{"id":49,"date":"2009-01-24T19:22:43","date_gmt":"2009-01-24T18:22:43","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=49"},"modified":"2009-01-24T19:22:43","modified_gmt":"2009-01-24T18:22:43","slug":"sternbedeckung-durch-kleinplaneten-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=49","title":{"rendered":"Sternbedeckung durch Kleinplaneten, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Am 15. Januar ergab sich f\u00fcr mich die erste Gelegenheit des Jahres 2009, eine Sternbedeckung durch einen Kleinplaneten zu beobachten. Da dieses Thema hier neu ist, m\u00f6chte ich es in diesem Beitrag ausf\u00fchrlicher vorstellen. Immerhin erlaubt diese Art Beobachtung im g\u00fcnstigsten Fall, zur Profilbestimmung eines Kleinplaneten beizutragen.<\/p>\n<p>&#8220;<strong>(639) Latona<\/strong> am 15.01.2009, Ende: 22:12 MEZ; Ergebnis negativ&#8221; spreche ich in das Mikrophon meines Diktierger\u00e4ts, stoppe es und entspanne mich zum ersten Mal seit etwa 10  Minuten.<!--more--> Obwohl kein Wind geht und es fast 20 Grad w\u00e4rmer ist als vor einer Woche, kriecht die K\u00e4lte nahe dem Gefrierpunkt heute in mich hinein. Es wird sich doch wohl nicht die Grippe bemerkbar machen? (<em>Anm. d. Red.:<\/em> <strong>doch!<\/strong>) Ich sitze daher dick in einer Daunenjacke eingepackt und mit mehreren Hosen bekleidet auf meinem Beobachtungsbalkon. Der Stuhl ist mit einem Fell ausgekleidet, so dass es im Stei\u00dfbeinbereich sch\u00f6n warm bleibt. Man wird eben nicht j\u00fcnger und wei\u00df solche Annehmlichkeiten zu sch\u00e4tzen. Ich schlage das Tuch zur\u00fcck, unter das ich meinen Kopf gesteckt hatte, um Streulicht abzuschirmen. Und ich erl\u00f6se die Nachbarschaft vom nervigen Piezogepiepse meines Zeitzeichengebers. Es war die erste Sternbedeckung durch einen Kleinplaneten, die ich in 2009 versucht habe. Das Ergebnis ist negativ und das bedeutet, ich konnte einen Stern \u00fcber einen Zeitraum von gut 10 Minuten ohne Unterbrechung sehen. Bleibt zu hoffen, dass ein anderer Beobachter mehr Erfolg hatte.<\/p>\n<p>Was habe ich eigentlich versucht zu sehen? Die Grundidee ist schnell erkl\u00e4rt. Mit Teleskopen sind nahezu 500 Millionen Sterne unserer Milchstra\u00dfe am Nachthimmel sichtbar. Nimmt man nur die helleren, bleiben immer noch einige Zig Millionen. Als weitere Zutat ben\u00f6tigen wir einen so genannten Kleinplaneten. Von diesen sind einige Zehntausend so gut bekannt, dass  man deren Position vorausberechnen kann. Anhand der gro\u00dfen Zahlen wird bereits deutlich: es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass ich als Beobachter auf der Erde stehe und sich just in diesem Moment ein Kleinplaneten derart \u00fcber den Himmel schiebt, dass er f\u00fcr mich den Blick auf einen Stern versperrt. Vorausgesetzt, der Kleinplanet ist lichtschw\u00e4cher, sehe ich nur noch sein Licht &#8211; der Stern geht f\u00fcr mich aus.<\/p>\n<p>Soweit die Theorie. In der Praxis besteht die Kunst darin, das geeignete Paar aus Stern und Kleinplaneten sowie den Pfad der Finsternis &#8211; also den Bereich auf der Erde, f\u00fcr den der Kleinplanet die Sicht zum Stern versperrt &#8211; zu finden. Letztlich muss man f\u00fcr einen Zeitraum die Bahnbewegungen vieler Kleinplaneten vorausberechnen und zu jedem Zeitpunkt mit Sternpositionen vergleichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Otto-Normalbeobachter ist die Rechnerei nix. Der greift besser auf die Arbeitsergebnisse derjenigen zur\u00fcck, die wissen, was sie tun. In Falle der Sternbedeckungen ist dies die &#8220;International Occultation Timing Association&#8221;, kurz IOTA, welche eine europ\u00e4ische Gruppe besitzt, die &#8220;European Section&#8221;. Sie betreibt den Call-for-Observation-Blog (call4obs.iota-es.de) mit Vorhersagen solcher Ereignisse.