{"id":56,"date":"2009-02-21T19:23:44","date_gmt":"2009-02-21T18:23:44","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=56"},"modified":"2009-02-21T19:23:44","modified_gmt":"2009-02-21T18:23:44","slug":"sternbedeckungen-durch-kleinplaneten-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=56","title":{"rendered":"Sternbedeckungen durch Kleinplaneten, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p><em>Dies ist die Vorsetzung des <a title=\"Sternbedeckung durch Kleinplaneten, Teil 1\" href=\"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=49\">Artikels vom 24. Januar<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><strong>Reaktionszeit<\/strong><\/p>\n<p>Im letzten Teil hatten wir gesehen, dass die Reaktionszeit wichtig ist. Sie ist jedoch ein schwieriges Gesch\u00e4ft. Es gibt einen einfachen Test, den man abends durchf\u00fchren kann: auf einer Stoppuhr wird die Sekundenanzeige abgeklebt. Nun versucht der Proband, genau bei einer Minute zu stoppen. Der Vorteil dieser Methode: l\u00e4sst sich gut mitten im Feld ausf\u00fchren, der visuelle Sinn wird benutzt und durch die Minute wird simuliert, dass das Ereignis nicht so genau vorhersagbar kam. Der Beobachter wird ja mitunter &#8220;auf dem falschen Fu\u00df&#8221; erwischt, was dann zu einer l\u00e4ngeren Zeit f\u00fchrt. Der Haken jedoch: es wird Motorik im K\u00f6rper benutzt und die Koordination von Sehen\/Stimme und Sehen\/Fingerbewegung m\u00fcssen sich l\u00e4ngst nicht entsprechen. Eine vielleicht noch gravierende Fehlerquelle ist, dass das Beobachtungerlebnis v\u00f6llig anders ist. Eine gut sichtbare Uhr ist nicht ganz mit einem eventuell nur schwachen Stern vergleichbar.<\/p>\n<p>Was ich damit sagen will ist: die Reaktionszeit l\u00e4sst sich eingrenzen, nicht aber exakt bestimmen.<!--more--><\/p>\n<p>Meine Erfahrung sagt mir: in einer Trocken\u00fcbung bekomme ich bestenfalls 0,2 Sekunden hin. Die Zeit kann bei einem schwachen Stern jedoch schnell auf 0,7 Sekunden anwachsen. Jenseits einer Sekunde kann jedoch nur bei einem sehr schwachen Stern und einem schlecht ausgepr\u00e4gten Ereignis eintreten, beispielsweise der <a title=\"Vitja, 11.08.2007\" href=\"http:\/\/www.euraster.net\/results\/2007\/index.html#0811-1030\">Vitja-Bedeckung vom 11.08.2007<\/a>. Bei einem Stern 10ter Gr\u00f6\u00dfe und einem Helligkeitsabfall von 2 Gr\u00f6\u00dfenklassen und mehr ist &#8211; gutes Wetter vorausgesetzt &#8211; eine Sekunde eine halbe bis ganze Ewigkeit.<\/p>\n<p><strong>Auswertung der Bandaufzeichnung<\/strong><\/p>\n<p>Nun folgt die Bandauswertung. Es gibt verschiedene Methoden, meine ist die folgende: in einem HiFi-Kassettendeck spiele ich die Kassette ab und nehme mit einer Studiosoftware ein Audiofile auf &#8211; und zwar beginne ich etwa eine halbe Minute vor dem Ereignis und nehme dann noch anderthalb weitere Minuten auf. Nun sehe ich im Waveeditor eine grafische Darstellung des Audiosignals. In der Regel sind die Sekundenmarken deutlich zu sehen, die Kommandos noch deutlicher. Nun kann ich Zeiten zwischen diesen Ereignissen ausmessen &#8211; und sogar noch den Bandlauffehler des Diktierger\u00e4ts bestimmen. Allerdings ist der Effekt in der Regel winzig im Vergleich zum Fehler durch die Reaktionszeit. Nachdem die relativen Zeiten bestimmt sind, kann ich aus der Datei noch die absolute Zeit auslesen.