Ludwigs Stern: Sidus Ludovicianum (Ludoviciana)

Im Sternbild (genauer: Asterismus) des Großen Wagen gibt es einen Stern, der einen durchaus engen Bezug zu mir hat: Sidus Ludovicianum (oder: Ludoviciana). Wie sieht dieser Bezug aus? Ich berichte!

Zunächst: um welchen Stern handelt es sich? Kenner und Nutzer von Wikipedia wissen natürlich mehr. In der Deichsel des Großen Wagens ist das enge Sternpaar „Alkor und Mizar“ sehr bekannt. Und es wurde gesagt: sind beide Komponenten mit den Augen zu sehen, sind diese Augen gut.

Mit dem Fernrohr hingeschaut, ist ein dritter Stern dort zu sehen: Sidus Ludovicianum.
Im Titelbild sind die drei Sterne mit Namen versehen. Das Foto (markiert oder unmarkiert) entstand in Spanien am Teleskop von Alnitak.

Als ich in den 1990er Jahren darüber stolperte, gab es die Wikipedia zwar schon, es war über diesen Stern aber nur wenig bekannt. Ich studierte an einer Universität, die mit Landgraf Ludwig verbunden war. Denn er war einer, der zu dieser Universität genickt hat. Es gab zwar in der Stadt Marburg schon eine Uni nahe der Stadt Gießen (und das sprach gegen eine Uni in Gießen) – aber andererseits verlief zwischen den Städten eine Religionsgrenze.
Das alles reizte mich nachzuforschen.

„Nachforschen“. Das hieß in den 1990ern für mich insbesondere: Studium des „Burnhams Celestial Handbooks“ und die Geschichte „meiner“ Universität in Gießen.

Sidus Ludovicianum“ kann mit „Ludwigs Stern“ übersetzt werden.

Jetzt kennt die Geschichte durchaus einige Könige und Kaiser mit dem Namen Ludwig.
Umso überraschter war ich als meine Quellen sagten: nein, es handelt sich nicht um eine König oder Kaiser sondern um eben jenen „Landgraf Ludwig von Hessen-Darmstadt“. Also tatsächlich der Landgraf meiner Universität, meiner „Alma Mater“.

Aber es wurde noch spannender!

Ich fand den Namen „Liebknecht“ und die Tatsache heraus, dass es an der Uni Gießen mal eine Sternwarte gab.

Die Daten der Quellen ergaben folgendes Bild: Liebknecht war der falschen Annahme, bei Sidus Ludovicianum handele es sich um einen Planeten und er habe ihn entdeckt. Vermutlich um Geld für die Uni Gießen zu bekommen, benannte er das Objekt zu Ehre des Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt.

Nun. Es war weder ein neuentdeckter Planet, noch gab es Geld, noch kennt man heute noch diese Sternwarte.

Dumm gelaufen.

Aber es gibt diese bleibende Namensverbindung.

Dieser Erkenntnisse schrieb ich damals in den 1990ern in die Vereinszeitung der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft im Kulturring Heuchelheim („Astro-AG“), dem „Heuchelheimer Himmelsfähnchen“.

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