Das Schreiben von Geschichten

Seit einiger Zeit verfasse ich Geschichten, die in der von Astronomie begeisterten Kleinstadt Werdeburg spielen. Damit habe ich einen Faden aufgegriffen, dessen loses Ende seit 25 Jahren vor meiner Nase baumelte. Astronomie ist seit 35 Jahren mein Hobby und mit diesen Geschichten erreiche ich gleich zwei Dinge: (1) ich kann einige erlebte Anekdoten in abgewandelter Form weitergeben und (2) ich lerne mehr über den inneren Aufbau und das Verfassen von Geschichten. Der heutige Artikel dreht sich nun um den zweiten Punkt.

Zum Glück ist es in der Schriftstellerei wie in der Physik und der Musik auch: wir müssen das Rad nicht neu erfinden, sondern können Rat einholen. Daher lese ich Ratgeber zum Thema und stelle dabei fest, dass ich vieles an meinem Schreiben verbessern kann, erstaunlich vieles jedoch aus dem Gefühl heraus sinnvoll angehe.

Nachfolgend möchte ich einige Punkte aus meinem Studium der Ratgeber herausgreifen:

Die Erzählperspektive

Was dem Leser einer Geschichte gleich auffällt: ist die Geschichte aus der Sicht eines „Ich-Erzählers“ geschrieben oder gibt es einen Erzähler, der keine der Figuren der Geschichte ist? Man spricht dann vom „Point of view“. Der Erzähler ist seit einigen Jahrzehnten selten geworden, habe ich vernommen. Es gibt dann noch Erzählperspektiven, bei denen der Leser nicht direkt die handelnde Person ist, aber gleichsam in mehr oder weniger großer Distanz über ihr schwebt. Ein empfehlenswerter Ratgeber zu diesem Thema stammt von Sandra Gerth: „Point of view“.

Veranschauliche!

Ein weiteres Schlagwort ist „Show, don’t tell“. Man könnte es übersetzen mit „erzähle nicht, sondern veranschauliche“. Was versteht man darunter? Nehmen wir ein Beispiel. Erzählt wäre: „Ihm war sehr heiß“. Veranschaulicht hingegen: „Schweiß durchtränkte sein T-Shirt und ließ es am Oberkörper kleben“ oder „Schweiß brannte in seinen Augen“. Auch hierzu gibt es einen Ratgeber von Sandra Gerth: „Show, don’t tell.“ An diesem Ratgeber gefällt mir auch der Hinweis, es mit dem Veranschaulichen nicht zu übertreiben. Werden alle Dinge veranschaulicht, auch solche, die für die Handlung vollkommen egal sind, kann der Fluss der Geschichte abreißen und der Leser sich verirren. Zudem soll er ja auch Freiraum für seine Phantasie bekommen. Simone Harland ist die Autorin eines weiteren hilfreichen Ratgebers zu dem Thema.

Der Kern der Geschichte

Interessant finde ich den Vorschlag von Sol Stein, dass sich der Kern jeder Geschichte und jedes Romans auf einen Satz reduzieren lassen sollte. Dieser Satz hilft beim ersten Schritt der Vermarktung des Werkes: der Suche eines Verlegers. Ich bin gespannt, ob sich diese Sätze aus meinen Grundideen für Bücher erzeugen lassen. Es gibt nämlich einige Grundideen von mir, die tatsächlich bisher nur ein Satz sind 🙂

Das richtige Maß

Ich gehöre zu den Menschen, die eher sparsam mit Worten umgehen. Nach dem Lesen einiger Ratgeber gewinne ich zunehmend den Eindruck, dass dies eher ein Vor- als ein Nachteil ist. Allerdings ist eines auch richtig: Übung macht den Meister. Im Grunde muss ich noch viel mehr schreiben, am besten täglich. Um ein größeres Projekt zu schreiben, geht es gar nicht anders. Das schaffe ich derzeit jedoch (noch) nicht.

Die Aussichten

Mal schauen, wie weit ich mit dem Schreiben von Geschichten noch gehen werde. Werdeburg ist nur eine der Welten, in denen Erzählungen spielen können. Mir schweben noch weitere Ideen vor, doch ob etwas daraus wird, muss sich noch zeigen.
Folgendes ist aber schon jetzt gewiss: das Schreiben macht sehr viel Spaß und ich werde gerade ein besserer Leser 🙂

Ratgeber:

Sol Stein: „How to grow a novel“
Hans Peter Roentgen: „Spannung, der Unterleib der Literatur“
Stephan Waldschmidt: „Plot & Struktur: Dramaturgie, Szenen, dichteres Erzählen“
Sandra Gerth: „Point of view“
Sandra Gerth: „Show, don’t tell: How to write vivid“
Simone Harland: „Show, don’t tell“

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2 Antworten auf Das Schreiben von Geschichten

  1. Gabriela Blank sagt:

    Hallo Frank,

    hier noch ein Tip für ein kleines aber feines Büchlein, welches sich mit viel Liebe und Humor dem Thema „Deutsche Sprache“ beschäftigt. Sehr kurzweilig, entspannt und heiter zu lesen.

    ‚Wolf Schneider: Der vierstöckige Hausbesitzer – Plauderstunde Deutsch mit 33 Fragezeichen“ (dtv, ungekürzte Ausgabe Juli 1996)

    Viele Grüße; Gabi.

    • Frank sagt:

      Hallo Gabi,
      vielen Dank für den Hinweis. Habe das Buch gleich geordert und bin gespannt 🙂
      Viele Grüße, Frank

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