{"id":2186,"date":"2021-11-19T16:34:37","date_gmt":"2021-11-19T15:34:37","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2186"},"modified":"2021-11-19T17:09:01","modified_gmt":"2021-11-19T16:09:01","slug":"teleskopbau-teil-1-20-cm-dobson","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2186","title":{"rendered":"Teleskopbau, Teil 1: 20 cm Dobson"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119titel.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119titel_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Es war die Sehnsucht nach den Sternen, die mich zum Teleskopbau brachte. Im Verein hatte ich das Gl\u00fcck, durch einen Newton mit 45cm-Spiegeldurchmesser zu blicken. Am Internationalen Teleskoptreffen in Stumpertenrod waren es sogar 50cm und mehr gewesen. Dabei hatte ich gemerkt: Visuelle Beobachtung von Galaxien und Nebeln war mein Ding. Daher wollte ich ein gr\u00f6\u00dferes Teleskop als den 11cm-Spiegel, den ich zu der Zeit besa\u00df. Also baute ich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der zweite gro\u00dfe Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Selbstbau war das Buch: &#8220;Das Fernrohr f\u00fcr Jedermann&#8221; von Hans Rohr. Ich hatte das Buch zwar einige Jahre zuvor gelesen, h\u00e4tte aber nach der Lekt\u00fcre beinahe direkt losgelegt. Und ich wei\u00df, dass es vielen Lesern dieses Buches so ging.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich meinem Vater meine Pl\u00e4ne erkl\u00e4rte, fing er an in seinem Fundus zu suchen. Man muss wissen: Er war Konstrukteur in einem gro\u00dfen optischen Unternehmen in Wetzlar. Daher sammelten sich bei ihm optische Bauteile an. Darunter war ein Spiegel mit 20cm Durchmesser und einer Zentralbohrung, wie man sie aus den Schmidt-Cassegrains beispielsweise der Firmen Meade und Celestron kennt. Diese besitzen jedoch einen Kugelspiegel, keinen Parabolspiegel wie er in einem Newton gebraucht wird. Aber es gab Entwarnung: der Spiegel sollte ein Parabolspiegel sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst ein elliptischer Planspiegel war vorhanden, diverse Okulare aus dem Mikroskop- und Fernglasbereich auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen Voraussetzungen musste ich bauen, es ging doch gar nicht anders!<\/p>\n\n\n\n<p>Klar war auch: Es sollte ein Gitterrohrdobson werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Prinzip dieser Teleskope ist einfach: Zwei Boxen sind \u00fcber ein zerlegbares Stangensystem miteinander verbunden. Der Aufbau ist in der Titelgrafik gezeigt, die eine recht genaue Darstellung meines 20cm-Dobsons wiedergibt. Eine der Boxen beinhaltet den Hauptspiegel, die andere den Fangspiegel und den Okularauszug. Die Box mit dem Hauptspiegel ist um eine horizontale und eine vertikale Achse drehbar, wodurch jeder Punkt am Himmel erreichbar wird.<\/p>\n\n\n\n<p>So einfach, so gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die obere Box mit dem Fangspiegel wird auch &#8220;Hut&#8221; genannt. Mit diesem legte ich los. In zwei quadratische Holzplatten s\u00e4gte ich je ein Loch mit mehr als 20 cm Durchmesser. Beide Platten brachte ich mit Alustangen auf Abstand. Die Alustangen hatten Querl\u00f6cher, durch die dann d\u00fcnne Gewindestangen gesteckt wurde. Diese fungierten als Fangspiegelspinne und trugen den Spiegelhalter, den mein Vater freundlicher Weise aus Alu baute. Als Verkleidung diente Stoffrest aus dem Automobilbereich: Eigentlich als Velourverkleidung im Innenraum des Autos gedacht, gab der Stoff eine sch\u00f6n lichtschluckende Verkleidung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stangen waren einfach: Hohlstangen aus Eisen mit flachgeklopften Enden und Querbohrungen zum Befestigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kiste f\u00fcr den Hauptspiegel war auch recht schnell zusammengezimmert. Der Hauptspiegel wurde auf neun Punkten gelagert, von denen jeweils drei auf einer dreieckigen Platte gelagert waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Drehung um die horizontale Achse wird mit Hilfe so genannter &#8220;H\u00f6henr\u00e4der&#8221; bewerkstelligt. Dies sind Scheiben oder B\u00f6gen, die mit Gleitlagern gehalten werden. Einfache L\u00f6sung: Runde Teflonschneidbretter aus dem K\u00fcchenbedarf. Als Gegenlager dienten Stuhlgleiter. In einen der Stuhlgleiter s\u00e4gte ich eine Kerbe ein, mit der eines der Schneidbrette gef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Soweit ging das alles gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erstbeobachtung brachte jedoch zwei schlimmer Erkenntnisse:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Man sollte sich \u00fcber die <strong>Gewichtsverteilung <\/strong>Gedanken machen. <br>Die Horizontale Achse sa\u00df falsch, der Kopf war zu schwer, die Fangspiegelbox wollte immer zu Boden sinken.<\/li><li>Der Hauptspiegel hatte <strong>keine Parabel<\/strong>gestalt. Nach Kugel sah das Beugungsbild jedoch auch nicht aus.