{"id":2040,"date":"2020-11-21T11:42:08","date_gmt":"2020-11-21T10:42:08","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2040"},"modified":"2020-11-21T11:42:08","modified_gmt":"2020-11-21T10:42:08","slug":"genre-science-fiction-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=2040","title":{"rendered":"Genre Science Fiction: Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2020\/20201121titel.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2020\/20201121titel_t.jpg\" width=\"600\" height=\"336\" \/><\/a>In den ersten beiden Teilen meiner kleiner Serie \u00fcber das Genre Science Fiction ging es um Science und den Entwurf der Natur einer Romanwelt. In diesem Teil soll es um das Thema &#8220;Gesellschaft&#8221; gehen. Genauer gesagt m\u00f6chte ich einen Blick auf die menschliche Gesellschaft werfen, die mir in SF-Literatur begegnet.<!--more--><\/p>\n<p>Beim Entwurf einer SF-Welt stellt sich die Frage, welche Gesellschaft gezeigt werden soll. Die Antwort auf dieser Frage unterliegt dem Wandel: vor 70 Jahren wurde sie anders beantwortet als heute.<\/p>\n<p>Starten m\u00f6chte ich nochmals mit Perry Rhodan. Die Serie hat aufgrund des in den Anfangsjahren alleinherrschenden Serienhelden, der das &#8220;solare Imperium&#8221; gr\u00fcndet, einen zweifelhaften Ruf. Dar\u00fcber darf jedoch nicht \u00fcbersehen werden, dass es im Kern um die Einigung der Menschheit und die \u00dcberwindung der Kriege zwischen Menschen geht. Immerhin hatten einige der Serienmacher den zweiten Weltkrieg sehr tief erlebt. Die Serie startet also bei der gespaltenen Gesellschaft der Nachkriegszeit und entwirft davon ausgehend ein Zukunftsbild einer geeinten Menschheit, die sich im Weltraum behauptet. Dass hier eine kleine Gruppe von Helden sehr m\u00e4chtig wird, verwundert mich nicht. Zur Zeit von Perry Rhodan entstanden auch zahllose Superhelden, die ebenfalls fragw\u00fcrdig sind &#8211; nicht nur von ihren F\u00e4higkeiten her betrachtet, sondern gerade auch in Bezug auf ihre Macht.<\/p>\n<p>Im urspr\u00fcnglichen Star Trek zeichnete Gene Roddenberry das Bild einer geeinten Menschheit, die nun drauf und dran ist, kosmische Gefilde zu entdecken. Ich sage bewusst nicht &#8220;erobern&#8221;, denn es geht nicht um die Schaffung eines gro\u00dfen kosmischen Reiches. Die Konf\u00f6rderation mit ihrer Ersten Direktive (sich nicht einzumischen) geht vom Streben nach Frieden und Selbstbestimmung aus. Nur am Rande stellt sich die Frage, ob die B\u00f6sewichte (die Klingonen) eine Anspielung auf die Realzeit der 1960er sein soll.<\/p>\n<p>Imperatoren und kriegerische V\u00f6lker besiedeln das Universum, in dem Kevin J. Andersons &#8220;Saga der Sieben Sonnen&#8221; spielt. Aus meiner Sicht werden hier Anleihen im Mittelalter genommen. Mittlerweile gibt es zahlreiche solcher Romane, die meist wenig Science und viel Fiction enthalten. Es handelt sich um Kunstwelten als Spielfeld f\u00fcr eigentlich recht bekannte Plots, die aus anderen Genres \u00fcbernommen wurden.<\/p>\n<p>Erfrischender empfand ich da Alastair Reynolds, der in seinem &#8220;Revelation Space&#8221; eine bunte Welt schuf, dabei in einigen Teilen noch dicht am Science blieb bzw. sich mit ihr vertr\u00e4gt. Interessant an diesem Kosmos ist beispielsweise das Modell einer Gesellschaft, die ihre Mitb\u00fcrger in Entscheidungen einbezieht &#8211; indem Implantate im Gehirn befragt werden. Die Implantate stimmen nach dem &#8220;Wirt&#8221;, in dem sie sitzen, ab.<\/p>\n<p>Ebenfalls eine spannende Welt ist die von Terry Pratchett und Stephen Baxter: &#8220;Die lange Erde&#8221;. Angenommen, der Kosmos besteht aus vielen parallelen Universen. Dort gibt es (fast) immer die Erde, doch immer ist sie ein klein wenig anders. Weiter angenommen, es gibt einen Weg, wie gro\u00dfe Teile der Menschheit von einen Universum in ein anderes wechseln k\u00f6nnen, ganz nach Belieben. Welche Ver\u00e4nderung w\u00fcrde unsere Gesellschaft unterliegen, was w\u00fcrde geschehen? Dies wird in mehreren B\u00e4nden unterhaltsam untersucht.