Gedanken zur Planung astronomischer Ausrüstung

Ratgeber zum Kauf von Teleskopen gibt es bereits viele. Oft wird empfohlen, mit einem Fernglas zu beginnen. Als erstes Teleskop wird ein Dobson vorgeschlagen. Da ich in den letzten Monaten selbst meine Ausrüstung umgestellt habe, möchte ich in diesem Artikel einen Aspekt vorstellen, der aus meiner Sicht in den mir bekannten Ratgebern zu kurz kommt: die Rüstzeit. Damit meine ich die Zeit, die zwischen Zusammensuchen der Teile und Beginn der Beobachtung liegt.

Astronomie betreibe ich zum regenerieren, um Kraft zu tanken. Dabei spielt eine Rolle, dass ich mich auf vielfältige Weise mit interessanten, spannenden Dingen befassen kann. Das sind wissenschaftliche Erkenntnisse (ich bin Physiker) und technische Hilfsmittel. Es spielt eine weitere wichtige Rolle, in die Natur einzutauchen. Abends unter dem Sternenhimmel zu sein und dabei beispielsweise Zugvögeln zu lauschen, bringt eine Saite in mir zum Klingen. Das regt mich wiederum an, die Saiten meiner Gitarre klingen zu lassen. Die Natur wirkt als Ausgleich und Inspiration.

Damit das Hobby diese Wirkungen auf mich entfaltet, muss es jedoch auch stattfinden.
Das Ausüben des Hobbys wird von einigen Dingen gebremst. Zwei dieser Dinge sind:

  • das Wetter
  • zeitliche Einschränkungen, oft durch den Beruf

Das Wetter ist im Grund in ganz Deutschland für Astronomen wenig erbaulich. Der Norden mag es hier noch schlechter als der Süden haben, doch wirklich gut ist es nirgends. Selten stellen sich lange Hochdruckphasen mit sehr guter Durchsicht und ruhiger Luft ein. Wolken in allen erdenklichen Formen sind in der Regel am Himmel unterwegs und erschweren es, Astronomie zu betreiben.

Und es ist eben unbeständig. Die Wochen, an denen ich mittwochs planen kann, freitagabends zu beobachten, sind sehr rar. Es klart mal für eine Nacht auf, oft jedoch nur für eine absehbare Anzahl von Stunden.

Die Nachtstunden werden nun zusätzlich noch begrenzt durch private Verpflichtungen in den Abendstunden oder dienstliche Verpflichtungen am nächsten Tag. Die wenigsten Arbeitgeber sind erbaut, den übernächtigen Astronomen am Schreibtisch oder in Sitzungen einschlafen zu sehen.

Wenn jetzt noch eine Einschränkung der Himmelsobjekte hinzukommt, wird es schnell dunkel um das Hobby. Als reiner Deep-Sky-Beobachter fallen zusätzlich zu Wetter und Verpflichtungen noch viele Stunden weg weil der Mond scheint oder die Nächte im Sommer zu hell sind.

Natürlich kann man sich nicht dazu zwingen, Objekte wie den Mond interessant zu finden. Ein Versuch schadet allerdings nicht. Mein Herz schlägt beispielsweise für Deep Sky, ich beobachte jedoch auch begeistert die Sonne und den Mond. Das erhöht meine astronomischen Aktivitäten erheblich.

Für die Deep-Sky-Beobachtung komme ich nun wieder zur Rüstzeit. Durch die Wahl meiner Ausrüstung ist es mir möglich, innerhalb von 15 Minuten die Beobachtung zu beginnen. Dazu habe ich einen 10″ Dobson, der für den Balkon geeignet ist, und eine StarAdventurer (Reisemontierung), mit der ich fotografieren kann. Mit 105mm Festbrennweite sind erstaunliche Fotos möglich und dies auch aus meiner Kleinstadt heraus. Einnorden der Montierung und Trainieren eines Autoguiders entfallen bei dieser Brennweite komplett. Alles Zeit, die als Belichtungszeit zur Verfügung steht.

Zugegeben: meine Kleinstadt im Herzogtum Lauenburg ist schon sehr dunkel für eine menschliche Ansiedelung. Das Glück hat nicht jeder in dieser Form und so kann Reisezeit zu einem etwas dunkleren Standort notwendig sein.

Sollte dies der Fall sein, lohnt es sich, die Zeit zum Aufbauen zu reduzieren. Stehen an einem Abend beispielsweise nur 3 Stunden zur Verfügung und davon gehen 45 Minuten für Fahrtzeiten drauf, bringt es wenig, eine weitere Stunde mit Aufbauen und Scheinern einer Montierung zu verbringen.

Meine Empfehlung: Daher empfehle ich aus meiner Erfahrung, die Ausrüstung so zusammenzustellen, dass möglichst wenig Zeit zwischen der Entscheidung „ich will Beobachten“ bis zum ersten Blick an den Himmel vergeht. Was nutzt ein großes Teleskop, wenn es nie zum Einsatz kommen kann?

Astro-Urlaube können dann eine Ergänzung sein. In solchen Urlauben ist vieles möglich, beispielsweise sind Gegenden mit besserem Wetter erreichbar. Trotzdem ist meines Erachtens sehr sinnvoll, auch im Alltag viel Astronomie unterzubringen und sich dafür auszurüsten.

Eine sinnvolle Ausrüstung erlaubt daher nach möglichst kurzer Rüstzeit mit der Beobachtung zu beginnen.

Das Teleskopmodell im Bild ist ein Geschenk von meinem Freund Christian Weis. Es hat seit vielen Jahren einen Ehrenplatz in meiner Wohnung 🙂

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