Eine Beobachtung der Jupitermonde

Seit Wochen ist das Wetter astronomisch … sagen wir: ausbaufähig. Daher werfe ich heute den in der Jahresvorschau angedeuteten Blick in das Beobachtungsbuch. Es war der 08. April 1992 als ich in den Abendstunden mit dem 11cm Newton-Teleskop in Wetzlar beobachtete und von Jupiter überrascht wurde.

Jupiter stand im Sternbild Löwen und mit mehr als 40 Grad auch hoch über dem Horizont. Um 21:07 MESZ notierte ich: „Im Teleskop zeigt sich (vermutlich da Dämmerung und Mond) erst 1 Mond und Wolkenstrukturen“. Den Anblick zeigt Bild 1 der Bildmontage diese Beitrages.

Nein, es hatte nichts mit Dämmerung und Mond zu tun.
Um 23:10 konnte ich freudig notieren, dass nun zwei weitere Monde dicht an Jupiter stünden.

Um 23:25 sah ich dann ein schwarzes Objekt vor der Jupiterscheibe, vergleiche in Bild 2 der Bildmontage den schwarzen Punkt am linken Rand von Jupiter. Wackelte ich am Teleskop (nun, der 11cm-Spiegel wackelte eigentlich eh immer von selbst), wackelte des Objekt mit. Drehte ich das Okular im Okularauszug, blieb der schwarze Punkt vor dem Scheibchen.
Also griff ich zum Smartphone und googelte … ach halt, nein, 1992 … griff ich die „Sterne und Weltraum“ (Ausgabe 4/92) und wurde auf Seite 243 fündig: Der Mond Ganymed warf heute seinen Schatten auf die Oberfläche von Jupiter.

Cool, sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen.

Damit war es aber nicht getan.

Okay, da waren also zwei Jupitermonde, die am Anfang der Beobachtung wohl vor der Jupiterscheibe standen. Sie konnte ich am Anfang nicht sehen. Später beendeten sie ihren so genannten Durchgang und waren neben Jupiter zu sehen. Dann warfen sie ihre Schatten, wovon ich einen gesehen hatte: den von Ganymed.

Doch wo war der vierte galileische Mond, Europa?

Europa tauchte um 23:38 MESZ auf einmal in einigem Abstand zum Jupiter quasi im Nichts auf, vergleiche Bilder 3 und 4. Er hatte sich seit Beginn meiner Beobachtung im Schatten des Planeten bewegt und war daher nicht zu sehen. Erst um 23:38 trat er aus dem Schatten hervor.

Der Mond, den ich von Beginn an gesehen hatte, war Kallisto. Über diesen sagt mein Beobachtungsbuch: „Kallisto schaut derweil unbeteiligt zu.“

Die Beobachtung hat mich damals fasziniert. Sie tut es sogar heute wieder, wo ich das Beobachtungsbuch lese. Auf jeden Fall reizt es nun, mal wieder Ereignisse der Jupitermonde zu beobachten.
Die Bilder wurden mit der Software Stellarium erzeugt.

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