{"id":1999,"date":"2020-08-30T14:17:02","date_gmt":"2020-08-30T13:17:02","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=1999"},"modified":"2020-09-05T15:03:09","modified_gmt":"2020-09-05T14:03:09","slug":"visuelle-beobachter-die-stillen-geniesser","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=1999","title":{"rendered":"Visuelle Beobachter: Die stillen Genie\u00dfer"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2020\/20200827titel.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2020\/20200827titel_t.jpg\" width=\"400\" height=\"450\" \/><\/a>Wie funkelnde Diamanten auf schwarzem Samt sehen die Sterne der Plejaden aus als ich sie mit meinem 11cm-Newton-Teleskop betrachte. Ich kann meinen Blick kaum von ihnen l\u00f6sen. Das war irgendwann in den 1980er Jahren. Der Mond mit seinen vielen Kratern, einige kleine sehen aus wie L\u00f6cher in der Mondscheibe. Ich brauche nur noch einen Faden hindurch zu ziehen, dann kann ich die Scheibe aufh\u00e4ngen. Das war vor wenigen Jahren bei einer visuellen Beobachtung mit dem 85mm Refraktor. Bei allen technischen M\u00f6glichkeiten, visuelle Astronomie ist f\u00fcr mich etwas besonderes.<!--more--><\/p>\n<p>Ich k\u00f6nnte noch einige weitere Beobachtungen aufz\u00e4hlen: NeoWise im Fernglas, die Einschlagmale von Shoemaker-Levy in der Atmosph\u00e4re von Jupiter, die Kometen Hale-Bopp und Hyakutake, NGC 999, das Verschwinden eines Sternes bei einer Bedeckung durch einen Kleinplaneten &#8230;<\/p>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeitsarbeit erlebe ich immer wieder wie begeistert Menschen vom Blick durch das Okular sind. Ein faszinierendes Beispiel war der nachtblinde Gast, der ans Teleskop gef\u00fchrt werden musste &#8211; und dann hoch erfreut den Mond betrachtet hat. Hier konnte er endlich mal ein Nachthimmelobjekt sehen!<\/p>\n<p>Doch visuelle Beobachtung hat ein Problem: es gibt kaum vorzeigbare Ergebnisse. Es entstehen keine Fotos, die im Internet geteilt, an die Wand geh\u00e4ngt oder in Zeitschriften und B\u00fcchern abgedruckt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine Ausnahme bildet nat\u00fcrlich die astronomische Zeichnung. Das Titelbild dieses Beitrags zeigt eine sehr beeindruckende Zeichnung: die Saturnbedeckung durch den Mond. Das Bild durften wir als Macher der Zeitschrift Magellan als Titelbild der Ausgabe 1\/02 verwenden.<\/p>\n<p>Doch solche Zeichnungen sind selten.<\/p>\n<p>Bleibt nat\u00fcrlich die M\u00f6glichkeit, das Gesehene mit Worten zu beschreiben. In der Literatur wird hierbei eine sehr n\u00fcchterne Sprache benutzt. Das ergibt Sinn, um anderen Beobachtern in der Vor- oder Nachbereitung der eigenen Beobachtung zu helfen.<\/p>\n<p>Allerdings schaffen diese Beschreibungen keine Begeisterung. Welche Wirkung das Gesehene auf den Beobachter hat, kommt vollst\u00e4ndig unter die R\u00e4der. Den Reiz visueller Beobachtung transportieren sie nicht. Ob ein <a href=\"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=6\">Stil wie in meinem Blog-Artikel vom 31.07.2008<\/a> helfen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Nur selten gibt es Berichte wie in Magellan, in der die Erlebnisse einer Beobachtergruppe beschrieben wurden. Gruppenmitglied Ansgar suchte lange das Objekt M57. Und er suchte lange vergeblich, bis er, gegen Ende des Abends doch noch f\u00fcndig wurde: &#8220;Der gl\u00fccklichste Mensch an diesem Abend war jedoch Ansgar, wortlos \u00fcber beide Augen strahlend.&#8221; (Zitat: &#8220;Wenn die Dammer Sternfreunde beobachten &#8230;&#8221; in Magellan Ausgabe 1, Jahrgang 2).<\/p>\n<p>Letztlich spielt sich visuelle Beobachtung stark im Verborgenen ab.<\/p>\n<p>Es gibt unz\u00e4hlige Webseiten, Blogs, Facebook-Gruppen u.\u00e4., in denen Astrofotos gezeigt werden. Visuelle Berichte gibt es auch, insbesondere in Foren. Doch sie sind seltener.<\/p>\n<p>Vielleicht sind visuelle Beobachter einfach stille Genie\u00dfer?<\/p>\n<p>Sie setzen sich an ihre Teleskope, egal ob kleiner Dobson, gro\u00dfer Dobson, Refraktor oder Fernglas und finden Erbauung im Betrachten von Mond, Planeten, Sonne, Gasnebeln und fernen Galaxien.<\/p>\n<p>Das ist in Ordnung.<\/p>\n<p>Bleibt die Frage, wie sich visuelle Beobachter vernetzen k\u00f6nnen. Zeitschriften, Foren, Vereine und Starpartys sind M\u00f6glichkeiten. Mir scheint der Grad der Vernetzung in der visuellen Szene in den letzten Jahren zu sinken. In den 1990ern traten die Visuellen mehr in Erscheinung. Allerdings war das auch die Zeit, in der Teleskope mit Spiegeln jenseits der 11cm f\u00fcr die breite Masse erschwinglich wurden. Es war ein Aufbruch, der von dem Internationalen Teleskoptreffen Vogelsberg, den Zeitschriften wie interstellarum und sp\u00e4ter Magellan und dem Internet getragen wurde. Wahrscheinlich ist das von mir wahrgenommene Abflauen der Pr\u00e4senz v\u00f6llig normal.<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass visuelle Beobachtung noch immer f\u00fcr den Einzelnen und in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit funktioniert &#8211; und das tut sie unabh\u00e4ngig davon, wie sehr sie in Erscheinung tritt.<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Genie\u00dft das extraterrestrische Licht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie funkelnde Diamanten auf schwarzem Samt sehen die Sterne der Plejaden aus als ich sie mit meinem 11cm-Newton-Teleskop betrachte. Ich kann meinen Blick kaum von ihnen l\u00f6sen. Das war irgendwann in den 1980er Jahren. 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