{"id":2049,"date":"2020-12-11T19:34:15","date_gmt":"2020-12-11T18:34:15","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2049"},"modified":"2020-12-11T19:34:15","modified_gmt":"2020-12-11T18:34:15","slug":"die-beziehung-leser-und-autor","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2049","title":{"rendered":"Die Beziehung Leser und Autor"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2020\/20201211titel.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2020\/20201211titel_t.jpg\" width=\"600\" height=\"326\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im abschlie\u00dfenden Artikel dieser Serie \u00fcber das Schreiben im Genre SF soll es um die Beziehung von Autor und Leser gehen. Dabei wird es um sehr grundlegende Dinge, die ich jedoch am Beispiel SF erl\u00e4utern m\u00f6chte.<!--more--><\/p>\n<p>Wichtig ist zun\u00e4chst: Der Leser muss die pr\u00e4sentierte Geschichte begreifen k\u00f6nnen, in sie eintauchen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das setzt Grenzen in der Gestaltung und Darstellung des Kosmos. Nat\u00fcrlich kann ich als Autor eine Welt erschaffen, in der alles anders ist als im erlebten Alltag. Science Fiction bietet unbegrenzte M\u00f6glichkeiten. Wenn ich diese ausreize, muss ich als Autor jedoch damit rechnen, dass nur wenige Leser diese Welt verstehen k\u00f6nnen und werden. Es geht daher um eine Balance zwischen dem Neuen, Ungew\u00f6hnlichen und der Zug\u00e4nglichkeit.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Bereich Science bleibt eine Geschichte noch gut nachvollziehbar, wenn beispielsweise mit \u00dcberlichtgeschwindigkeit gearbeitet wird. Einfach, weil man im Alltag die Lichtgeschwindigkeit als Grenze nicht bewusst wahrnimmt. Etwas anderes ist es, wenn beispielsweise das Fallgesetz nicht gelten w\u00fcrde. Dann wird es f\u00fcr den Leser schwer. Es mag Leser f\u00fcr diese Geschichte geben, doch ich wage die Prognose: Es wird keine gro\u00dfe Leserschaft sein. Das ist an sich nicht schlimm, man kann es als Autor aber im Hinterkopf haben.<\/p>\n<p>Die Technik wird in SF oft an die realen technischen Gegebenheiten zum Schreibzeitpunkt angelehnt. So findet sich heute die Wischtechnik, mit der wir Smartphones, Tablets, PCs, usw. bedienen auch in Raumschiffen wieder. Das nimmt den Leser zwar mit, aber wenn ich an die Bedienung eines Auto-Navigationssystems in Wischtechnik auf einer m\u00e4\u00dfig glatten Stra\u00dfe w\u00e4hrend der Fahrt denke, zweifele ich an der Sinnhaftigkeit dieser Bedientechnik in einem Raumschiff.<\/p>\n<p>Das Thema Gesellschaft war schon Gegenstand eines Artikels. Auch hier gilt: die industrielle Marktwirtschaft, der Industriekapitalismus ist unsere erfahrene Gegenwart. Entsprechend leicht taucht der Leser in eine Geschichte mit einer darauf basierenden fiktiven Gesellschaft ein. Wenn man bedenkt, wie kurz die Menschheit in ihrer Existenz jedoch in dieser Gesellschaftsform lebt, bieten sich noch M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Kommen wir zu einem ganz anderen Punkt: Die innere Logik<\/p>\n<p>Was mich beim Lesen oftmals Stolpern l\u00e4sst, sind Schw\u00e4chen der inneren Logik. Wenn es einen Teleporter gibt (Festlegung des Autors) und der kann 100 km weit springen, dann kann er 100 km weit springen. Das sollte durchg\u00e4ngig so sein. Abweichungen m\u00fcssen plausibel begr\u00fcndet werden. Genau das macht das Entwerfen einer Science Fiction-Welt so aufw\u00e4ndig: praktisch jedes entworfene Detail muss dokumentiert sein und konsequent eingesetzt werden. Sonst drohen Logikfehler, die den Leser aus der Bahn werfen.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel f\u00fcr einen Fehler lief mir vor einiger Zeit \u00fcber den Weg. Der Protagonist in einer Geschichte wacht auf dem Mars im Hotel auf. Bis dahin muss der Leser von dem realen Mars unseres Sonnensystems ausgehen. Es gibt keinen Anreiz, etwas anderes zu denken. Der Protagonist beobachtet den Mondschein, der das Zimmer erleuchtet. Der Autor dachte hier an den irdischen Mond. Der scheint aber nicht auf dem Mars. Es gibt Schlimmeres.<\/p>\n<p>Bedauerlicher finde ich es, wenn Autoren \u00fcberm\u00e4chtige Figuren schaffen. Egal ob Protagonist oder Antagonist, ist die Figur sehr stark geraten und der Autor wei\u00df sich nur zu helfen, indem er sie furchtbar dumm handeln l\u00e4sst. Die Figur wird nicht durch Auffinden einer ihrer Schw\u00e4chen sondern durch maximale Dummheit besiegt. Nun handeln wir alle immer wieder einmal dumm im Alltag, ich wei\u00df, wovon ich schreibe. Ein Schreibratgeber riet jedoch dazu, mit diesem Stilmittel sparsam umzugehen &#8211; und dem stimme ich vorbehaltlos zu. Jede noch so starke Figur wird auch eine Schw\u00e4che haben. Es liest sich f\u00fcr mich viel spannender, wenn diese Schw\u00e4che gefunden und eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Ausnahme bilden Comedy und Slapstick. Diese leben vom dummen Handeln von Figuren. Die Autoren setzen dort das Stilmittel bewusst ein. Es gibt recht wenig Science Fiction aus dem Humorbereich. Humor wird als &#8220;comic relief&#8221; eingesetzt. Bestimmt bietet sich noch Raum, der noch nicht von &#8220;Hitchhiker&#8217;s Guide to the Galaxy&#8221;, &#8220;Spaceballs&#8221; und &#8220;(T)Raumschiff Surprise&#8221; besetzt worden ist.<\/p>\n<p><strong>Die Bedeutung f\u00fcr mein Schreiben<\/strong><\/p>\n<p>Mich reizt es tats\u00e4chlich, das Humorfach zu bedienen. Bisher habe ich mich jedoch noch nicht festgelegt und keine z\u00fcndende Idee. Dystopien erscheinen mir als Autor derzeit wenig verlockend. Und die Probleme in Geschichten (Logikfehler, \u00fcberm\u00e4chtige Gegenspieler, usw.), die mir aufgefallen sind, m\u00f6chte ich nat\u00fcrlich vermeiden \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im abschlie\u00dfenden Artikel dieser Serie \u00fcber das Schreiben im Genre SF soll es um die Beziehung von Autor und Leser gehen. 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