Der Zirrusnebel

Zirren, auch Federwolken genannt, sind dünne hohe Wolken, die uns Astronomen immer wieder Probleme bereiten. Wenn jedoch das Sternbild Schwan hoch am Himmel steht, vorzugsweise in einer mondlosen Nacht, gibt es einen Zirrus, der sehr gefragt ist: der Zirrusnebel. Im Bild sind zwei bogenförmige „Bänder“ zu sehen, deren Mittelpunkt etwa in der Bildmitte liegt. Diese bilden den Zirrusnebel.

Da diese „Bänder“ auf Aufnahmen und im Teleskop den irdischen Wolken stark ähneln, hat sich der Name Zirrusnebel eingebürgert. Egal welches Teleskop ich benutze: dieses Objekt schaue ich mir immer wieder sehr gerne an und genieße dann den Augenblick. Für mich ist das pure Entspannung. Am 21.08. ergab sich für mich die Gelegenheit, die 1100D mit dem 105mm Objektiv auf die StarAdventurer zu packen und zu belichten. Der Himmel war gut, ich konnte die Milchstraße zumindest im Schwan schön strukturiert mit bloßem Auge sehen. Südlich von M11 war von der Milchstraße aber nichts zu erkennen. Da erlebe ich hier in Schwarzenbek des öfteren wesentlich besseren Himmel. Vielleicht liegt es daran, denn ich hatte bei gut 30 Minuten Belichtungszeit, Blende 3.2 und 3200 ISO etwas mehr vom Objekt erwartet. Außerdem hatte ich den UHC-Filter vom Astro-Shop Hamburg in die Kamera eingesetzt. Dieser sollte beim Zirrusnebel einen Vorteil bringen (meiner Erfahrung nach tut er es auch 🙂 ). Bei dem Objekt handelt es sich um einen Supernova-Überrest: ionisiertes Gas bildet eine expandierende Gashülle, die zum Leuchten angeregt wird. Das Leuchten ist daher nicht breitbandig mit allen Farben wie bei einer alten Glühbirne sondern kleinste Teile des Spektrums werden ausgestrahlt, man sieht es an der roten und blaugrünen Färbung des Nebels im Bild. Die im Bild sichtbare Gashülle erscheint uns mit etwa dem sechsfachen Durchmesser des Vollmondes. In Wirklichkeit besitzt sie einen Durchmesser von etwa 100 Lichtjahren und ist 1500 Lichtjahre von uns entfernt.

Worüber ich wirklich staune: die StarAdventurer habe ich einfach nur auf den Balkon gestellt und grob nach dem Verlauf der Balkonplatten ausgerichtet. Sorgfältig „Einnorden“ und auf den Himmelspol ausrichten ist wahrlich etwas anderes. Die Sterne sind auf den jeweils 3 Minuten langen Einzelaufnahmen trotzdem sehr schön rund. Ich hatte also während des Belichtens nicht viel zu tun. Das gab mir Gelegenheit, nebenbei mit einem 20×70 Fernglas über den Himmel zu spazieren. Kein Vergleich zum Nachführen per Hand der auf meinem 11cm-Newton montierten Kamera mit 135mm Objektiv. In den letzten 20 Jahren hat sich da sehr viel getan …

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2 Antworten auf Der Zirrusnebel

  1. Inge Leiter sagt:

    Hallo Frank,
    da hast Du ja wieder eine tolle Aufnahme gemacht. Ich kann das nur immer bewundern
    welche Kenntnisse Du hast und wie Du mit der Optik umgehen kannst.
    Grüsse aus Mittelhessen Mutti

    • Frank sagt:

      Moin!
      Vielen Dank für die Blumen 🙂
      Was die Technik angeht … es ist einfacher geworden: hinstellen, Auslöser drücken, die Nacht genießen 🙂
      Grüße vom Deichrand, Frank

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