<\/p>\n<p><strong>Meldung machen<\/strong><\/p>\n<p>Danach ben\u00f6tige ich eigentlich nur noch meinen Standort. Das geht mittels der Hessen TOP50 (digitale topographische Karten) auch gut, d.h. ich kann meinen Standort sehr gut aus der Karte auslesen. Jetzt ist alles beisammen, um eine offizielle Meldung an die hierf\u00fcr vorgesehenen Stellen weiter zu geben. Dies ist eine Mailingliste, deren Adresse ich aus Spamgr\u00fcnden hier nicht angeben werde. Eine der Stellen, an der die Ergebnisse aller Beobachter gesammelt, ver\u00f6ffentlicht und ausgewertet werden, ist <a title=\"Euraster\" href=\"http:\/\/www.euraster.net \">Euraster<\/a> .<\/p>\n<p><strong>Profilbeispiel<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal hat keiner Erfolg.<br \/>\nManchmal hat nur einer Erfolg.<br \/>\nDoch manchmal haben viele Beobachter Erfolg, so am <a title=\"Thetis, 21.04.2007\" href=\"http:\/\/www.euraster.net\/results\/2007\/index.html#0421-17\">21.04.2007 bei Thetis<\/a>. Und dann wird es spannend. Dann werden die Zeiten ausgewertet und geguckt, ob sich aus den verschiedenen Zeiten das Profil des Kleinplaneten ableiten l\u00e4sst. Da die Beobachter in der Regel nicht an einem einzigen Standort stehen, erwischen sie den Schatten des Kleinplaneten in verschiedenen Abst\u00e4nden zur Schattenmitte. Rechnet man diese verschiedenen Schattenlinien zusammen, ergibt sich das <a title=\"Thetis Profil\" href=\"http:\/\/www.euraster.net\/results\/2007\/20070421-Thetis-cbf.gif\">Profil<\/a>. Manchmal l\u00e4sst sich eine Eiform ableiten, seltener ergibt sich schon mal eine Bohnenform oder so.<\/p>\n<p><strong>Und wie war es nun mit Latona?<\/strong><\/p>\n<p>Es gab zwei Vorausberechnungen. In der ersten lief der Schatten genau \u00fcber meinen Standort. In der zweiten hingegen w\u00fcrde eher Stuttgart getroffen. Interessanter Weise kam neben meiner negativen Meldung noch eine zweite \u00fcber die oben erw\u00e4hnte Liste: ebenfalls negativ  &#8230; und mitten aus dem zweiten Schattenbereich. Einige Tage sp\u00e4ter kam noch eine dritte Beobachtung, ebenfalls visuell. Beobachter war Jean Lecacheux und sein Bericht liest sich so (mit freundlicher Genehmigung):<\/p>\n<blockquote><p>As my video timer temporarily is out of order, I switched back to<br \/>\nthe old visual method, and recorded a possible 4-seconds partial<br \/>\noccultation, whose amplitude, by comparison with the nearby V= 11.6<br \/>\nstar 1 arc min. ENE, seemed do not exceed one magnitude (in regards<br \/>\nto the 2.6 mag. step predicted.)<br \/>\n&#8211; However I am not 100 % sure of this fact, as the young female cat<br \/>\nof the house visited me just at critical time, turned around the<br \/>\ntelescope, disturbed my setup, then climbing my shoulder ruined my<br \/>\nmental concentration !-<\/p>\n<p>If real, this observation should imply that this target star from<br \/>\nthe XZ catalog is double (though of previously unknown binarity),<br \/>\nand that in my location LATONA occulted the sole southernmost<br \/>\ncomponent.<br \/>\nIt also would contribute to explain why R.Apitzsch, located at n25<br \/>\nin Germany, recorded a negative occultation.<\/p>\n<p>Binarity of such an A0p star (hot star with peculiar metallic<br \/>\nspectrum -and possible low amplitude variable-) would be by no<br \/>\nmeans surprising.