{"id":2301,"date":"2022-08-12T16:41:31","date_gmt":"2022-08-12T15:41:31","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2301"},"modified":"2022-08-12T16:42:57","modified_gmt":"2022-08-12T15:42:57","slug":"teleskopbau-teil-2-40-cm-dobson","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2301","title":{"rendered":"Teleskopbau, Teil 2: 40 cm Dobson"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2022\/20220812titel.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2022\/20220812titel_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Ruf der Sterne war zu m\u00e4chtig: Nach dem <a href=\"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2186\">20-cm-Dobson<\/a> musste ein gr\u00f6\u00dferes Teleskop her, um noch tiefer in die Welt der Galaxien und Gasnebel vorzudringen. \u00dcber meinen studiumsbegleitenden Job in der Testabteilung eines Automobilzulieferers hatte ich mir ein Budget daf\u00fcr erarbeitet. Und so baute ich den n\u00e4chsten Dobson.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Budget und die Gewichts- sowie Ma\u00dftabellen ergaben: Ein 40cm-Spiegel mit etwa 2 Metern Brennweite konnte es werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst hatte ich sogar die M\u00f6glichkeit, ein Teleskop dieser Gr\u00f6\u00dfe gebraucht zu kaufen. Sogar eines, das von Rafael Benner gebaut worden war. Er war schon damals ein hervorragender Teleskopbauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Also eine klare Sache.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch am Ende des Beobachtungsabends, den ich mit dem Teleskop machen durfte, stimmte etwas nicht. Es waren einige Kompromisse, insbesondere die Lage des Brennpunkts und damit Gr\u00f6\u00dfe des Fangspiegels, die mir nicht gefielen. Das f\u00fchlte sich nicht nach mir an.<br>Zum Erstaunen in meinem Umfeld brachte ich das Teleskop also zur\u00fcck und kaufte mir Bauteile: Hauptspiegel, Fangspiegel und Okularauszug.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar war: Wieder w\u00fcrde der Hauptspiegel auf neun Punkten gelagert werden. Eine Scheibe Roofmate (eine Art Styropor) w\u00fcrde den Spiegel in seiner Lage sichern. Birkenmultiplex-Holz f\u00fcr die Tubusbauteile und Alustangen f\u00fcr das Gitterrohr.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Kauf des Birkenmultiplexes, dieses Mal in einem anderen Baustoffhandel, wurde ich erneut gefragt, wof\u00fcr ich das Holz denn brauche. Wieder meine wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Antwort: F\u00fcr ein Teleskop.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reaktion des Verk\u00e4ufers werde ich nicht vergessen. Gr\u00fcbelnd blickte er mich an und nach etwas Schweigen (gef\u00fchlt 2 Minuten lang) fragt er: &#8220;Aber sind die nicht eher so \u2026&#8221; (Pause) &#8220;\u2026 rund?&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Und da hat er ja auch recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Baumarkt gibt es Stahl, mit denen Holzbalken verbunden werden k\u00f6nnen. Beispielsweise in Carports und \u00e4hnlichen Konstruktionen. Aus diesem s\u00e4gte ich die Dreiecke f\u00fcr die Hauptspiegelfassung. Das war eine unglaubliche Plackerei und hat mich viel Zeit gekostet! Mit der Hands\u00e4ge verteilte ich die S\u00e4gerei \u00fcber mehrere Abende \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Gleitlagerung brauchte ich wieder Teflon. Im M\u00fcll der Universit\u00e4tswerkstatt fand ich zum Gl\u00fcck eine dicke Platte. Bis diese Gleitlager mal abgerieben sind, wird einige Zeit ins Land gehen. Vielleicht Jahrhunderte, wer wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schwerpunkt w\u00fcrde mich dieses Mal nicht mehr \u00e4rgern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rechner legte ich ein Berechnungsblatt an (damals in MathCad, das mein Bruder und ich als Lizenz hatten; heute w\u00fcrde es Excel sein). Nun konnte ich jedes Bauteil wiegen, den Wert in das Blatt eintragen und bekam die Lage des Schwerpunkts gezeigt. Wanderte er zu weit nach oben, musste ich das betreffende Bauteil leichter machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das gelang super!<\/p>\n\n\n\n<p>Die Abweichung vom urspr\u00fcnglichen Plan lag am Ende im Millimeterbereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt hatte ich aber konstruktiv noch ein Problem:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hut, also die Fangspiegelzelle mit Okularauszug, hatte einen gr\u00f6\u00dferen Durchmesser als die Hauptspiegelzelle. Die Befestigungspunkte der Stangen w\u00fcrden am Hut weiter au\u00dfen liegen als am unteren Punkt in der Hauptspiegelzelle. Die Kiste mit dem Hauptspiegel sollte nicht gr\u00f6\u00dfer als 50 cm x 50 cm x 70 cm werden, denn sonst w\u00fcrde sie nicht vern\u00fcnftig in mein damaliges Auto passen. Ich wollte nicht f\u00fcr jeden Beobachtungsabend den R\u00fccksitz umlegen m\u00fcssen. Die kompakte Hauptspiegelzelle f\u00fchrte \u00fcbrigens dazu, dass ich mehr als einmal gefragt wurde, ob es sich denn um ein 14,5&#8243;-Dobson handele.