<\/p>\n<p>Von dieser Website erf\u00e4hrt der interessierte Beobachter also, wann er wohin zu gucken hat. Damit steht dem Erfolg nur die Unsicherheit der Prognosen und des Wetters entgegen. Die Prognosen sind heute schon viel besser als noch Mitte der Neunziger Jahre, als ich mit dem Beobachten dieser Ereignisse begann. Trotzdem muss ich die Erwartung etwas reduzieren: selbst wenn der Schattenpfad exakt \u00fcber den Standort des Beobachters laufend vorhergesagt ist, bedeutet das noch l\u00e4ngst nicht, dass er es auch wirklich tun wird. Daher ist auch heute noch eine m\u00f6glichst hohe Zahl an Beobachtern auch au\u00dferhalb des Schattenpfades dringend erw\u00fcnscht. Im Idealfall entsteht ein engmaschiges Beobachternetz, welches den Schatten dingfest machen kann.<\/p>\n<p>Und zum Wetter sag&#8217; ich jetzt einfach mal nix.<\/p>\n<p>Wie beobachte ich nun? Meine pers\u00f6nliche Ausr\u00fcstung besteht aus einem Teleskop, einem Zeitzeichengeber und einem Bandger\u00e4t. Das ist zwar l\u00e4ngst nicht mehr &#8220;State-of-the-Art&#8221;, reicht aber f\u00fcr den Gelegenheitsbeobachter noch lange aus. Das Teleskop w\u00e4hle ich je nach Stern und Rahmenbedingungen. Meist lohnt es sich nicht, meinen 16-Zoll-Dobson zu holen und ich benutze ein motorisiertes C8. Das spart auch das in diesem Falle etwas l\u00e4stige Nachf\u00fchren. Der Zeitzeichengeber gibt jede Sekunde einen Piepston von sich. In der Dauer der T\u00f6ne ist die Funkzeit codiert. Das Gepiepse wird mit dem Bandger\u00e4t aufgenommen, so dass auf diesem nachher ein mit den Braunschweiger Atomuhren synchronisiertes Zeitsignal aufgenommen ist. Und zwischen den Piepst\u00f6nen finden sich dann Kommentare wie &#8220;boah, ist das kalt&#8221; oder das leise Klonk eines heruntergefallenen Stifts. Oder das Rascheln der ausgedruckten Sternkarten, die vom Winde verweht werden. Oder &#8220;Stern verschwindet hinter Wolken&#8221;. Oft passiert gar nichts, denn der Stern bleibt hartn\u00e4ckig gut sichtbar. Mit Gl\u00fcck verschwindet er jedoch und dann br\u00fclle ich &#8220;weg&#8221;. Sobald er wieder erscheint, folgt ein &#8220;da&#8221; &#8211; und das unter Umst\u00e4nden mehrmals, was jedoch bei Sternbedeckungen durch Kleinplaneten eher selten zu sein scheint.<\/p>\n<p>Hat man Erfolg gehabt, muss man versuchen zu ergr\u00fcnden, welche pers\u00f6nliche Reaktionszeit wohl zwischen Verschwinden des Sterns und Kommando vergangen ist. Dies erfolgt am besten noch am gleichen Abend, um m\u00f6glichst vergleichbare Bedingungen zu haben. Weiterhin folgt die Auswertung des Bandes. Doch hierzu in einem zweiten Teil mehr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. Januar ergab sich f\u00fcr mich die erste Gelegenheit des Jahres 2009, eine Sternbedeckung durch einen Kleinplaneten zu beobachten. Da dieses Thema hier neu ist, m\u00f6chte ich es in diesem Beitrag ausf\u00fchrlicher vorstellen. 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