Jahr des Lichts, Optik: die Brille

Im Winter scheint die Sonne sehr flach in die Wohnung. Daher fiel das Licht vor einiger Zeit durch meine Brille an eine Wand und ich dachte mir: das kannst Du doch mal im Blog zeigen. Im Bild rechts sind meine Brille und ihr Schattenwurf zu sehen. Wenigstens zwei Dinge sind sehr auffällig. Wer möchte, kann ja zunächst raten, was da auffällig ist und wie es sich erklärt – und klickt danach auf weiterlesen ….

Die Brille, mit meiner linken Hand gehalten, sieht eigentlich recht normal aus: die Gläser sind recht transparent und nicht allzu schmutzig. Vielleicht fällt dem Betrachter eine leichte Färbung der Gläser auf, d.h. die Wand erscheint durch die Brillengläser betrachtet mit einem leichten Braunstich gegenüber der recht weißen Wand. Diese leichte Tönung soll bei Computerarbeit helfen.

Beide Gläser erscheinen jedenfalls gleich stark getönt und damit in gleichem Maße transparent.

Der Schattenwurf jedoch sieht ganz anders aus!

Dort erscheint das rechte Brillenglas dunkel, wie bei einer Sonnenbrille. Dieser dunkle Schatten ist von einem hellen Hof umgeben. Das linke Glas jedoch wirkt etwas heller als die Wand und der Brillenrand wirkt dicker als der Rest des Brillengestells. Dies passt jedoch nicht zu dem direkten Anblick der Brille.

Warum ist das so?

Die Antwort ist recht einfach und ergibt sich aus einer kleinen Besonderheit meiner Augen.

Mein rechtes Auge ist kurzsichtig. Kurzsichtigkeit bedeutet, dass die Augenlinse das Licht bereits vor der Netzhaut bündelt, das Bild liegt sozusagen vor der Netzhaut. Daher muss eine Zerstreuungslinse vor dem Auge platziert werden, um das Bild weiter nach hinten zu verlegen – eben auf die Netzhaut. Das linke Auge ist jedoch leicht weitsichtig. Die Augenlinse erzeugt ein Bild, welches hinter der Netzhaut liegen würde. Mit einer Sammellinse in der Brille wird das Bild nun weiter nach vorne und auf die Netzhaut geholt.

Und genau das erklärt das Foto: das rechte Brillenglas zerstreut das Sonnenlicht. Licht wird in den hellen Hof gelenkt, wodurch dieser helle Hof entsteht. Dieses Licht fehlt jedoch in der direkten Richtung, so dass der „Schatten“ des Brillenglases dunkler als die direkt beschienene Wand erscheint. Entsprechend bündelt das linke Brillenglas das Licht, wodurch der „Schatten“ des linken Brillenglases heller als die Wand erscheint. Auch die Verdickung des Brillenrandes ist dadurch erklärbar.

Die Brillenstärke ist übrigens sehr gering. Es ist überdies sehr praktisch, ein kurz- und ein weitsichtiges Auge zu haben, denn so kann ich auch ohne Brille lesen, autofahren oder am Rechner arbeiten.

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4 Antworten auf Jahr des Lichts, Optik: die Brille

  1. Christian Weis sagt:

    Hallo Frank,

    sehr interessant! Du bist der erste den ich kenne, welcher ein kurz- und ein weitsichtiges Auge hat.
    Kneifst du beim Autofahren dann auch ein Auge zu? 😉

    Viele Grüße,
    Christian

    • Frank sagt:

      Moin Christian!
      Nina hat in der Tat auch ein kurz- und ein weitsichtiges Auge. Wir waren mal zusammen im Brillengeschäft – was glaubst Du, wie der Mitarbeiter gestaunt hat. Ich meine mich zu erinnern, dass die Wahrscheinlichkeit 1:1000 ist, das jemand kurz- und weitsichtig zugleich ist.
      Und Autofahren … mir ist mal während ich am Lenkrad bei 160 oder so saß ein Brillenglas aus der Fassung gefallen. Habe die Brille und das Glas an meinen Beifahrer weitergereicht mit dem Kommentar „ein Bausatz zum Zeitvertreib“. Er hat ein interessantes Gesicht gemacht 🙂
      Tschüss
      Frank

  2. Christian Weis sagt:

    Servus Frank,

    tja, und dann noch gleich zweimal 1:1000, also 1:1.000.000 Wahrscheinlichkeit (?) Bin baff!
    Ich versuche, auch mal einen Optikartikel auf meinen Blog zu schalten, schließlich habe ich das ja 7 Jahre studiert. Es gibt so viele schöne Dinge in der Optik.

    Irgendwie fühle ich mich durch deinen Satz „Warum ist das so?“ grade an die Sendung „Knoff Hoff“ erinnert. Hab ich früher immer gerne gesehen. Switch hat ja gerne als Running Gag den Joachim Bublath hochgenommen mit den Sätzen „Warum ist das so? Nun, amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden, daß…“

    Habe deinen Blogartikel heute Mal einem Arbeitskollegen und zwei Lehrlingen gezeigt, die fanden das auch ganz spannend. Habe dann zum Vergleich meine 4 dpt-Astikorrekturbrille herumgereicht. Konnten mit Dioptrien und Astigmatismus nicht viel anfangen – als sie dann durchgeschaut haben, haben sie es verstanden. 🙂

    Viele Grüße,
    Christian

  3. Frank sagt:

    Moin Christian!
    Würde mich riesig freuen, Optikartikel von Dir zu lesen. Bin bisher noch nicht so tief in die Optik eingestiegen wie ich wollte. Aber alles zu seiner Zeit. Es gibt so wahnsinnig viele fantastische und interessante Dinge, mit denen man sich beschäftigen kann – es gibt einfach so wenig Zeit.
    Knoff Hoff habe ich auch gerne gesehen. Das erinnert mich dran, dass ich das Lied mal wieder spielen könnte. Wobei, ich habe es immer auf der E-Orgel gespielt und die steht recht weit weg.
    Freut mich, dass Du den Artikel zu Lehrzwecken nutzen konntest 🙂
    Alles Gute
    Frank

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