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein L\u00f6sung f\u00fcr Stangenbefestigung und den sich aufweitenden Gitterrohrtubus war einfach: Sowohl am Hut also auch an der Hauptspiegelzelle w\u00fcrden die Stangen wie geplant paarweise geklemmt. Doch an beiden Enden des Stangen w\u00fcrden Kugel sitzen (es gibt Kugeln nach DIN-Norm mit Innengewinde, die beispielsweise an Handhebeln verwendet werden). Dadurch waren sie beweglich und die Aufweitung des Gitterrohrs war kein Problem mehr. Um das Teleskop montierbar zu machen, wurden die Stangen in der Hauptspiegelzelle noch einmal gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige dieser Konstruktionsdetails zeigen zwei Bildkollagen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2022\/20220812bild1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2022\/20220812bild1_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Im linken oberen Bild dieser Kollage sind die Stangen des Gitterrohrs zu sehen. An ihrem Ende sind Kugeln angeordnet und am rechten Bildrand ist ihre schwarze Velourverkleidung zu sehen. Dass &#8220;nackte&#8221; Ende ragt in die Spiegelzelle. Probleme durch Reflexe habe ich nie feststellen k\u00f6nnen. Im Bild links unten ist der verschlossene Spiegelkasten zu sehen. Die Holzplatte ist aus Birkenmultiplex und mehr als 1 cm stark. Die h\u00e4lt einiges aus, der Spiegel ist daher gut gesch\u00fctzt. Das Bild rechts in der Kollage zeigt einen Teil des Hauptspiegels. In ihm sind Spiegelungen der Stangef\u00fchrungen zu sehen. Er ist von einem festen Kunststoffschaum umgeben. Man kann ihn mit einem &#8220;hei\u00dfen Draht&#8221; beschneiden. In der Tat habe ich dazu sein sehr scharfes und langes Messer benutzt &#8211; und nie einen negativen Effekt beobachten k\u00f6nnen. Auch Spiegeltester an diversen Teleskoptreffen ist nie etwas aufgefallen. Rechts oben im Bild ist eine der Stangenklemme zur paarweisen Klemmung der Stangen zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2022\/20220812bild2.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2022\/20220812bild2_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die drei Bilder dieser Kollage zeigen den Okularauszug, der an einer Aluminiumplatte angeschraubt ist. Im Bild darunter ist eine der hutseitigen Stangenklemmen zu sehen. Das rechte Bild zeigt einen Blick auf einen der Hutringe, der aus recht dickem Birkenmultiplex gefertigt ist. Die senkrechten Verbindungsplatten weisen Aussparungen auf, um das Gewicht zu reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schl\u00fcsselmoment des Baus war als ich den Rohbau in der Garage meiner Eltern aufbaute. Meine Mutter sagte nur: &#8220;Das ist ja doch ziemlich gro\u00df&#8221;. Und mein Vater freute sich, dass sein Sohn es doch geschafft hatte, dieses optische Instrument auch ohne vorher vollst\u00e4ndig erstellten detaillierten Bauplan hinzubekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine tatkr\u00e4ftige Hilfe und seine Ideen waren beim Bau extrem wertvoll. Beispielsweise baute er Drehteile f\u00fcr die Stangen und sorgte auch beim gemeinsamen Zusammenbau der Stangen daf\u00fcr, dass alle exakt gleichlang waren. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Teleskop taufte ich &#8220;Little Dino&#8221; und habe bis heute unglaublich viel Freude daran (auch wenn er derzeit nicht zum Einsatz kommt).<\/p>\n\n\n\n<p>Little Dino hat nie versagt sondern immer perfekt nach meinen Vorstellungen funktioniert. Und so konnte ich damit unglaublich viele Beobachtungen durchf\u00fchren. Ich sah Galaxien, die damals noch keine Katalogbezeichnung hatten. Mehr also 100 Galaxien fand ich im Sternbild Leier.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df nicht, wie viele G\u00e4ste durch das Teleskop blickten. Einige Hundert sind es auf jeden Fall. Es gab Beobachtungsn\u00e4chte, in denen in der Warteschlange am Teleskop G\u00e4ste aus mehr als zwanzig (20!) L\u00e4ndern standen, um durch das Teleskop zu blicken. Bis Slowenien bin ich mit diesem Teleskop gefahren, um dort Sternenfreunden einen Blick zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wieder konnte ich Gelerntes anwenden und sehr viel hinzulernen. Wieder erf\u00fcllte ich mir viele Tr\u00e4ume. Extrembeobachtungen (ein Astronom fragte per Mail: &#8220;Hat der Spiegel wirklich 40 cm Durchmesser oder ist das eher der Radius?&#8221;), hunderte G\u00e4ste aus zahlreichen L\u00e4ndern \u2026 es war richtig, nicht das gebrauchte Teleskop zu kaufen sondern den Eigenbau zu wagen. Mit diesem Teleskop besteht eine optimale Harmonie zwischen Instrument und Beobachter. Und das habe ich bei allen Eins\u00e4tzen gemerkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ruf der Sterne war zu m\u00e4chtig: Nach dem 20-cm-Dobson musste ein gr\u00f6\u00dferes Teleskop her, um noch tiefer in die Welt der Galaxien und Gasnebel vorzudringen. \u00dcber meinen studiumsbegleitenden Job in der Testabteilung eines Automobilzulieferers hatte ich mir ein Budget &hellip; <a href=\"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2301\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"yes"},"categories":[1,6],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2301"}],"collection":[{"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2301"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2301\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2303,"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2301\/revisions\/2303"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2301"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2301"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2301"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}