<\/p>\n<p>It is a pity that I did not made video recording, even without<br \/>\nassociated timing -although the cat as well might have disconnected<br \/>\nthe camera or the recorder !-<\/p><\/blockquote>\n<p>Die genaure Bandauswertung ergab dann folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>9 ADDITIONAL COMMENTS :<\/p>\n<p>-Site location from my Garmin GPS12 : at 29.9 km SSE (measured<br \/>\non the ground) from S.Preston&#8217;s nominal centre line, i.e. well<br \/>\nINSIDE the predicted shadow path.<br \/>\nRelated probability of success : 56 %<br \/>\n-Predicted closest approach : 21:10:47 UT +\/- 7 s (2 sigmas)<\/p>\n<p>-Something is sure : No drop so deep as 2.6 magnitudes occurred.<br \/>\nIn this restricted sense the occultation<br \/>\nmight be claimed negative.<\/p>\n<p>-However at 62&#8243; ENE lies a good comparison star (TYC 1864 780),<br \/>\nwhose magnitudes are V~ 11.6 , R~ 11.4 according to the &#8220;VizieR&#8221;<br \/>\ndatabase. At the x87 magnification I used, it appeared 1.5 deg.<br \/>\non the right, a factor 3 or 4 fainter than the target.<br \/>\n-Suddenly at 21:10:32.5 I saw the target almost as faint as the<br \/>\ncomparison star ! This dimming persisted 1 second, 2 seconds,&#8230;<br \/>\nthen, while I was trying to verify its reality, it suddenly<br \/>\nrelaxed, like any authentic emersion would have done.<\/p>\n<p>The presence of this easy comparison induces me to believe that<br \/>\nI really witnessed a partial occultation, nearly 1 mag. deep.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Beobachter sah den Stern schw\u00e4cher werden, allerdings nicht in erwartetem Ma\u00dfe. Die Zeitdauer der Absenkung war jedoch mit 4 Sekunden recht lange. Dies l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass der Zielstern ein enger Doppelstern ist und daher die Vorhersagen nicht genau zugetroffen haben. Mit einer Profilbestimmung war es also nix diesmal. Aber wer wei\u00df &#8211; vielleicht beim n\u00e4chsten Mal. Und bis dahin wissen wir wenigstens, wo Latonas Schatten nicht zu sehen war &#8230;<\/p>\n<p>Einige Tipps:<\/p>\n<ul>\n<li>frische Batterien in den Ger\u00e4ten benutzen, gerade im Winter<\/li>\n<li>bei Kassettenger\u00e4t: restliche Bandl\u00e4nge pr\u00fcfen<\/li>\n<li>sich fr\u00fch mit dem zu findenden Stern vertraut machen<\/li>\n<li>fr\u00fch aufsuchen (so dass 5-10 Minuten vorher eingestellt ist)<\/li>\n<li>sich mit dem Sternfeld vertraut machen<\/li>\n<li>alles so einstellen, dass eine m\u00f6glichst entspannte Beobachtungshaltung eingenommen werden kann<\/li>\n<li>einen Wecker nach dem Beobachtungsfenster stellen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><br \/>\nFazit<\/strong><\/p>\n<p>Sternbedeckungen durch Kleinplaneten sind \u00e4u\u00dferst spannende und extrem lohnende Beobachtungsprojekte. Bis jetzt hatte ich vier Erfolgserlebnisse &#8211; bei bestimmt zwei Dutzend Anl\u00e4ufen. Aber Spa\u00df macht es mir immer!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist die Vorsetzung des Artikels vom 24. Januar. Reaktionszeit Im letzten Teil hatten wir gesehen, dass die Reaktionszeit wichtig ist. Sie ist jedoch ein schwieriges Gesch\u00e4ft. 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