<\/p>\n<p>Eine viel n\u00e4here Zukunft mit einem sehr drastischen Bezug zur Gegenwart beschreibt Sarah Pinsker in &#8220;A Song for a New Day&#8221;. Die Menschheit sieht sich einem Virus ausgesetzt, das reihenweise Menschen t\u00f6tet. Soziale Kontakte m\u00fcssen auf Minimum reduziert werden. Die Hauptfigur ist eine Musikerin, die nun erlebt, wie die Live-Auftritte wegbrechen. Stattdessen findet das Leben online statt. Dieses Buch wurde im September 2019 ver\u00f6ffentlicht und schneidet ein Thema an, das mir noch nicht ausgeschrieben scheint. Der Bezug zur aktuellen Lage ist beeindruckend.<\/p>\n<p>Viele Science Fiction B\u00fccher gehen heute von einem Gedanken aus: Gro\u00dfkonzerne und Superreiche \u00fcbernehmen die Macht auf dieser Erde. Hier f\u00e4llt mir als Beispiel Matthew A. Goodwins &#8220;Into Neon: A Cyberpunk Saga&#8221; ein. Skrupellose Gro\u00dfkonzerne schrecken nicht vor dem Einsatz t\u00f6dlicher Viren zur\u00fcck und unterdr\u00fccken die Gesellschaft mit einer Privatarmee. Entsprechend kommt es in dem Dreiteiler zu einiger Gewaltanwendung. Interessant ist jedoch, dass sich die handelnden Charaktere schwer damit tun und ihr handeln hinterfragen.<\/p>\n<p>Die Macht in den H\u00e4nden weniger Superreicher &#8211; klar, denkbar ist das.<\/p>\n<p>Aber k\u00f6nnte es nicht auch eine breitere Verteilung von Wohlstand geben? So wie in der Musik die Zahl der Superreichen abzunehmen scheint, es trotzdem viele Musiker gibt und diese neue Bezahlmodelle aufgreifen. Es lohnt ein Blick auf Patreon, wo zahlreiche Musiker online Musikunterricht und mehr anbieten, um nicht nur von Auftritten zu leben. Hier sehen wir im echten Leben gerade ein zartes Pfl\u00e4nzlein aus dem Boden wachsen.<\/p>\n<p>Spannend ist aus meiner Sicht daher die Frage, wie sich eine Gesellschaft ver\u00e4ndert, in der sich der Mensch immer mehr abschafft. Und das ist ja die reale Welt. Massenproduktion l\u00e4uft vollautomatisiert (= weniger Arbeiter), Verkehrsmittel bewegen sich autonom (= keine Taxi- und Busfahrer), die B\u00f6rse wird von Computern gehandelt (= weniger Broker), eine Software ersetzt den Juristen und schreibt Vertr\u00e4ge &#8230; der Faktor Arbeit bekommt eine andere Bedeutung. Hier gibt es einiges auszuloten &#8211; und es muss aus meiner Sicht keine Dystopie sein.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, der Umgang miteinander. In vielen Romanen werden Konflikte durch die Gr\u00f6\u00dfe der Waffe entschieden. Wohltuend liest sich hier Becky Chambers &#8220;Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten&#8221;, in der die Geschichte an den Punkt kommt, an dem bei anderen Autoren die K\u00f6rperteile fliegen. Chambers l\u00f6st die Konfliktsituation intelligent, gewaltfrei und \u00fcberraschend.<\/p>\n<p>Dieser Faden k\u00f6nnte weitergesponnen werden. Wie w\u00e4re es, statt das erfolgreiche Individuum auch die erfolgreiche Gesellschaft zu feiern? Diese Frage kam in Rich Rolls Podcast vom 01.10.2020 auf, &#8220;A Plant Based Lifestyle&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Die Bedeutung f\u00fcr mein Schreiben<\/strong><\/p>\n<p>Wir leben im Grunde in einer fantastisch guten Zeit. Allerdings muss der Mensch gewaltig aufpassen. Derzeit ist er dabei, die Erde als einzigen ihm zug\u00e4nglichen Lebensraum f\u00fcr ihn unbewohnbar zu machen. Das sind keine rosigen Aussichten. Doch Endzeitstimmung bringt uns nicht weiter. Ich k\u00f6nnte mir daher gut vorstellen, Geschichten zu entwickeln, in denen der Mensch diese Probleme l\u00f6st. Derzeit sammle ich Ideen hierzu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den ersten beiden Teilen meiner kleiner Serie \u00fcber das Genre Science Fiction ging es um Science und den Entwurf der Natur einer Romanwelt. In diesem Teil soll es um das Thema &#8220;Gesellschaft&#8221; gehen. 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