{"id":1838,"date":"2019-06-28T18:00:19","date_gmt":"2019-06-28T17:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=1838"},"modified":"2019-06-28T18:00:19","modified_gmt":"2019-06-28T17:00:19","slug":"sonnendepression-und-visuelles-beobachten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=1838","title":{"rendered":"Sonnendepression und visuelles Beobachten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2019\/20190628vergleich.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium\" src=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2019\/20190628vergleich_t.jpg\" width=\"400\" height=\"297\" \/><\/a>Die Sonne sinkt um die Sommersonnenwende in Norddeutschland nicht sehr tief unter den Horizont. Die astronomische D\u00e4mmerung wird nicht mehr vollzogen, astronomisch gesehen wird es gar nicht mehr Nacht. Ab wann dies auf H\u00f6he Hamburg der Fall ist, hatte ich k\u00fcrzlich<a href=\"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=1827\"> in einem Blogbeitrag errechnet<\/a>. Doch was bedeutet das eigentlich f\u00fcr das visuelle Beobachten? Gibt es hierzu Erfahrungswerte? Und da fiel mir mein Beobachtungsbuch ein &#8211; und tats\u00e4chlich enthielt dies passende Daten.<!--more--><\/p>\n<p>Gleich vorweg: Nat\u00fcrlich sind Beobachtungsdaten eines einzelnen Beobachters nicht repr\u00e4sentativ. Dennoch k\u00f6nnen sie einen Anhaltspunkt f\u00fcr den ein Einfluss der Sonnendepression geben.<\/p>\n<p>Ziemlich genau vor zwanzig Jahren (huch!), im Juni 1999, verbrachte ich viel Zeit mit Lernen. Ich hatte gerade meine schriftliche Diplomarbeit abgegeben und bereitete mich auf die vier m\u00fcndlichen Diplompr\u00fcfungen vor.\u00a0 Tags\u00fcber grub ich mich durch Quantenmechanik, Festk\u00f6rperphysik, technische Physik usw. mit allen Inhalten von Grund- und Hauptstudium. Naja, und die Inhalte rund um meine Diplomarbeit musste auch noch wiederholt werden.<\/p>\n<p>Nachts jedoch nahm ich mir, wenn es klar war, die Zeit zum Sternegucken.<\/p>\n<p>Dabei trieb ich mein Projekt &#8220;Galaxien in der Leier&#8221; voran. Das Sternbild Leier steht zu dieser Jahreszeit sehr hoch \u00fcber dem Horizont, ist also gut erreichbar.Damit ist es auch wunderbar geeignet, den Einfluss der D\u00e4mmerung zu suchen.\u00a0Es gibt nun einige Galaxien, die ich in den N\u00e4chten um die Sommersonnenwende und dann sp\u00e4ter im Jahr ein zweites Mal beobachtet habe. Alle Beobachten fanden mit dem 16&#8243;er (400mm f\/5) statt:<\/p>\n<p><strong>NGC 6688<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>17.6.99<br \/>\n14mm : gro\u00df, rund, hell; heller kompakter Kern<br \/>\n9mm : keine neue Erkenntnis<\/li>\n<li>16.9.99<br \/>\n9: sehr gro\u00df, sehr hell, heller kompakter Kern, diffuser Rand<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>NGC 6692<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>17.6.99<br \/>\n14mm : hell, kompakt, rund<br \/>\n9mm : klein, hell, rund, schwaches Halo vermutet<br \/>\n5,2mm: klein, 1:2 Elongation vermutet PW 100\u00b0<\/li>\n<li>16.9.99<br \/>\n33mm: auff\u00e4llig.<br \/>\n5,2mm: klein, heller, fl\u00e4chiger, 1:3 elongierter Zentralbereich, schneller Abfall zu diffusem Rand, Orientierung: Ost-West<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>UGC 11325<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>17.6.99<br \/>\n5,2mm: erst bei 400x sicher als Galaxie erkannt; klein, schwach, rund?<\/li>\n<li>16.9.99<br \/>\n5,2mm:\u00a0 1:4 elongiert, heller, gut kondensierter Zentralbereich, hell, diffuser Rand<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Vergleich f\u00e4llt auf, dass die Randpartien von Galaxien im Juni regelm\u00e4\u00dfig nicht erkannt wurden. Erst in den dunkleren Herbstn\u00e4chten wurden sie gesehen. Damit geht einher, dass elliptische statt runder Gesamtform und Auff\u00e4lligkeit des Kerns im Sommer nicht wahrgenommen wurden.<\/p>\n<p>Aus anderen Beobachtungen des Leier-Projekts scheint zu folgen, dass der 11te Juni die Grenze darstellt, ab der zwar Galaxien noch sicher beobachtet wurden, die Details aber letztlich stark litten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Beobachtungsort Wetzlar gilt nun:<\/p>\n<ul>\n<li>6.6.99<br \/>\nSonnendeklination: 22\u00b035&#8242;<br \/>\nSonnendepression: 17,0\u00b0<\/li>\n<li>11.6.99<br \/>\nDeklination: 23\u00b002&#8242;<br \/>\nDepression: 16,5\u00b0<\/li>\n<li>17.6.99<br \/>\nDeklination: 23\u00b021&#8242;<br \/>\nDepression: 16,2\u00b0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Sch\u00e4tzung ist also, dass eine Sonnendepression von 16,5 Grad f\u00fcr eine gewinnbringende Deep-Sky-Beobachtung vorliegen sollte. Steht die Sonne h\u00f6her (also dichter zum Horizont), verlieren viele Objekte an Reiz (n\u00e4mlich an sichtbaren Details).<\/p>\n<p>Rechne ich diese Sonnendepression nun auf die geographische Breite von Hamburg um, darf die Sonne h\u00f6chstens bei einer Deklination von +20\u00b0 statt.<\/p>\n<p>Das ist etwa am 21. Mai der Fall und sp\u00e4ter dann am 21. Juli der Fall.Diese Werte passen zumindest zu meinem Eindruck, den ich in den letzten 7 Jahren gewonnen habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Sonne sinkt um die Sommersonnenwende in Norddeutschland nicht sehr tief unter den Horizont. Die astronomische D\u00e4mmerung wird nicht mehr vollzogen, astronomisch gesehen wird es gar nicht mehr Nacht. 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