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Und diese zwei Punkte sind es, die dem Teleskop seine beiden Spitznamen verlieh:<br><br><strong>Die &#8220;Bleiente&#8221; und der &#8220;Newton-Newton&#8221;<\/strong><br><br>Es half ja alles nichts: Die Fangspiegelbox konnte ich nicht mehr leichter machen. Den Drehpunkt um die horizontale Achse konnte ich auch nicht weiter verlegen. Blieb nur, die Kiste mit dem Hauptspiegel schwerer zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Also besorgte ich im Baustoffhandel Blei, wie es f\u00fcr an den Rahmen von Dachfl\u00e4chenfenstern genutzt wird. Auf die Frage des Verk\u00e4ufers, wozu ich denn das Blei brauche, antwortete ich wahrheitsgem\u00e4\u00df &#8220;f\u00fcr ein Teleskop&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Blick von ihm war einfach genial. Und dann war er so begeistert, dass er mir das Material fast noch geschenkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das nachfolgende Bild zeigt einen Blick in die Hauptspiegelkiste. Der Hauptspiegel befindet sich nicht mehr im Teleskop sondern irgendwo in meinem Fundus. Das Blei ist gut zu erkennen, au\u00dferdem der lichtschluckende Stoff.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119kiste.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119kiste_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Doch was konnte ich mit dem Hauptspiegel machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fand einen Gummiring im Hause, der ungenutzt herumlag. Er hatte eine Dicke von etwa einem Zentimeter, der Durchmesser lag bei 17 cm.<br>Eigentlich hatte der Spiegel auf den Dreiecken gelegen und war von einer Schlaufe aus Rollladengurt in Position gehalten worden. Nun legte ich auf die Dreiecke eine Holzplatte, aus der eine Gewindestange M8 ragte. Auf die Platte kamen dann zun\u00e4chst der Ring, dann der Spiegel &#8211; und eine Druckplatte, die auf den Innenrand des Spiegels dr\u00fcckte.<br>Das nachfolgende Foto zeigt diesen Gummiring:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119ring.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119ring_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Und siehe da: Das Teleskop war nun ausgewogen. Und dar\u00fcberhinaus: Es gelang mir mit der Druckplatte, eine vern\u00fcnftige Abbildung zu erzeugen! Die Sterne wurden brauchbar gut!<\/p>\n\n\n\n<p>Im Vergleich mit dem Vereins-C8 zeigte sich am Sternenhimmel Erstaunliches. Zwar wirkte das Bild im C8 noch sch\u00e4rfer. Doch die Details in Galaxien waren im Grunde gleich. Mit diesem Teleskop w\u00fcrden Planeten und Mond wenig Freude bereiten. Aber Deep-Sky-Objekte, also Gasnebel, Galaxien und Sternhaufen, w\u00fcrden zug\u00e4nglich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwa drei Jahre lang hatte ich dieses Teleskop im Dauereinsatz und habe in dieser Zeit wirklich viel gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine spezielle Beobachtung l\u00e4sst sich vielleicht in der Form nie wieder wiederholen und geht auf einen Gedanken von Stefan Schuchhardt zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war an einem Abend, an dem wir den spektakul\u00e4ren Kometen Hyakutake beobachteten. Dieser war schon \u00fcber die beste Sichtbarkeit hinaus und stand in n\u00f6rdlicher Richtung. Im Osten stand das Sternbild Schwan. Und ihm stand ein weiterer Komet des Beobachters Hyakutake. Auf diesen hatte ich die Bleiente ausgerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Stefan blickte durch das Teleskop und werkelte etwas an dem Tuch an der Fangspiegelkiste herum. Und sagte schlie\u00dflich: &#8220;Ja, es geht&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir blickten dann in zweifacher Form durch das Teleskop: Mit einem Auge durch das Okular und sahen damit den ersten Hyakutake. Und mit dem anderen Auge blickten wir durch die Fangspiegelkiste und sahen mit blo\u00dfem Auge (aber eben auch durch das Teleskop, wenn auch quer zum Strahlengang) den zweiten Hyakutake.<br>Zeitgleich zwei Kometen des gleichen Beobachters durch ein Teleskop zu sehen &#8211; ich denke, das ist sehr selten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><br>Trotz schlechter Optik habe ich sehr viel vom Himmel gesehen, unvergessene Beobachtungen gemacht. Beim Bau und Betrieb lernte ich sehr viel &#8211; und hatte insgesamt wahnsinnig viel Spa\u00df. Das Teleskop ist jedoch zerlegt, weshalb ich leider keine Fotos der kompletten Bleiente mehr habe. Aber eine dankbare Erinnerung, die nicht verblasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier noch eine Kollage mit einigen Einzelheiten:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119kollage.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2021\/20211119kollage_t.jpg\" alt=\"\"\/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war die Sehnsucht nach den Sternen, die mich zum Teleskopbau brachte. Im Verein hatte ich das Gl\u00fcck, durch einen Newton mit 45cm-Spiegeldurchmesser zu blicken. Am Internationalen Teleskoptreffen in Stumpertenrod waren es sogar 50cm und mehr gewesen. 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