{"id":180,"date":"2010-11-05T20:32:03","date_gmt":"2010-11-05T19:32:03","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=180"},"modified":"2010-11-05T20:32:03","modified_gmt":"2010-11-05T19:32:03","slug":"das-satellitenbild","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=180","title":{"rendered":"Das Satellitenbild"},"content":{"rendered":"<p>Grobpixelige Infrarotaufnahme aus geostation\u00e4rem Orbit, coloriert.<\/p>\n<p>&#8220;Seid froh, dass \u00fcberhaupt noch Wetter ist&#8221; sagte einst der diensthabende Wettervogel im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen. Gleich der Lyrik eines fr\u00fchen Westernhagen fassen diese verteidigend und entschuldigend eingeworfenen Worte den Inhalt unseres heutigen Werkes zusammen. Mit einer messerscharfen Pr\u00e4zision, die sowohl der fr\u00fche als auch der sp\u00e4te Nostradamus beneidet h\u00e4tte, machen sie uns klar, was wir zu erwarten haben.<\/p>\n<p>Da springt zun\u00e4chst ein enorm breites und langes Wolkenband ins Auge, welches in einem erhabenen Schwung von S\u00fcdfrankreich ausgehend \u00fcber die Mitte Deutschlands gef\u00fchrt bis weit auf die Ostsee reicht. Dem Kenner steigt bei diesem Anblick der Duft frisch beregneten Grases in die Nase, wie er oft \u00fcber den Feldern der Mittelgebirge schwebt. Wir ahnen, dass die Grundwasservorr\u00e4te von Westerwald und Vogelsberg hier neue Nahrung bekommen. Ohne auf die seherischen Gaben des sp\u00e4ten Kachelmann zur\u00fcckgreifen zu m\u00fcssen wird uns klar, dass dieses Wolkenband noch einige Zeit in dieser Lage verharren wird.<\/p>\n<p>Etwas zu betont ist dem Sch\u00f6pfer unseres heutigen Werkes das Wolkenloch \u00fcber der Adria und den s\u00fcd\u00f6stlichen Alpen geraten. Hier h\u00e4tten einige hohe Wolken oder Zirren dem Werk den \u00fcberharten Kontrast zwischen klarem Himmel hier und wasserdampfges\u00e4ttigten Sumpfklima dort genommen. Doch vielleicht ist gerade dieser harte Kontrast, der einen Kontrapunkt zu den weichen Graut\u00f6nen \u00fcber den britischen Inseln und der Nordsee setzt. Und so ist es hier die Vielzahl von Schattierungen, die dem Betrachter wohl sagen soll: &#8220;sieh her, es gibt mehr Wolkenarten als Du kleiner Mensch zu begreifen im Stande bist&#8221;. Die weitgreifenden Nebelb\u00e4nke dr\u00e4ngen den Schluss auf, dass die Schafsk\u00e4lte heuer wieder besonders beissend kalt ist.<\/p>\n<p>Und so schweift unser Blick voller Hoffnung in Richtung der Azoren, von wo wir uns ein wenig Hochdruck mit Sonnenschein erhoffen. Doch auch hier werden wir entt\u00e4uscht: ein zum ehemaligen Wirbelsturm Walhalla geh\u00f6render Tiefdruckwirbel steigert die Dramatik dieses im Grundton doch sehr pessimistischen Werkes und nimmt die Hoffnung auf ein wenig Sonnenschein.<\/p>\n<p>Eine letzte Hoffnung auf Besserung finden wir erst am Rand des Bildes bei Island. Eine kleine Wolkenl\u00fccke wirft die Frage auf, ob sich hier ein Islandhoch aufbauen k\u00f6nnte, welches in der Folge trockene Festlandsluft nach Mitteleuropa f\u00fchren w\u00fcrde? Doch hierauf erhalten wir im Werk selbst keine Antwort.<\/p>\n<p>Und so sind wir froh, dass \u00fcberhaupt noch Wetter ist.<\/p>\n<p>&#8212;-<br \/>\nWie so oft hat auch das heutige Kunstwerk keinen langen Bestand: ein atlantischer Tiefausl\u00e4ufer folgte schon am n\u00e4chsten Morgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grobpixelige Infrarotaufnahme aus geostation\u00e4rem Orbit, coloriert. &#8220;Seid froh, dass \u00fcberhaupt noch Wetter ist&#8221; sagte einst der diensthabende Wettervogel im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen. 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