{"id":140,"date":"2010-04-17T18:20:50","date_gmt":"2010-04-17T17:20:50","guid":{"rendered":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=140"},"modified":"2010-04-17T18:20:50","modified_gmt":"2010-04-17T17:20:50","slug":"16-april-2010-deep-sky-trotz-vulkanasche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=140","title":{"rendered":"16. April 2010: Deep Sky trotz Vulkanasche"},"content":{"rendered":"<p>Das ist ja ein Dingen: da bl\u00e4st ein Vulkan auf Island ein wenig Asche in die Luft und schon stehen die R\u00e4der &#8230; naja, Flugzeugturbinen &#8230; still. Um solch gravierende Ma\u00dfnahmen einzuleiten, muss es einen wirklich triftigen Grund geben. Ist es \u00fcberhaupt sinnvoll, an einem solchen Tag beobachten zu gehen? Doch!<!--more--><\/p>\n<p>Offensichtlich l\u00e4sst man im Flugverkehr au\u00dferordentlich hohe Sorfalt walten, was auf jeden Fall zu begr\u00fc\u00dfen ist. Eine Gef\u00e4hrdung durch Partikelbelastung muss aber noch nicht hei\u00dfen, dass die Sicht auf den Himmel zu tr\u00fcbe ist. Au\u00dferdem findet freitags der Vereinsabend der <a href=\"http:\/\/www.aag-heuchelheim.de\">Astro-AG<\/a>, was ebenfalls ein guter Grund zum Rausfahren ist, denn regelm\u00e4\u00dfig versammeln sich so recht lustige Runden unter dem Himmel.<\/p>\n<p>Auf der Fahrt zum Vereinsheim sank etwas die Stimmung. Die tiefliegenden Wolken l\u00f6sten sich zwar sichtlich auf, doch war es unglaublich tr\u00fcbe. Die Sonne sank mit einem viel zu gelblichen Hof gen Horizont und konnte sich kaum einen Weg durch die ganzen Partikel bahnen. Vermutlich kamen hier Zirren und Pollenflug zusammen, vielleicht auch noch Asche, ich glaube es aber eigentlich nicht.<\/p>\n<p>Rasch f\u00fcllte sich das Vereinsheim, diesmal bis auf den letzten Stuhl. Und einige Vereinsmitglieder hatten sich sogar direkt f\u00fcr unseren normalen Standort angek\u00fcndigt. Nach einem einst\u00fcndigen Plausch ging es im Konvoi zum Beobachtungsplatz. Waren vor knapp zwei Wochen noch Venus und Merkur die Vorboten der Beobachtungsnacht, so gesellte sich diesmal eine schmale Mondsichel zur Venus, w\u00e4hrend Merkur hinter Wolken verborgen blieb. Auch h\u00f6rte ich diesmal nicht Pink Floyd sondern geno\u00df &#8220;Border Reiver&#8221; vom derzeit tourenden Mark Knopfler.<\/p>\n<p>Aufgrund der Sichtverh\u00e4ltnisse begann der Abend zun\u00e4chst mit Venus und Mond. Bei letzterem sprang ein Krater ins Auge, auf dessen hell erleuchtetem Kraterboden der Schatten des Zentralberges hervorsprang. Es folgten Mars und Saturn. Mars steht mittlerweile etwas n\u00e4her an M44 als noch vor zwei Wochen. Je nachdem, wo man die Grenze des offenen Sternhaufens zieht, befindet sich Mars in M44.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst begann ich mit dem <a href=\"http:\/\/asterythms.net\/blog\/?p=139\">Sortiment<\/a> (<a href=\"http:\/\/www.asterythms.net\/bilder\/2010\/20100410sc.jpg\">Bild<\/a>). Die schw\u00e4chste Galaxie tat sich schwer und kam kaum durch die Wolken durch &#8211; kein gutes Zeichen. Die auf dem Foto deutlich sichtbare Staubkante und der von der Mitte verschobene Kern waren jedoch sehr gut zu sehen (bereits mit 220x).<\/p>\n<p>Nebenan klingelt das Handy eines Mitbeobachters. Auf der Gegenseite wird wohl gefragt, was wir gerade machen: <span style=\"color: #ffff00;\">&#8220;wir stochern im Hals des L\u00f6wen rum&#8221;<\/span>. Nur Eingeweihte bekommen hierbei keinen Schrecken \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong>M65, M66 und NGC 3628<\/strong><\/p>\n<p>Diese drei Galaxien im L\u00f6wen sind gern fotografierte Objekte und geh\u00f6ren sicherlich zu den meistfotografierten und meistgesehenen Galaxien \u00fcberhaupt. Es f\u00e4llt auf, dass sich NGC 3628 noch etwas schwer tut. Zwar ist sie sicher zu sehen, doch l\u00e4sst sich das Staubband nur erahnen.<\/p>\n<p><strong>Noch ist nicht aller N\u00e4chte morgen!<\/strong><\/p>\n<p>Eines machte uns schaffen: ein scharfer, kalter Nordwind. Es blies zeitweise sehr heftig, wobei meine Vereinskollegen etwas tiefer im Windschatten eines W\u00e4ldchens standen. Doch der Wind hatte sein Gutes: die Wolken wurden vertrieben. Es wurde buchst\u00e4blich zusehends klarer. Und die l\u00e4stigen Kondensstreifen von Flugzeugen w\u00fcrde es heute auch nicht geben!