81P/Wild 2, die Zweite

Kürzlich fand ich auf einer Deep-Sky-Aufnahme ein enges Pärchen schwacher Sterne. Einer dieser „Sterne“ konnte der Komet Wild 2 sein. Am 02. März gelang mir nun eine weitere Aufnahme des Himmelsgebietes. Wenn einer der „Sterne“ Wild 2 wäre, müsste er auf der zweiten Aufnahme fehlen.

Eines gleich vorweg: dieser und der vorangegangene Artikel betreffen die Suche nach einem Kometen, der etwa 4km Durchmesser hat und dabei fast 260 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ist. Hierbei steht nur das Licht zur Verfügung, dass er von der Sonne empfängt und in Richtung Erde reflektiert. Um die Dimension zu verdeutlichen: es ist als würde man von Hamburg aus einen Streichholzkopf in Berlin betrachten.

Zum Einsatz kommt da nur eine digitale Spiegelreflexkamera mit 105mm Festbrennweite – eine für dieses Fachgebiet und diese Aufgabe geringe Ausstattung.

Auf zwei Wegen habe ich mich nun der Frage angenähert, ob auf der Aufnahme des letzten Artikels der Komet zu sehen war.

Weg 1: Vergleich der alten Position

Das folgende Bild zeigt einen Vergleich des Himmelsausschnittes an beiden Tagen. Das kleinere, eingesetzte Bild stammt vom 12.02., das große Bild vom 02.03. Um den Vergleich zu vereinfachen, sind zwei blaue Linien eingezeichnet.

Auf der neuen Aufnahme steht am Schnittpunkt ein ziemlich runder Lichtfleck. Auf der alten Aufnahme jedoch ist der Lichtfleck länglich und nach rechts ausgedehnt. Da die helleren Sterne auf der alten Aufnahme kreisrund sind, muss in der Tat ein Doppelobjekt vorliegen, ein Aufnahmefehler ist unwahrscheinlich. Die Ausrichtung der Längsachse passt außerdem exakt zur Berechnung von Guide: Gemäß dieser Karte sollte links der Stern stehen, rechts der Komet:

Weg 2: an den neuen Koordinaten schauen

In der Zeit zwischen den beiden Aufnahmen hat sich der Komet am Himmel bewegt. Bei 105mm Brennweite ist der fotografierte Himmelsausschnitt groß genug, problemlos beide Stellen des Himmels abzulichten.

Das Titelbild dieses Beitrags zeigt den Ausschnitt, an dem sich der Komet nun befinden sollte. Rot eingekreist ist ein verdächtiges Objekt, grün eingekreist ein Vergleichsstern.
Warum benötige ich den Vergleichsstern?

Der Kartenausschnitt von Guide erläutert es:

Es ist zu sehen, dass der Komet zum Aufnahmezeitpunkt über einen Stern wanderte. Ausgerechnet. Dieser Stern ist im Sternenkatalog GSC mit 14,2mag Helligkeit angegeben. Der grün eingekreiste Stern hat die gleiche Helligkeit. Es fällt auf: der rot markierte Stern ist heller. Das spricht für eines: dort wurden Stern und Komet abgelichtet, es ist die Gesamthelligkeit zu sehen. Der Komet dürfte dabei dominieren.

Eine mögliche Fehlerquelle sind die Sternhelligkeiten im GSC. Diese haben eine große Ungenauigkeit, so dass zwei laut Katalog gleich helle Sterne nicht wirklich gleich hell sein müssen. Soweit ich die Aufnahmen des POSS deuten kann, steht an rot markierten Stelle jedoch wirklich ein lichtschwächeres Objekt als auf meiner aktuellen Aufnahme zu sehen ist.

Fazit

Mit hoher Wahrscheinlichkeit gelang es mir an den beiden Abenden, den Kometen 81P/Wild2 abzulichten. Die dabei eingesetzten Mittel waren, gemessen an dem Zielobjekt, recht einfach. Die Freude liegt bei dieser Beobachtung nicht in der Ästhetik sondern in dem Entschlüsseln der Beobachtung. Dass der Komet bei beiden Aufnahmen sehr dicht an einem Stern steht oder ihn sogar bedeckt, ist ein interessanter Zufall.

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2 Antworten auf 81P/Wild 2, die Zweite

  1. Harald Kaiser sagt:

    Hallo Frank
    herzlichen Glückwunsch, mit der Ausrüstung eine tolle Leistung. Ich habe ihn auch versucht zu kriegen und jetzt mit einem Meter Brennweite auch geschafft. Durch alle Dunstglocken der Rheinebene und mitten aus der Stadt heraus. Mit festen Geräten auf Schwarzwaldgipfeln ist das alles kein Thema. Deswegen finde ich bei minimalstem (Geräte)Aufwand solche Ergebnisse wie bei Dir faszinierend.
    Harald

    • Frank sagt:

      Hallo Harald,
      vielen Dank und ebenfalls Glückwunsch zum Erfolg!
      Diese einfachen Mittel setze ich auch deshalb gerne ein, weil ich damit schon einigermaßen große Wolkenlücken Astronomie entlocken kann, die ich spannend und interessant finde.
      Viele Grüße, Frank

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