die Anforderungen bei Hard SF sind natürlich drastisch höher als bei Weltraumabenteuern wie Star Trek, Star Wars, Aliens und andere.

Verlassen wir die Physik und wenden uns anderen Naturwissenschaften zu.

Wie sieht es mit Flora und Fauna aus?

Oft reisen Helden von einem Planeten zum nächsten und treffen dort auf recht ähnliche natürliche Gegebenheiten. Doch auch dies ist schwierig. Es ist nur selten ein Thema, ob dem Menschen auf dem fremden Planeten Gefahren drohen, bspw. durch Viren und Bakterien. Wir kennen aus der Kolonialzeit einige sehr unschöne Effekte, die sich durch das Reisen über die Welt ergaben. Bei interstellaren Reisen spielt das praktisch nie eine Rolle. Das kann man als Autor natürlich so postulieren.

Fremdwesen

Es werden in vielen Geschichten faszinierende Geschöpfe vorgestellt. Doch sollte in dem betreffenden Kosmos die Evolution ebenfalls wirken, dann ist oft die Frage: welchen Vorteil bringt diese seltsame Gestaltung, welche Nische wird besetzt? Ich denke da zum Beispiel an Wesen, die Hände mit freiliegenden Nervenenden haben. Da kann ich mir keinen evolutionären Vorteil vorstellen. Andererseits: hier bin ich als Leser eben stillschweigend von der mit bekannten Evolution ausgegangen. Die muss in dem fiktiven Kosmos jedoch nicht gelten.

Mir scheint es oft so zu sein, dass die Wesen möglichst nicht-menschlich dargestellt sind, um sie schneller abmurksen zu können. Das gilt für Lebewesen aus der Tierwelt genauso wie für höhere Lebewesen, beispielsweise Klingonen.

Bei höheren Lebewesen ertappe ich mich dann oft zu denken: im Grunde sind das nur verkleidete Menschen (sind es im Film in der Regel auch). Sprich: sie sehen zwar fremdartig aus, verhalten sich aber letztlich doch wieder sehr menschlich. Gerade in älteren Science Fiction verwundert das nicht. Dort wurden von Autoren aus dem Westen gerne Verhaltensweisen für die Außerirdischen übernommen, die sie in Berichten aus entlegenen Ecken der Erde gelesen hatten.

Was die verkleideten Menschen bzw. Intelligenzwesen angeht, fand ich Star Wars schon immer sehr farbenfroh. Für mich bekamen die Macher immer kurz vor dem Abdriften ins Lächerliche die Kurve.

Die Bedeutung für mein Schreiben

So spannend ich die Physik unseres Universums finde (beispielsweise aus meiner Tätigkeit als Quantenmechaniker), so schön finde ich es, wenn Reisen zwischen verschiedenen Ecken des Universums in kurzen Zeiträumen möglich sind. Hier möchte ich also von der Realwelt abweichen. Und wenn sich Flora, Fauna und höhere Lebewesen auf verschiedenen Welten ähneln, kann man ja einen gemeinsamen Ursprung postulieren – oder dass die Evolution auf gleiche Fragestellungen ähnliche Antworten gefunden hat.

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