<\/p>\n<p><strong>NGC 5714<br \/>\n<\/strong><br \/>\nAlso stie\u00df ich tiefer in den Deep Sky vor. Zun\u00e4chst die NGC 5714-Gruppe. Auf dem Weg zu ihr nehme ich noch schnell die <strong>PGC 52234<\/strong> mit. <strong>NGC 5714<\/strong> selbst ist eine passabel helle Galaxie in Kantenstellung. Gestern zeigte sie sich als leicht inhomogene Spindel von etwa 3&#8242; L\u00e4nge. In \u00f6stlicher Verl\u00e4ngerung der Galaxie stehen ab knapp 6&#8242; Abstand weitere Galaxien. An dieses musste ich etwas k\u00e4mpfen, merkte aber, dass sie zunehmend leichter zu sehen waren. Unter anderem waren zu sehen: <strong>NGC 5717<\/strong>, <strong>NGC 5721<\/strong> und <strong>NGC 5722<\/strong>, die allesamt etwa rund sind, heller zur Mitte werden und dabei einen fl\u00e4chigen Kern aufweisen.  Zum Teil arbeite ich mit 400facher Vergr\u00f6\u00dferung, was angesichts der mittlerweile sehr guten Luftruhe kein Problem darstellt.<\/p>\n<p><strong>M53 und NGC 5053<\/strong><\/p>\n<p>Zwei dicht benachbarte Kugelhaufen, wie sie gegens\u00e4tzlicher kaum sein k\u00f6nnten: <strong>M53<\/strong> ist klein, sehr hell, kompakt und im 9er aufgel\u00f6st mit einem sehr dichten Kern. <strong>NGC 5053<\/strong> erscheint hingegen v\u00f6llig aufgel\u00f6st als leicht k\u00f6rnige Fl\u00e4che, in der sichere Einzelsterne auszumachen sind. Zudem ist das Objekt richtig gro\u00df und f\u00fcllt etwa das halbe Gesichtsfeld des 9er Naglers (ca. 20&#8242;).<\/p>\n<p><strong>M51<\/strong><\/p>\n<p>Der Himmel ist nun so gut, dass es mir bei diesem Objekt einen Moment die Sprache verschl\u00e4gt. Was hier an Galaxienarmen und Knoten erscheint, l\u00e4sst sich nicht mit wenigen Worten beschreiben. Letztlich kann man an diesem Objekt sicherlich mehrer Stunden verbringen!<\/p>\n<p><strong>NGC 5216 und NGC 5218 (Arp 104)<\/strong><\/p>\n<p>Dieses nette Galaxienp\u00e4rchen ist ein Tipp aus dem VdS-Journal Nr. 33. Zwischen beiden Galaxien gibt es eine Materiebr\u00fccke, die auf lange belichteten Aufnahmen zu sehen ist. Im VdS-Journal ist eine Sichtung mit 16&#8243; beschrieben, die ich nachvollziehen wollte. Kurz: es gelang nicht. Das bisschen m\u00f6gliche Nebeligkeit bei schwacher Vergr\u00f6\u00dferung entpuppte sich bei h\u00f6here Verg\u00f6\u00dferung als eine Ansammlung von Vordergrundsternen. Die Galaxien selbst sind h\u00fcbsch und wenigstens eine ist offensichtlich irregul\u00e4r: <strong>NGC 5218<\/strong> besitzt ein kastenartiges Aussehen. Wenn die Br\u00fccke zu sehen sein soll, muss der Abend sicherlich noch besser sein.<\/p>\n<p><strong>PK 208+33.1 = Abell 30<\/strong><\/p>\n<p>Vor zwei Wochen hatte ich ihn versucht und war gescheitert. Letztlich eine Art Anf\u00e4ngerfehler: da ich in den letzten Monaten sehr viele kleine, zum Teil stellare PN beobachtet hatte, hatte ich k\u00fcrzlich reflexartig gleich die 140fache Vergr\u00f6\u00dferung benutzt. Und das vertr\u00e4gt dieser PN gar nicht. Im 22mm Okular, d.h. etwa 4 mm Austrittspupille und 96fache Vergr\u00f6\u00dferung mit [OIII]-Filter war der PN als gro\u00dfe, unstrukturierte Fl\u00e4che sicher zu halten. Dabei fand ich das Objekt sogar aus der Erinnerung heraus und konnte die Position nach der Beobachtung anhand einer Karte verifizieren.<\/p>\n<p><strong>M3<\/strong><\/p>\n<p>Ein kleiner H\u00f6hepunkt, gerade auch f\u00fcr die Neulinge am Beobachtungsabend. Wir hatten diesen Kugelsternhaufen zuvor in einem 120mm-Refraktor und 114mm-Newton beobachtet, durchaus schon mit K\u00f6rnigkeit am Rand. Bei 200facher Vergr\u00f6\u00dferung im 16&#8243;er sieht das nat\u00fcrlich v\u00f6llig anders aus &#8230;<\/p>\n<p><strong>NGC 4565<br \/>\n<\/strong><br \/>\nDen durchaus kr\u00f6nenden Abschluss bildete diese extrem bekannte Edge-On Galaxie in Coma Berenices. Im 9er Nagler bei 220x scheint sie fast das gesamte Gesichtsfeld zu durchmessen &#8211; was bei diesem Gesichtsfeld was hei\u00dfen will! Die Staubbandkante stand wie gemei\u00dfelt im Bildfeld. Und noch wichtiger: jenseits des Staubbandes ist in nord\u00f6stlicher Richtung ein Teil des Galaxienzentrums in Form einer kleinen Haube zu erkennen. Dies spricht f\u00fcr die Himmelsqualit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung: <\/strong><br \/>\nZum Einsatz kam mein 16&#8243; f\/5 Dobson.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ja ein Dingen: da bl\u00e4st ein Vulkan auf Island ein wenig Asche in die Luft und schon stehen die R\u00e4der &#8230; naja, Flugzeugturbinen &#8230; still. 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