Kunstgalerie: die Balkonsternwarte

Teil dieses Blogs ist eine Kunstgalerie, in der einige der unbekanntesten astronomischen Werke vorgestellt werden. Und so wenden wir uns heute in der Premiere dem Werk „Die Balkonsternwarte“ zu.

Die Balkonsternwarte

Post-parallaktische Installation auf Fliesen, gefugt.
Die Balkonsternwarte

„Autoguiding vereinfacht die Astrofotografie erheblich.“

Diese Hoffnung ist die treibende Kraft hinter dem Schaffen unseres heutigen Künstlers. Und so ist mehr ein Prozess als die geborgene Sicherheit eines vollendeten Werkes, der sich wie ein roter Faden durch diese Installation zieht. Der Künstler bietet uns einen tiefen Einblick in sein Streben und wie der Abgrund des Marianengrabens nahe der Insel Guam öffnet sich ein Blick in die Tiefen seiner Seele.

Und so springt zunächst der weiße Grundkörper einer Montierung als zentrales Element der Installation ins Auge.

Es ist die Balance, das fein austarierte Spiel von Gewicht und Gegengewicht, die dieses Element kennzeichnet.

Eine Balance, die auch der Seele des Künstlers innewohnen soll. Aber die Installation zeigt uns, dass hier die Krux liegt. So finden wir nicht nur einen tragbaren Rechner, der zusammen mit der Montierung zur Balance führen sollte. Allerlei Werkzeug bildet den Kontrapunkt zum Gleichgewicht und klaren Linienführung der Montierung.

Da ist der Koffer, mit Kabeln und Adaptern und einer CD. Wird der neue Treiber die Lösung bringen? Wird seine Installation gelingen?

Da ist die Mappe mit Innensechskantschlüsseln, die fast schon zu lässig über der Lehne des etwas zu vordergründigen Stuhles hängt. Das Motiv des Innensechskantschlüssels finden wir auch an anderer Stelle der Installation wieder, nahe dem tragbaren Rechner. Handelt es sich hier um den Innensechskantschlüssel der Größe „Imperial Butterworth-East-indian“, der der Verschraubung des Deklinationsmotors den letzten Schliff geben kann?

Da ist die Verkabelung, die sich jeder Ordnung zu widersetzen scheint. In der bereits sprichwörtlich gewordenen Allegorie des gordischen Knotens versinnbildlicht diese Verkabelung den Berg schier unlösbarer Probleme, den es hier noch zu bewältigen gilt.

Und so ist der Topf mit Blumen, der als letztes Element einer Hoffnung Raum gibt. Doch auch hier fragt sich der Betrachter: sind die Blumen im Würgegriff der Kabel oder durchbrechen sie gleich dem ersten Strahl der aufgehenden Sonne über dem zerklüfteten Horizont der Alpen mit froher Botschaft den Kabelverhau und trachten danach, die Fesseln der Technik zu sprengen? Dies muss offen bleiben.

Dem Künstler blieb bisher der Erfolg versagt. Noch heute korrigiert er das Guiding per Hand.

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4 Antworten auf Kunstgalerie: die Balkonsternwarte

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